Bühnenbild Besuch Der Alten Dame

Okay, lasst uns ehrlich sein. Theaterbesuche. Manchmal sind sie... naja, anstrengend. Besonders, wenn es um Klassiker geht. Und "Der Besuch der alten Dame" von Friedrich Dürrenmatt? Großartiges Stück, keine Frage. Aber das Bühnenbild? Darüber müssen wir reden.
Ich meine, ich verstehe es ja. Es soll wahrscheinlich Güllen darstellen. Eine heruntergekommene, triste Kleinstadt. Graue Mauern, bröckelnder Putz, vielleicht ein paar verrostete Fabrikschornsteine im Hintergrund. Alles klar. Message angekommen.
Die ewige Tristesse
Aber muss es wirklich jede Inszenierung so unfassbar deprimierend sein? Ist es wirklich nötig, dass die Bühne aussieht, als hätte eine Horde depressiver Architekten einen Wettbewerb für die hässlichste Stadt gewonnen? Ich sage: Nein!
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Ich weiß, ich weiß. Es geht um Moral, um Gier, um den Verfall der Gesellschaft. Das spiegelt sich natürlich im Bühnenbild wider. Aber mal ehrlich: Nach zwei Stunden in diesem grauen Elend sehne ich mich nach einem Regenbogen, nach einer Blumenwiese, nach irgendetwas, das nicht aussieht, als wäre es direkt aus einem Tschernobyl-Filmset entsprungen.
Und hier kommt meine unpopuläre Meinung: Ich glaube, man könnte die Geschichte auch erzählen, ohne das Publikum in eine existenzielle Krise zu stürzen. Könnte man nicht ein bisschen Farbe ins Spiel bringen? Ein bisschen Humor? Ein bisschen...Lebensfreude?

Ich stelle mir vor: Güllen, bevor Claire Zachanassian kommt. Eine Stadt, die zwar nicht reich ist, aber in der die Menschen trotzdem leben. Vielleicht ein paar bunte Fassaden, ein blühender Baum, ein kleines Café mit lachenden Menschen. Dann, langsam, nach und nach, verdunkelt sich alles. Die Farben verblassen, der Baum stirbt, die Menschen werden gierig und böse. So hätten wir den Verfall, aber eben nicht von Anfang an die volle Breitseite Tristesse.
Oder was wäre mit einer abstrakten Interpretation? Statt einer exakten Nachbildung von Güllen könnte man mit Symbolen arbeiten. Riesige Geldscheine, die von der Decke hängen? Eine Waage, die immer weiter in Richtung Habgier kippt? Ein roter Teppich, der sich in eine Blutspur verwandelt?

Ich will ja nicht sagen, dass alle bisherigen Bühnenbilder schlecht waren. Es gab sicher auch kreative und beeindruckende Lösungen. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass sich viele Regisseure zu sehr an der "Tradition" orientieren. An dem Bild von Güllen, das sich in unserem kollektiven Gedächtnis festgesetzt hat.
Mehr Mut zur Farbe!
Ich plädiere für mehr Mut! Mehr Experimentierfreudigkeit! Mehr Farbe! Ich möchte aus dem Theater gehen und nicht das Gefühl haben, ich hätte gerade eine Therapie-Sitzung hinter mir. Ich möchte unterhalten werden, zum Nachdenken angeregt werden – und vielleicht sogar ein bisschen lachen können. Selbst bei Dürrenmatt.

Ich weiß, das klingt jetzt alles sehr ketzerisch. Aber ich glaube, wir tun den Klassikern keinen Gefallen, wenn wir sie immer wieder auf die gleiche, staubtrockene Art und Weise inszenieren. Wir müssen sie neu interpretieren, ihnen neues Leben einhauchen, sie für das Publikum von heute relevant machen. Und dazu gehört auch, das Bühnenbild zu überdenken.
Also, liebe Bühnenbildner da draußen: Lasst eure Kreativität spielen! Traut euch, anders zu sein! Und wenn ihr das nächste Mal "Der Besuch der alten Dame" inszeniert: Denkt daran, dass ein bisschen Farbe noch niemandem geschadet hat.

Und das ist meine unpopuläre Meinung. Vielleicht bin ich ja auch einfach nur ein hoffnungsloser Optimist. Aber ich glaube fest daran, dass man auch schwierige Themen mit einem Augenzwinkern angehen kann. Und dass auch Güllen ein bisschen Farbe vertragen könnte.
Oder was meint ihr?
