Vor Dem Gesetz Franz Kafka

Kennt ihr das Gefühl, wenn ihr versucht, ein Paket bei der Post abzuholen, aber die Schlange so lang ist, dass ihr euch fragt, ob ihr überhaupt noch vor Ladenschluss drankommt? Oder wenn ihr eine komplizierte Steuererklärung ausfüllen müsst und gefühlt hundert verschiedene Formulare ausfüllen müsst, nur um am Ende festzustellen, dass ihr etwas falsch gemacht habt? Willkommen in der Welt von Kafka! Genauer gesagt: Willkommen vor dem Gesetz, wie Kafka es so genial (und beklemmend) beschrieben hat.
Ein Türhüter, ein Mann vom Lande – und jede Menge Frustration
Kafka hat eine kurze Parabel geschrieben, die er "Vor dem Gesetz" nannte. Es ist eigentlich nur eine kleine Geschichte, aber sie hat es in sich. Ein Mann vom Lande will vor das Gesetz. Klingt doch erstmal harmlos, oder? Aber da steht ein Türhüter, ein ganz schön mürrischer Typ, der ihm sagt: "Heute nicht."
Der Mann lässt sich nicht entmutigen. Er wartet und wartet und wartet. Er versucht, den Türhüter zu bestechen, ihn zu überreden, irgendetwas! Aber der Türhüter bleibt hart. Jahre ziehen ins Land. Der Mann wird alt und schwach. Schließlich, kurz vor seinem Tod, fragt er den Türhüter, warum in all den Jahren niemand außer ihm vor das Gesetz kommen wollte. Und der Türhüter antwortet: "Diese Tür war nur für dich bestimmt. Jetzt gehe ich und schließe sie."
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BÄM! Was für ein Ende, oder? So richtig kafkaesk, eben. Aber was bedeutet das Ganze eigentlich?
Denkt mal an die Bürokratie. Habt ihr schon mal versucht, irgendwas von einer Behörde zu bekommen? Vielleicht eine Baugenehmigung, eine Arbeitserlaubnis oder einfach nur eine Auskunft? Dann wisst ihr, wovon ich rede. Manchmal hat man das Gefühl, man rennt gegen eine Wand aus Paragraphen, Formularen und unmotivierten Beamten. Der Türhüter ist in diesem Fall die Person, die einen immer wieder abwimmelt oder an die nächste Stelle verweist, wo man dann wieder warten muss.

Das Gesetz: Immer unerreichbar?
Kafkas Geschichte wirft die Frage auf, ob das Gesetz überhaupt für jeden zugänglich ist. Ist es für den "kleinen Mann" überhaupt möglich, Gerechtigkeit zu erfahren? Oder ist es wie bei dem Mann vom Lande, der sein ganzes Leben lang vor der Tür wartet, ohne jemals hineingelassen zu werden?
Ist das Gesetz vielleicht etwas Abstraktes, etwas, das man nie wirklich verstehen kann? Wie ein riesiges Labyrinth, in dem man sich verirrt und nie den Ausgang findet? Manchmal kommt es einem doch wirklich so vor, oder?

Vergesst nicht, der Mann vom Lande hat sein ganzes Leben vor dieser Tür verbracht! Er hat alles versucht, aber er hat nie das erreicht, was er wollte. Das ist schon ziemlich deprimierend. Aber vielleicht ist es auch eine Aufforderung, sich nicht entmutigen zu lassen. Vielleicht ist es wichtig, hartnäckig zu bleiben und für seine Rechte zu kämpfen.
Kafka im Alltag: Ein paar Beispiele
Kafka ist nicht nur etwas für Literaturwissenschaftler. Er ist mitten im Alltag. Denkt an:

- Die endlose Warteschleife beim Kundenservice eures Telefonanbieters.
- Den Versuch, einen Parkplatz in der Innenstadt zu finden.
- Die Suche nach der perfekten Avocado im Supermarkt (die dann doch zu hart oder zu weich ist).
Das sind alles kleine, alltägliche Frustrationen, die uns aber trotzdem ganz schön auf die Nerven gehen können. Und genau das ist Kafka! Das Absurde im Alltag, das Gefühl der Machtlosigkeit gegenüber einer übermächtigen Institution (oder einer Avocado).
Also, was lernen wir daraus?
Vielleicht, dass das Leben manchmal ganz schön kafkaesk sein kann. Dass wir uns manchmal wie der Mann vom Lande fühlen, der vor einer unüberwindbaren Hürde steht. Aber vielleicht auch, dass es wichtig ist, nicht aufzugeben, auch wenn es schwerfällt. Und vielleicht, dass man manchmal einfach über sich selbst lachen sollte, wenn man wieder mal in einer kafkaesken Situation steckt. Denn am Ende ist das Leben ja auch irgendwie komisch, oder?
Und wer weiß, vielleicht öffnet sich die Tür ja doch noch irgendwann.
