Guten Morgen Wir Winken Uns Zu

Guten Morgen! Wir winken uns zu. Na, wer hat das auch schon mal leicht gezwungen gemacht?
Die Morgen-Wink-Pflicht: Eine ungeliebte Tradition?
Ich gebe es zu: Ich bin kein Morgenmensch. Eher so ein "Morgen-muss-erst-Kaffee-finden"-Mensch. Und dann kommt das: Der Morgen-Wink. Oder das Morgen-Nicken. Oder das Morgen-Irgendwas, um die Höflichkeit zu wahren.
Es ist wie ein unausgesprochenes Gesetz. Besonders im Büro. Kommst du rein, musst du winken. Oder nicken. Oder grummelnd ein "Morgen" murmeln. Sonst giltst du als unhöflich. Oder schlimmer noch: Als schlechte Laune verbreitend.
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Aber mal ehrlich: Brauchen wir das wirklich? Ist es nicht okay, einfach erstmal da zu sein? Den Kaffee zu inhalieren? In Ruhe die E-Mails zu checken, ohne gleich eine soziale Performance abliefern zu müssen?
Die Frage ist doch: Ist der Morgen-Wink wirklich ein Zeichen von Freundlichkeit? Oder nur eine leere Hülle? Ein Ritual, das wir aus Gewohnheit vollziehen?
Ich behaupte: Manchmal ist es letzteres. Manchmal winken wir, weil wir müssen. Nicht, weil wir wollen. Und das spürt man. Das ist wie ein falsches Lächeln. Unangenehm und irgendwie hohl.

Die Kollegen und das Winken...
Es gibt ja auch die Kollegen, die das Winken wirklich ernst nehmen. Die winken mit Inbrunst. Mit einem Strahlen im Gesicht, das fast schon blendet. Die sind wahrscheinlich schon seit fünf Uhr morgens wach und haben Yoga gemacht. Respekt! Aber auch ein bisschen unheimlich.
Und dann gibt es die, die den Morgen-Wink perfektioniert haben. Ein kurzes, präzises Nicken. Kaum sichtbar. Aber es ist da. Die Königsklasse des Minimalismus.

Und dann... dann gibt es mich. Irgendwo dazwischen. Meistens leicht verpeilt. Manchmal vergesse ich das Winken ganz. Und dann kommt das schlechte Gewissen. "Oh Gott, habe ich jetzt den sozialen Frieden im Büro gefährdet?"
Einmal habe ich versehentlich den falschen Kollegen angelächelt. Er war neu. Ich kannte ihn nicht. Er hat mich verwirrt angeschaut. Peinlich!
Mein (unpopuläre) Meinung: Mehr Authentizität, bitte!
Ich sage nicht, dass wir die Höflichkeit abschaffen sollen. Aber vielleicht... vielleicht könnten wir den Morgen-Wink etwas entkrampfen. Etwas authentischer gestalten.

Vielleicht reicht ein ehrliches "Morgen" mit einem leicht müden Blick. Oder ein freundliches Nicken, wenn man sich wirklich danach fühlt. Oder... oder einfach gar nichts. Solange man nicht böse schaut, ist doch alles gut, oder?
Ich wünsche mir mehr Raum für Individualität. Für unterschiedliche Morgen-Typen. Nicht jeder muss gleich nach dem Aufstehen eine soziale Höchstleistung vollbringen.

Und vielleicht... vielleicht wäre es sogar okay, wenn wir uns nicht jeden Morgen zuwinken würden. Vielleicht könnten wir uns stattdessen einfach mal fragen, wie es dem anderen wirklich geht. Anstatt nur die leere Hülle der Höflichkeit zu präsentieren.
Aber das ist nur meine Meinung. Vielleicht bin ich ja auch einfach nur ein Morgenmuffel. Und vielleicht... vielleicht winke ich Ihnen jetzt einfach mal zu. Nur so. Aus reiner Gewohnheit. Guten Morgen!
P.S.: Wenn Sie mich morgen früh nicht winken sehen, bitte nicht böse sein. Ich brauche wahrscheinlich nur meinen Kaffee. Und ein bisschen Zeit, um wach zu werden. Danke für Ihr Verständnis!
