Liebe Grüße Aus Oder Von Insel

Ich saß neulich im Café, total vertieft in mein Croissant (das war übrigens fantastisch, muss ich mal erwähnen). Plötzlich höre ich am Nebentisch: "Liebe Grüße von der Insel!" Der Typ klang so...enthusiastisch! Ich dachte nur: "Welche Insel denn bitte? Sylt? Mallorca? Oder vielleicht doch Helgoland?" So viel Auswahl, so wenig Kontext! Das hat mich zum Nachdenken gebracht: Was genau meinen wir eigentlich, wenn wir "Liebe Grüße von der Insel" sagen? Und woher kommt dieser Drang, jedem sofort mitzuteilen, dass man sich gerade an einem – vermeintlich – paradiesischen Ort befindet?
Fangen wir mal an: "Liebe Grüße". Ein Klassiker. Eine Grußformel, so alt wie die Postkarte selbst. Aber ist sie noch zeitgemäß? Schreibt überhaupt noch jemand Postkarten? (Ich oute mich mal: Ja, ich ab und zu!) Egal, ob per Postkarte oder WhatsApp-Nachricht, "Liebe Grüße" sind allgegenwärtig. Sie sind freundlich, unverbindlich und irgendwie...nett. Aber eben auch ein bisschen langweilig, oder?
Und dann kommt das "von der Insel". Hier wird's spannend. Inseln haben was Magisches. Sie sind abgelegen, versprechen Entspannung und ein bisschen Abenteuer. Sie sind der Inbegriff von Urlaub. Aber welche Insel ist die "Insel" in dieser Grußformel? Ist es die Sehnsuchtsinsel jedes Einzelnen? Die Karibik? Die Ostsee? Oder vielleicht doch nur der Kleingartenverein am Stadtrand, der sich selbst "Inselparadies" nennt? (Scherz! Aber man weiß ja nie...)
Must Read
Die Wahrheit ist wahrscheinlich: Es ist die Insel im Kopf des Absenders. Eine Projektionsfläche für Urlaubsträume und Erholung. Und der Absender möchte uns mitteilen: "Ich bin gerade an einem Ort, an dem es mir gut geht. Und ich möchte, dass du das weißt!"
Klar, es gibt auch die "Liebe Grüße aus..."-Variante. Hier wird's konkreter. "Liebe Grüße aus Sylt!" Okay, dann wissen wir zumindest, wo du bist. Aber ändert das etwas an der Botschaft? Nicht wirklich. Es geht immer noch darum, uns wissen zu lassen, dass du dich gerade an einem (hoffentlich) schönen Ort befindest. Und vielleicht auch ein bisschen darum, uns neidisch zu machen. (Ganz ehrlich, wer ist schon komplett frei von Neid, wenn er so eine Nachricht bekommt?)

Ich frage mich aber auch: Warum fühlen wir uns so gedrängt, jede Reise sofort mit der ganzen Welt zu teilen? Müssen wir wirklich jeden Sonnenuntergang auf Instagram posten? Jedes Cocktailfoto auf Facebook? Jede "Liebe Grüße von..."-Nachricht an alle Kontakte schicken? Vielleicht sollten wir einfach mal den Moment genießen, ohne ihn sofort digital festzuhalten und zu teilen. (Nur so eine Idee...)
Andererseits, wer bin ich, das zu beurteilen? Wenn jemand glücklich ist und das teilen möchte, soll er das doch tun! Vielleicht ist es ja auch eine Art, uns an die schönen Dinge im Leben zu erinnern. Eine kleine Dosis Urlaub für den Alltag. (Und hey, vielleicht inspiriert es uns ja sogar, selbst mal wieder eine Insel zu besuchen!)

Also, was lernen wir daraus?
Erstens: "Liebe Grüße von der Insel" ist mehr als nur eine Grußformel. Es ist eine Botschaft, eine Projektion, ein Stück Urlaub für den Empfänger (und eine kleine Selbstdarstellung für den Absender).
Zweitens: Es ist okay, neidisch zu sein. Ein bisschen. Aber vergiss nicht, dass auch du irgendwann wieder eine Insel besuchen wirst. (Oder zumindest einen Kleingartenverein mit Insel-Ambitionen.)

Drittens: Genieße den Moment! Egal ob mit oder ohne Social Media. Hauptsache, du hast Spaß.
Und jetzt, entschuldigt mich, ich muss noch schnell eine Postkarte schreiben. Liebe Grüße...äh...aus dem Büro! (Ist ja auch irgendwie eine Insel, oder?) ;-)
