Worte An Meine Erwachsene Tochter

Meine liebste Tochter, jetzt bist du also erwachsen. Puh, wo ist die Zeit hin? War es nicht erst gestern, dass du mir die Tapete mit Filzstiften verschönert hast? Erinnere mich, wer hat das eigentlich sauber gemacht?
Ich habe da so ein paar Gedanken, die ich loswerden muss. Einfach so, von Mama zu Tochter. Unter uns Pastorentöchtern (auch wenn wir keine sind).
Also, Punkt eins: Aufräumen. Ja, ich weiß, ein ewiges Thema. Aber mal ehrlich, musst du wirklich jede einzelne Klamotte auf dem Stuhl deponieren? Ist der Stuhl dein persönlicher Kleiderschrank-Friedhof? Ich sage ja nur, Besucher könnten denken, wir leben in einem Textilwarenlager.
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Und dann die Schuhe! Warum stehen die immer im Flur herum? Ist das eine neue Art von Kunstinstallation? "Schuh-Chaos in Erwartung des nächsten Gastes"?
Zweitens: Essen. Ich liebe es, für dich zu kochen. Wirklich! Aber wenn ich dir extra einen Auflauf mache, weil du den so magst, dann erwarte ich nicht, dass du ihn mit dem Kommentar "Ach, ich hab' eigentlich gar keinen Hunger" abtust. Hunger kommt beim Essen, Schatz. Denk dran.

Und apropos Essen: Dieses ganze "gesunde Ernährung"-Ding. Ich verstehe es ja, wirklich. Aber muss es wirklich immer Quinoa sein? Kann es nicht auch mal eine ganz normale Kartoffel geben? Mit Butter? Und Salz? Denk an deine Mutter, die sich mit Leidenschaft dem Genuss widmet!
Die Sache mit den Beziehungen…
Oh Gott, ein Minenfeld! Aber sei ehrlich, dieser Max... war der wirklich der Richtige? Ich habe ja nichts gesagt, aber ich fand, er hat immer so komisch gelächelt. So, als würde er ein Geheimnis kennen, das ich besser nicht erfahren sollte. Aber gut, du hast deine Erfahrungen gemacht.

Und jetzt Lisa. Sehr nett, aber sie redet einfach zu viel. Und ständig diese Selfies! Aber hey, solange du glücklich bist...
Merke: Höre auf dein Bauchgefühl! Und wenn dein Bauchgefühl sagt, dass der Typ komisch lächelt, dann lauf! Schnell!
Drittens: Geld. Ich weiß, es ist dein Geld. Aber vielleicht... nur vielleicht... könntest du ein bisschen weniger für "unbedingt notwendige" Handtaschen ausgeben und ein bisschen mehr sparen? Denk an deine Altersvorsorge! Oder an einen Urlaub mit deiner alten Mutter!

Das ist doch keine Altersvorsorge, wenn du 20 Paar Schuhe im Schrank hast, oder? Auch wenn sie noch so schick sind.
Viertens: Anrufe. Ich weiß, ich nerve. Aber wenn ich anrufe, dann nicht, um dich zu ärgern, sondern weil ich wissen will, ob es dir gut geht. Und wenn ich dir dreimal auf die Mailbox spreche, dann nicht, weil ich stalking betreibe, sondern weil ich mich sorge! Also, nimm einfach ab, ja?

Fünftens: Besuch. Komm öfter vorbei! Ich vermisse dich! Wir können zusammen Quinoa kochen (oder eben Kartoffeln mit Butter), deine Schuhe im Flur bewundern und über komisch lächelnde Typen lästern. Es wäre so schön!
Ich liebe dich, meine große, erwachsene Tochter. Auch wenn du manchmal etwas chaotisch, ernährungsbewusst und handtaschenverrückt bist. Du bist du. Und das ist gut so!
P.S.: Wer räumt jetzt eigentlich die Filzstiftreste von der neuen Tapete weg?
