Ich Male Mir Den Winter Von Josef Guggenmos

Das Gedicht "Ich male mir den Winter" von Josef Guggenmos ist ein bekanntes und beliebtes Kindergedicht, das auf einfache und doch poetische Weise die Vorstellungskraft anregt und die Schönheit des Winters beschreibt. Es lädt Kinder ein, sich ihren eigenen Winter zu erschaffen, frei von den Einschränkungen der Realität. Der Fokus liegt auf der kreativen Auseinandersetzung mit der Jahreszeit und der Möglichkeit, durch die Kraft der Fantasie eine eigene, ideale Winterlandschaft zu erschaffen.
Der Inhalt und die Struktur des Gedichts
Das Gedicht ist in vier kurze Strophen unterteilt. Jede Strophe beschreibt einen Aspekt des Winters, der durch die Vorstellungskraft des Kindes geformt wird. Es beginnt mit der direkten Aufforderung: "Ich male mir den Winter", was sofort die persönliche und aktive Beteiligung des Lesers betont. Der Sprecher, vermutlich ein Kind, gestaltet seinen eigenen Winter, anstatt ihn einfach nur zu beobachten.
In der ersten Strophe geht es um den Schnee: "Ich male mir den Winter / Mit Schnee, so weiß wie Kreide." Der Schnee wird nicht nur als weiße Masse dargestellt, sondern mit der Farbe der Kreide verglichen, was eine Verbindung zur kindlichen Welt des Malens und Zeichnens herstellt. Die Formulierung "so weiß wie Kreide" ist eine einfache, aber effektive Vergleichstechnik, die für Kinder leicht verständlich ist.
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Die zweite Strophe beschreibt die Sonne: "Ich male mir die Sonne / So gelb, als wär' sie neu." Auch hier wird die Farbe betont, aber im Gegensatz zum kalten Weiß des Schnees steht das warme Gelb der Sonne. Die Formulierung "als wär' sie neu" vermittelt ein Gefühl von Frische und Unberührtheit. Es ist, als ob die Sonne jeden Tag neu erschaffen wird, um die Winterlandschaft zu erleuchten.
In der dritten Strophe geht es um die Bäume: "Ich male mir die Bäume / So krumm, wie's alte tun." Dieser Vers ist vielleicht etwas überraschender, da er nicht die typische Vorstellung von perfekten, verschneiten Bäumen bedient. Stattdessen werden krumme, alte Bäume dargestellt, was dem Gedicht eine gewisse Realitätsnähe und Tiefe verleiht. Es suggeriert, dass auch die unperfekten Dinge im Winter ihren Platz und ihre Schönheit haben. Es spiegelt auch die Individualität der Natur wider.

Die vierte und letzte Strophe beschreibt das Eis: "Ich male mir das Eis / So glatt, dass alle rutschen." Diese Strophe bringt eine spielerische und dynamische Komponente in das Gedicht. Das glatte Eis, auf dem alle rutschen, vermittelt ein Gefühl von Spaß und Bewegung. Es ist eine Einladung, die Freuden des Winters zu erleben, auch wenn es bedeutet, hinzufallen und wieder aufzustehen.
Interpretation und Bedeutung
Das Gedicht "Ich male mir den Winter" ist mehr als nur eine einfache Beschreibung der Jahreszeit. Es ist eine Ode an die Kraft der Fantasie und die Bedeutung der persönlichen Wahrnehmung. Guggenmos ermutigt Kinder, ihre eigene Welt zu erschaffen, ihre eigene Version des Winters zu malen. Es geht nicht darum, den Winter so darzustellen, wie er "wirklich" ist, sondern so, wie er empfunden wird.

Die Verwendung von einfachen und klaren Bildern macht das Gedicht für Kinder leicht zugänglich. Die Wiederholung des Satzes "Ich male mir..." in jeder Strophe betont die aktive Rolle des Kindes bei der Gestaltung der Winterlandschaft. Die Wahl der Adjektive und Vergleiche ist kindgerecht und anschaulich. Die Metaphern "Schnee, so weiß wie Kreide" oder "Sonne, so gelb, als wär' sie neu" sind nicht nur bildhaft, sondern regen auch die Vorstellungskraft an.
Darüber hinaus vermittelt das Gedicht eine positive Botschaft über die Schönheit der Natur, auch in ihrer vermeintlichen Unvollkommenheit. Die krummen, alten Bäume sind ein Beispiel dafür, dass auch Dinge, die nicht dem Ideal entsprechen, ihren Wert und ihre Ästhetik haben. Das Gedicht lehrt uns, die kleinen Freuden des Winters zu genießen, wie das Rutschen auf dem Eis, und die persönliche Interpretation der Umgebung wertzuschätzen.
Abschließend lässt sich sagen, dass "Ich male mir den Winter" ein wunderbares Gedicht ist, das nicht nur die Schönheit des Winters feiert, sondern auch die Bedeutung der Kreativität und Fantasie im Leben von Kindern betont. Es ist ein Gedicht, das zum Malen, Träumen und Entdecken einlädt und uns daran erinnert, dass wir alle die Fähigkeit haben, unsere eigene Welt zu erschaffen.
