Gilles De La Tourette Syndrom

Okay, stellt euch vor: Ich sitze im Kino, endlich der neue Superhelden-Blockbuster. Popcorn knistert, Dunkelheit senkt sich, die ersten Trailer laufen. Und direkt vor mir? Jemand, der alle paar Sekunden räuspert. Laut. Durchgehend. Ich, innerlich natürlich die Ruhe selbst (…nicht!), denke: "Okay, vielleicht eine Erkältung? Geht bestimmt gleich vorbei." Spoiler: Ging es nicht. Nach einer halben Stunde war ich kurz davor, dem armen Kerl eine Halslutschtablette an den Kopf zu werfen. Aber dann, plötzlich, dämmerte es: Könnte das vielleicht Tourette sein?
Und damit sind wir mittendrin im Thema: Gilles de la Tourette Syndrom, oder einfach Tourette. Ein Name, der sofort Bilder von wild fluchenden Menschen im Kopf entstehen lässt. Aber Leute, die Realität ist so viel komplexer – und oft auch viel witziger, wenn man ehrlich ist. (Nicht über die Betroffenen lachen, versteht sich! Eher mit ihnen!).
Was ist Tourette überhaupt?
Im Grunde ist Tourette eine neurologische Störung. Das bedeutet, es hat was mit dem Gehirn zu tun. Genauer gesagt, mit der Art und Weise, wie Nervenzellen miteinander kommunizieren. Stell dir vor, im Gehirn ist ein kleiner Kurzschluss, der sich in unkontrollierten Bewegungen oder Lauten äußert: den sogenannten Tics.
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Diese Tics können motorisch sein (z.B. Augenzwinkern, Kopfrucken, Schulterzucken) oder vokal (z.B. Räuspern, Schniefen, Schreien). Und hier kommt die Krux: Die meisten Leute denken bei Tourette sofort an das stereotype "Fluchen". Fachsprachlich heißt das Coprolalie, und ja, das kommt vor. Aber es ist tatsächlich eher selten! Nur ein kleiner Teil der Betroffenen hat diese Art von Tic. Also, das nächste Mal, wenn jemand "Tourette" und "Fluchen" in einem Satz verwendet, könnt ihr mit eurem neu gewonnenen Wissen glänzen. (Wobei, vielleicht nicht gerade im Kino...)
Die Ursachen – Ein mysteriöses Puzzle
Warum jemand Tourette entwickelt? Tja, das ist die Millionen-Dollar-Frage. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht hundertprozentig sicher. Es scheint aber eine Kombination aus genetischer Veranlagung und Umwelteinflüssen zu sein. Es ist also nicht unbedingt so, dass es in der Familie liegen muss, aber es erhöht die Wahrscheinlichkeit. Man könnte es mit einem komplizierten Puzzle vergleichen, bei dem noch einige Teile fehlen.

Und hier kommt noch was Interessantes: Tourette tritt oft zusammen mit anderen Erkrankungen auf, wie z.B. ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) oder Zwangsstörungen. Das macht die Diagnose und Behandlung natürlich nicht einfacher. (Als ob's das eh schon wäre!)
Diagnose und Behandlung – Geduld ist gefragt
Die Diagnose Tourette ist oft ein langer Prozess. Es gibt keinen simplen Bluttest oder Scan. Ärzte müssen verschiedene Faktoren berücksichtigen, wie z.B. die Art und Häufigkeit der Tics, das Alter des Betroffenen (die Symptome beginnen meist im Kindesalter) und das Vorliegen anderer Erkrankungen. Und hier ist ein kleiner Hinweis: Nicht alles, was zuckt oder räuspert, ist gleich Tourette! Es gibt auch andere Ursachen für Tics. (Also, nicht gleich selbstdiagnostizieren nach dem Lesen dieses Artikels!).

Und wie wird Tourette behandelt? Nun, da gibt es verschiedene Ansätze. Medikamente können helfen, die Tics zu reduzieren. Aber oft ist eine Verhaltenstherapie, insbesondere das sogenannte "Comprehensive Behavioral Intervention for Tics" (CBIT), sehr effektiv. Dabei lernen die Betroffenen, ihre Tics besser zu kontrollieren und alternative Verhaltensweisen zu entwickeln. Wichtig ist: Es gibt keine Heilung für Tourette, aber die Symptome können oft sehr gut in den Griff bekommen werden.
Mehr als nur Tics – Das Leben mit Tourette
Tourette ist mehr als nur ein paar Tics. Es kann das Leben der Betroffenen stark beeinflussen, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne. Einige berichten von Schwierigkeiten in der Schule oder im Job, von sozialer Ausgrenzung oder von einem geringen Selbstwertgefühl. Aber es gibt auch viele Beispiele von Menschen mit Tourette, die trotz ihrer Erkrankung ein erfülltes Leben führen. Und das ist doch das Wichtigste, oder? Es gibt sogar einige sehr kreative Köpfe, Künstler und Musiker, bei denen Tourette eine Art Ventil für ihre Kreativität ist.
Also, das nächste Mal, wenn ihr jemanden seht, der unkontrolliert zuckt oder Laute von sich gibt, denkt vielleicht erst mal an Tourette. Und vor allem: Seid verständnisvoll und tolerant. Denn hinter jedem Tic steckt ein Mensch mit einer ganz eigenen Geschichte. Und wer weiß, vielleicht lernt ihr ja sogar was dabei. (Und wer weiß, vielleicht habt ihr ja auch gerade gelernt, dass ich manchmal etwas zu viel Popcorn esse, wenn ich im Kino sitze…aber das ist eine andere Geschichte!).
