Neuer Job Und Gleich Krank Wer Zahlt

Gerade einen neuen Job angefangen, die Freude ist groß – und dann das: Du wirst krank. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern wirft auch viele Fragen auf. Wer zahlt jetzt dein Gehalt? Welche Fristen musst du beachten? Keine Panik, wir klären auf.
Viele Menschen kennen diese Situation. Die Aufregung des Neustarts, die neuen Kollegen, die Einarbeitung – und plötzlich streikt der Körper. Es ist ein Szenario, das Unsicherheit und Stress auslöst. Denn oft ist man sich unsicher über die eigenen Rechte und Pflichten.
Dieser Artikel soll dir helfen, dich im Dschungel der Regelungen zurechtzufinden und deine Rechte zu kennen. Wir beleuchten die wichtigsten Aspekte und geben dir praktische Tipps, damit du dich auf deine Genesung konzentrieren kannst, ohne unnötigen Stress.
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Die ersten Wochen: Der Knackpunkt
Die ersten Wochen im neuen Job sind entscheidend, wenn es um die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geht. Hier liegt der Knackpunkt, der oft zu Missverständnissen führt.
Die ersten vier Wochen: Kein Anspruch auf Lohnfortzahlung
Im Normalfall hast du in den ersten vier Wochen deines neuen Arbeitsverhältnisses keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung durch deinen Arbeitgeber. Das bedeutet: Wenn du innerhalb dieser Zeit krank wirst, zahlt der Arbeitgeber dein Gehalt nicht weiter.
Warum ist das so? Der Gesetzgeber hat diese Regelung eingeführt, um Arbeitgebern eine gewisse "Probezeit" zu gewähren. In dieser Zeit sollen sie die Möglichkeit haben, die Leistungsfähigkeit des neuen Mitarbeiters zu beurteilen, ohne sofort zur Lohnfortzahlung verpflichtet zu sein.
Aber: Das bedeutet nicht, dass du ohne Geld dastehst. Statt Lohnfortzahlung erhältst du in diesem Fall Krankengeld von deiner Krankenkasse. Darauf kommen wir später noch genauer zu sprechen.
Nach vier Wochen: Voller Anspruch auf Lohnfortzahlung
Sobald du die vier Wochen im neuen Job überschritten hast, ändert sich die Situation grundlegend. Ab diesem Zeitpunkt hast du vollen Anspruch auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall – genauso wie alle anderen Arbeitnehmer.
Das bedeutet: Dein Arbeitgeber ist verpflichtet, dir dein Gehalt für die Dauer der Krankheit weiterzuzahlen, und zwar für bis zu sechs Wochen. Die Höhe der Lohnfortzahlung entspricht deinem regulären Gehalt.
Wichtig: Es gilt immer der Zeitpunkt des Beginns der Arbeitsunfähigkeit. Wenn du also am 27. Tag deines neuen Jobs krank wirst und länger als eine Woche ausfällst, bekommst du ab dem 29. Tag Krankengeld von der Krankenkasse.

Krankengeld: Die Alternative in den ersten Wochen
Wie bereits erwähnt, erhältst du in den ersten vier Wochen deines neuen Jobs Krankengeld, wenn du krank wirst. Aber was genau ist Krankengeld und wie funktioniert das?
Was ist Krankengeld?
Krankengeld ist eine Sozialleistung, die von deiner Krankenkasse gezahlt wird, wenn du arbeitsunfähig bist und keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung hast.
Höhe des Krankengeldes: Das Krankengeld beträgt in der Regel 70 Prozent deines Bruttoverdienstes, maximal jedoch 90 Prozent deines Nettoverdienstes. Von diesem Betrag werden noch Beiträge zur Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung abgezogen.
Dauer des Krankengeldes: Du erhältst Krankengeld für maximal 78 Wochen innerhalb von drei Jahren für dieselbe Krankheit. Nach Ablauf dieser Frist endet der Anspruch auf Krankengeld, es sei denn, du wirst aufgrund einer anderen Krankheit arbeitsunfähig.
Wie beantragst du Krankengeld?
Um Krankengeld zu beantragen, musst du folgende Schritte unternehmen:
- Arztbesuch: Gehe zu deinem Arzt und lass dir eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen.
- Mitteilung an den Arbeitgeber: Informiere deinen Arbeitgeber unverzüglich über deine Arbeitsunfähigkeit.
- Einreichung bei der Krankenkasse: Reiche die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung so schnell wie möglich bei deiner Krankenkasse ein. Viele Krankenkassen bieten mittlerweile auch die Möglichkeit, die Bescheinigung online hochzuladen.
- Auszahlung: Die Krankenkasse prüft deinen Anspruch und zahlt dir das Krankengeld aus. Die Auszahlung erfolgt in der Regel wöchentlich oder monatlich.
Wichtig: Achte darauf, alle Fristen einzuhalten und die Unterlagen vollständig einzureichen, um Verzögerungen bei der Auszahlung zu vermeiden.
Was passiert nach sechs Wochen Lohnfortzahlung?
Wenn du länger als sechs Wochen krank bist, endet der Anspruch auf Lohnfortzahlung durch deinen Arbeitgeber. Was passiert dann?
Krankengeld nach der Lohnfortzahlung
Nach Ablauf der sechs Wochen Lohnfortzahlung springt die Krankenkasse ein und zahlt dir weiterhin Krankengeld. Die Höhe des Krankengeldes bleibt unverändert.

Wichtig: Du musst weiterhin eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung von deinem Arzt vorlegen, um deinen Anspruch auf Krankengeld aufrechtzuerhalten. Die Bescheinigung musst du in der Regel wöchentlich oder monatlich bei deiner Krankenkasse einreichen.
Aussteuerung: Wenn das Krankengeld endet
Wie bereits erwähnt, ist der Anspruch auf Krankengeld auf 78 Wochen innerhalb von drei Jahren begrenzt. Wenn du länger als diese Zeit krank bist, wirst du von der Krankenkasse "ausgesteuert".
Was bedeutet das? Das bedeutet, dass die Krankenkasse keine weiteren Leistungen mehr zahlt. Du musst dich dann an andere Stellen wenden, um deinen Lebensunterhalt zu sichern.
Mögliche Optionen nach der Aussteuerung:
- Arbeitslosengeld: Wenn du arbeitsfähig bist, aber keine neue Arbeitsstelle findest, kannst du Arbeitslosengeld beantragen.
- Erwerbsminderungsrente: Wenn du aufgrund deiner Krankheit nicht mehr oder nur noch eingeschränkt arbeiten kannst, kannst du eine Erwerbsminderungsrente beantragen.
- Sozialhilfe: Wenn du keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld oder Erwerbsminderungsrente hast, kannst du Sozialhilfe beantragen.
Sonderfälle und Ausnahmen
Es gibt einige Sonderfälle und Ausnahmen von den oben genannten Regelungen. Diese solltest du kennen, um deine Rechte optimal wahrnehmen zu können.
Arbeitsunfall oder Berufskrankheit
Wenn deine Arbeitsunfähigkeit auf einen Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit zurückzuführen ist, gelten besondere Regelungen. In diesem Fall ist die Berufsgenossenschaft zuständig.
Die Berufsgenossenschaft übernimmt die Kosten für die medizinische Behandlung und zahlt dir im Falle einer Arbeitsunfähigkeit Verletztengeld. Das Verletztengeld ist in der Regel höher als das Krankengeld.
Wichtig: Informiere deinen Arbeitgeber unverzüglich über den Arbeitsunfall oder den Verdacht auf eine Berufskrankheit. Dein Arbeitgeber muss den Unfall oder die Krankheit dann bei der Berufsgenossenschaft melden.

Wiederholte Erkrankungen
Wenn du innerhalb eines Jahres aufgrund derselben Krankheit mehrfach arbeitsunfähig bist, kann es zu Problemen mit der Lohnfortzahlung oder dem Krankengeld kommen.
Folgende Regelungen gelten:
- Lohnfortzahlung: Der Anspruch auf Lohnfortzahlung besteht nur einmalig für sechs Wochen innerhalb eines Jahres für dieselbe Krankheit.
- Krankengeld: Wenn du nach Ablauf der Lohnfortzahlung erneut aufgrund derselben Krankheit arbeitsunfähig bist, wird das Krankengeld auf die 78 Wochen angerechnet.
Wichtig: Kläre die Situation mit deiner Krankenkasse ab, um sicherzustellen, dass du weiterhin Anspruch auf Leistungen hast.
Kündigung während der Krankheit
Eine Kündigung während der Krankheit ist grundsätzlich möglich, aber es gibt einige Besonderheiten zu beachten.
Kündigungsschutz: Während der ersten sechs Wochen der Arbeitsunfähigkeit besteht kein besonderer Kündigungsschutz. Das bedeutet, dass dein Arbeitgeber dich grundsätzlich kündigen kann.
Nach sechs Wochen: Nach Ablauf der sechs Wochen Lohnfortzahlung genießt du einen gewissen Kündigungsschutz. Dein Arbeitgeber kann dich nur noch aus wichtigen Gründen kündigen, beispielsweise wenn dein Arbeitsplatz aufgrund der Krankheit wegfällt.
Wichtig: Lass dich im Falle einer Kündigung während der Krankheit von einem Anwalt beraten, um deine Rechte zu wahren.
Tipps für den Umgang mit Krankheit im neuen Job
Hier sind einige praktische Tipps, die dir helfen können, mit Krankheit im neuen Job umzugehen:

- Kommunikation: Informiere deinen Arbeitgeber so früh wie möglich über deine Krankheit. Eine offene und ehrliche Kommunikation ist wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden.
- Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung: Reiche die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung unverzüglich bei deinem Arbeitgeber und deiner Krankenkasse ein.
- Gesundheit: Achte auf deine Gesundheit und versuche, schnell wieder fit zu werden. Eine gesunde Lebensweise und ausreichend Ruhe können dir dabei helfen.
- Rechte: Informiere dich über deine Rechte und Pflichten. Je besser du informiert bist, desto besser kannst du dich in dieser Situation verhalten.
- Beratung: Scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Dein Arzt, deine Krankenkasse oder ein Anwalt können dir bei Fragen und Problemen weiterhelfen.
Kontroverse Meinungen und Argumente
Es gibt auch kritische Stimmen zur Regelung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall in den ersten vier Wochen des Arbeitsverhältnisses. Einige argumentieren, dass diese Regelung unfair gegenüber Arbeitnehmern sei, da sie in einer ohnehin schwierigen Situation zusätzlich belastet würden.
Andere wiederum verteidigen die Regelung, da sie Arbeitgebern eine gewisse Sicherheit gebe und sie vor unberechtigten Forderungen schütze. Sie argumentieren, dass die Regelung dazu beitrage, Arbeitsplätze zu sichern und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu erhalten.
Es ist wichtig, diese unterschiedlichen Perspektiven zu berücksichtigen, um ein umfassendes Bild der Thematik zu erhalten.
Zusammenfassung und Ausblick
Krankheit im neuen Job ist eine unangenehme Situation, aber mit dem richtigen Wissen und der richtigen Vorbereitung kannst du sie meistern. Wichtig ist, deine Rechte zu kennen und dich aktiv darum zu kümmern.
In den ersten vier Wochen deines Arbeitsverhältnisses hast du keinen Anspruch auf Lohnfortzahlung, sondern erhältst Krankengeld von deiner Krankenkasse. Nach Ablauf dieser Frist hast du vollen Anspruch auf Lohnfortzahlung für bis zu sechs Wochen.
Informiere dich über deine Rechte und Pflichten, kommuniziere offen mit deinem Arbeitgeber und deiner Krankenkasse und scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du Fragen oder Probleme hast.
Die Regelungen zur Lohnfortzahlung im Krankheitsfall sind komplex und können zu Missverständnissen führen. Daher ist es wichtig, sich frühzeitig zu informieren und sich im Zweifelsfall beraten zu lassen.
Hast du noch Fragen oder Anregungen? Wie gehst du mit Krankheit im neuen Job um? Teile deine Erfahrungen und Gedanken mit uns!
