Die unendliche Suche nach der Seitenzahl von "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit"
Schon mal versucht, jemandem zu erklären, worum es in "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" von Marcel Proust geht? Oder noch schlimmer: Die Seitenzahl dieses Mammutwerks im Gedächtnis zu behalten? Dann willkommen im Club der Verlorenen! Es ist ein bisschen, als würde man versuchen, einem blinden Passagier den Geschmack von Madeleines zu beschreiben, während man selbst in einem Labyrinth aus Seiten, Bänden und Erinnerungen verloren geht.
Das Werk ist ja an sich schon ein Abenteuer. Sieben Bände, tausende von Seiten, unzählige Charaktere und eine Handlung, die sich gemächlich wie ein träge dahinfließender Fluss dahinzieht. Aber die Seitenzahl? Die ist ein Mysterium für sich. Man könnte meinen, etwas so simples wie eine Zahl sollte kein Problem darstellen. Denkste!
Warum ist das so? Nun, erstens gibt es keine definitive Seitenzahl. Je nach Ausgabe variiert die Zahl erheblich. Taschenbuch, Hardcover, E-Book, Originalausgabe, Übersetzung – jedes Format hat seine eigene Zählweise. Man kauft sich also nicht einfach "Proust", man kauft sich eine Version von Proust, und jede Version hat ihr eigenes kleines Zahlenuniversum.
Ich erinnere mich an einen Freund, nennen wir ihn Max, der sich fest vorgenommen hatte, das ganze Werk in einem Jahr zu lesen. Max ist ein Zahlenmensch, ein akribischer Planer. Er rechnete aus, wie viele Seiten er pro Tag schaffen musste, um sein Ziel zu erreichen. Er suchte also die Seitenzahl, um seinen Schlachtplan zu erstellen. Das Internet wurde durchforstet, Buchhandlungen wurden besucht, Professoren wurden befragt. Das Ergebnis? Eine wilde Mischung aus Zahlen zwischen 3000 und 4500 Seiten, je nachdem, wem man glaubte. Max verzweifelte fast. Am Ende gab er seinen Plan auf und beschloss, einfach zu lesen und die Seitenzahl dem Schicksal zu überlassen. Er sagte: "Proust liest man nicht, man erlebt ihn." Recht hat er!
Das Absurde daran ist ja, dass die Seitenzahl eigentlich völlig irrelevant ist. Es geht nicht darum, das Buch durchzuziehen, abzuhaken und dann stolz zu verkünden: "Ich habe Proust gelesen!" Es geht um die Reise selbst. Um die langen, verschlungenen Sätze, die detaillierten Beschreibungen, die subtilen Beobachtungen der menschlichen Natur. Um die Madeleines, die eine Flut von Erinnerungen auslösen. Es ist wie eine Schatzsuche, bei der der Schatz nicht am Ende des Weges, sondern auf dem Weg selbst liegt.
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Und trotzdem, dieses kleine Detail, diese unscheinbare Seitenzahl, wird zum Running Gag. Eine Freundin von mir schenkte mir einmal ein T-Shirt mit der Aufschrift: "Ich weiß die Seitenzahl von 'Auf der Suche nach der verlorenen Zeit' nicht, aber ich tue so, als ob." Ich trage es mit Stolz.
"Die Erinnerung an eine bestimmte Form ist nur die Sehnsucht nach einer verlorenen Welt, nicht die eines tatsächlichen Ortes."
Auf der Suche nach der verlorenen Zeit (Band 5): Im Schatten junger
– Marcel Proust
Vielleicht ist es ja gerade das, was Proust uns sagen will: Dass die Suche wichtiger ist als das Finden. Dass die Erinnerung an das, was wir suchen, oft schöner ist als das, was wir tatsächlich finden. Und dass die Seitenzahl eines Buches, so unbedeutend sie auch erscheinen mag, ein Symbol für unsere eigene unendliche Suche nach Bedeutung und Verständnis sein kann.
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Also, das nächste Mal, wenn dich jemand nach der Seitenzahl von "Auf der Suche nach der verlorenen Zeit" fragt, zucke einfach mit den Schultern und lächle. Sage etwas Tiefsinniges wie: "Die Seitenzahl ist relativ. Es kommt auf die Reise an." Und dann erzähle ihm von den Madeleines. Das wird ihn beeindrucken. Und wenn nicht, dann hast du zumindest eine gute Ausrede, um noch einmal in die Welt von Proust einzutauchen. Denn eines ist sicher: Verloren gehen kann man sich in diesem Buch immer wieder aufs Neue.
P.S.: Die Seitenzahl? Keine Ahnung. Aber wer braucht die schon?