Welche Krankheiten Stecken Hinter Zungenbrennen

Zungenbrennen, auch als Glossodynie oder Burning-Mouth-Syndrom (BMS) bekannt, ist ein oft quälendes Gefühl von Schmerzen, Brennen oder Stechen auf der Zunge, den Lippen, dem Gaumen oder im gesamten Mundraum. Es kann ohne erkennbare Ursache auftreten und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Während Zungenbrennen manchmal isoliert auftritt, kann es auch ein Symptom für eine Vielzahl von zugrunde liegenden Erkrankungen sein. Daher ist eine sorgfältige Diagnose essentiell, um die richtige Behandlung einzuleiten.
Mögliche Ursachen und zugrunde liegende Erkrankungen
Die Ursachen für Zungenbrennen sind vielfältig und nicht immer leicht zu identifizieren. Man unterscheidet zwischen primärem und sekundärem Zungenbrennen. Beim primären Zungenbrennen, auch idiopathisches Zungenbrennen genannt, lässt sich keine spezifische Ursache finden. Man vermutet hier eine Störung der Nervenfunktion im Mundbereich. Beim sekundären Zungenbrennen hingegen ist das Brennen auf eine andere Erkrankung oder einen beeinflussenden Faktor zurückzuführen.
Neurologische Ursachen
Nervenschäden können eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Zungenbrennen spielen. Beschädigte oder fehlfunktionierende Nerven können falsche Signale an das Gehirn senden, die als Brennen wahrgenommen werden.
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- Neuropathie: Diabetische Neuropathie, Multiple Sklerose oder andere neurologische Erkrankungen können die Nerven im Mundbereich beeinträchtigen und Zungenbrennen verursachen.
- Trigeminusneuralgie: Obwohl hauptsächlich Gesichtsschmerzen verursacht, kann die Trigeminusneuralgie in seltenen Fällen auch Zungenbrennen auslösen.
Ernährungsbedingte Ursachen
Ein Mangel an bestimmten Nährstoffen kann sich ebenfalls in Form von Zungenbrennen äußern.
- Vitaminmangel: Insbesondere ein Mangel an Vitamin B12, Eisen, Folsäure oder Zink kann zu Zungenbrennen führen. Eine Blutuntersuchung kann hier Aufschluss geben.
- Eisenmangelanämie: Ein Eisenmangel kann neben Müdigkeit und Blässe auch Zungenbrennen verursachen.
Infektionen
Bestimmte Infektionen im Mundbereich können Zungenbrennen begünstigen.

- Pilzinfektionen (Candidose): Ein Befall der Mundschleimhaut mit dem Hefepilz Candida albicans kann zu einem brennenden Gefühl auf der Zunge führen.
- Herpesinfektionen: In seltenen Fällen kann eine Herpesinfektion im Mundbereich auch Zungenbrennen verursachen.
Allergien und Unverträglichkeiten
Allergische Reaktionen oder Unverträglichkeiten auf bestimmte Stoffe können ebenfalls Zungenbrennen auslösen.
- Nahrungsmittelallergien: Manche Menschen reagieren allergisch auf bestimmte Nahrungsmittel und entwickeln als Symptom Zungenbrennen.
- Kontaktallergien: Allergien auf Zahnpasta, Mundspülungen, Dentalmaterialien oder Prothesenmaterialien können ebenfalls Zungenbrennen verursachen.
Medikamente
Einige Medikamente können als Nebenwirkung Zungenbrennen verursachen.

- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können den Speichelfluss reduzieren und so zu einem trockenen Mund und Zungenbrennen führen.
- Blutdrucksenker: Auch einige Blutdrucksenker können Zungenbrennen als Nebenwirkung haben.
Hormonelle Veränderungen
Hormonelle Schwankungen, insbesondere bei Frauen in den Wechseljahren, können zu Zungenbrennen führen. Der sinkende Östrogenspiegel kann die Mundschleimhaut empfindlicher machen.
Sjögren-Syndrom
Das Sjögren-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung, die sich durch trockene Augen und einen trockenen Mund auszeichnet. Der trockene Mund kann wiederum zu Zungenbrennen führen.
Psychische Faktoren
Stress, Angstzustände und Depressionen können Zungenbrennen verstärken oder sogar auslösen. Es wird vermutet, dass psychische Faktoren die Schmerzwahrnehmung beeinflussen können.

Andere Ursachen
Weitere mögliche Ursachen für Zungenbrennen sind:
- Zähneknirschen (Bruxismus): Das nächtliche Zähneknirschen kann die Kaumuskulatur verspannen und zu Zungenbrennen führen.
- Refluxkrankheit (GERD): Aufsteigende Magensäure kann die Mundschleimhaut reizen und Zungenbrennen verursachen.
- Zungenpiercings: In seltenen Fällen kann ein Zungenpiercing zu Nervenschäden und Zungenbrennen führen.
Diagnose und Behandlung
Um die Ursache für Zungenbrennen zu finden, ist eine gründliche Anamnese und Untersuchung durch einen Arzt oder Zahnarzt erforderlich. Dazu gehören:

- Gespräch über die Krankengeschichte: Der Arzt wird nach Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, Ernährungsgewohnheiten und psychischen Belastungen fragen.
- Untersuchung des Mundraums: Der Arzt wird die Zunge, die Mundschleimhaut und das Zahnfleisch genau untersuchen.
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Aufschluss über mögliche Nährstoffmängel, Entzündungen oder andere Erkrankungen geben.
- Allergietests: Bei Verdacht auf eine Allergie können Allergietests durchgeführt werden.
- Speichelflusstest: Ein Speichelflusstest kann Aufschluss über die Speichelproduktion geben.
- Neurologische Untersuchung: Bei Verdacht auf eine neurologische Ursache kann eine neurologische Untersuchung erforderlich sein.
Die Behandlung von Zungenbrennen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Wenn eine spezifische Ursache gefunden wird, wird diese behandelt. Beispiele:
- Behandlung von Nährstoffmängeln: Durch die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln können Nährstoffmängel behoben werden.
- Behandlung von Infektionen: Pilzinfektionen werden mit Antimykotika behandelt.
- Anpassung der Medikation: Wenn Medikamente Zungenbrennen verursachen, kann der Arzt die Medikation anpassen oder alternative Medikamente verschreiben.
- Psychologische Therapie: Bei psychischen Ursachen kann eine psychologische Therapie helfen, Stress und Angstzustände zu reduzieren.
Zusätzlich zur Behandlung der Ursache können symptomatische Maßnahmen zur Linderung des Zungenbrennens eingesetzt werden:
- Vermeidung von Reizstoffen: Scharfe, saure oder stark gewürzte Speisen sollten vermieden werden.
- Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen und die Verwendung von Zahnseide sind wichtig.
- Vermeidung von Tabak und Alkohol: Tabak und Alkohol können die Mundschleimhaut reizen.
- Kaugummi kauen: Kaugummi kauen kann den Speichelfluss anregen und den Mund feucht halten.
- Eiswürfel lutschen: Eiswürfel lutschen kann das Brennen lindern.
- Schmerzmittel: In einigen Fällen können Schmerzmittel zur Linderung der Schmerzen eingesetzt werden.
Fazit
Zungenbrennen kann sehr belastend sein, ist aber in vielen Fällen behandelbar. Eine sorgfältige Diagnose ist entscheidend, um die zugrunde liegende Ursache zu identifizieren und die richtige Behandlung einzuleiten. Sollten Sie unter Zungenbrennen leiden, ist es wichtig, einen Arzt oder Zahnarzt aufzusuchen, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Therapie zu beginnen. Ignorieren Sie das Brennen nicht – eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können Ihre Lebensqualität deutlich verbessern. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt!
