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Wie Lang Ist Lebenslänglich In Deutschland


Wie Lang Ist Lebenslänglich In Deutschland

Stellen Sie sich vor, ein Urteil fällt: Lebenslänglich. Aber was bedeutet das wirklich in Deutschland? Ist es wirklich bis zum Tod im Gefängnis, oder gibt es eine Chance auf Freiheit? Dieses Thema ist komplex und oft missverstanden. Dieser Artikel richtet sich an alle, die sich für das deutsche Strafrecht interessieren, insbesondere an Laien, die eine klare und verständliche Erklärung der lebenslangen Freiheitsstrafe suchen.

Was bedeutet "lebenslänglich" im deutschen Recht?

In Deutschland ist die lebenslange Freiheitsstrafe die schwerste Strafe, die ein Gericht verhängen kann. Sie wird in der Regel bei besonders schweren Verbrechen wie Mord (§ 211 StGB) oder Völkermord (§ 6 VStGB) ausgesprochen. Aber anders als der Name vermuten lässt, bedeutet "lebenslänglich" in Deutschland nicht automatisch, dass der Verurteilte bis zu seinem Tod im Gefängnis bleiben muss.

Der wesentliche Unterschied liegt in der Möglichkeit der Aussetzung der Vollstreckung des Strafrestes zur Bewährung. Das bedeutet, dass der Verurteilte nach einer bestimmten Zeit die Chance hat, auf Bewährung freigelassen zu werden.

Die 15-Jahres-Regel: Ein Mythos?

Oft hört man von der "15-Jahres-Regel" im Zusammenhang mit lebenslangen Freiheitsstrafen. Diese Regel besagt, dass ein Verurteilter nach 15 Jahren Haft geprüft wird, ob er auf Bewährung freigelassen werden kann. Aber Vorsicht: Diese Regel ist kein automatischer Anspruch auf Freilassung.

§ 57a StGB (Strafgesetzbuch) regelt die Aussetzung des Strafrestes bei lebenslanger Freiheitsstrafe. Demnach kann das Gericht die Vollstreckung des Strafrestes zur Bewährung aussetzen, wenn:

Wie lang ist lebenslänglich in Deutschland? » Alles, was du wissen musst
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  • Der Verurteilte mindestens 15 Jahre der Strafe verbüßt hat.
  • Keine besondere Schwere der Schuld vorliegt.
  • Die Sozialprognose des Verurteilten positiv ist. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit gering sein muss, dass der Verurteilte erneut Straftaten begehen wird.

Die Schwere der Schuld ist ein entscheidender Faktor. Sie bezieht sich auf die Umstände der Tat, die Motive des Täters und sein Verhalten nach der Tat. Wenn die Schuld besonders schwerwiegend ist, kann die Aussetzung zur Bewährung auch nach 15 Jahren ausgeschlossen sein. Dies ist oft der Fall bei besonders grausamen oder heimtückischen Morden.

Was passiert nach 15 Jahren? Das Verfahren zur Bewährung

Nach 15 Jahren Haft wird die Strafvollstreckungskammer des zuständigen Landgerichts aktiv. Sie prüft, ob die Voraussetzungen für eine Aussetzung zur Bewährung vorliegen. Dabei werden folgende Aspekte berücksichtigt:

Wie lange ist „lebenslänglich“ in Deutschland? - lebenslange
Wie lange ist „lebenslänglich“ in Deutschland? - lebenslange
  • Gutachten von Psychologen und Sachverständigen: Diese beurteilen die Persönlichkeit des Verurteilten, seine Reue, sein Therapieerfolg und das Risiko erneuter Straftaten.
  • Stellungnahmen der Staatsanwaltschaft: Die Staatsanwaltschaft äußert sich ebenfalls zur Frage der Bewährung.
  • Anhörung des Verurteilten: Der Verurteilte hat die Möglichkeit, sich persönlich vor der Strafvollstreckungskammer zu äußern.
  • Akte und Gutachten aus der Haft: Die Führung des Verurteilten im Gefängnis wird berücksichtigt.

Die Entscheidung der Strafvollstreckungskammer ist kein Automatismus. Sie wird sorgfältig abgewogen und basiert auf einer umfassenden Bewertung aller relevanten Faktoren. Selbst wenn die 15 Jahre verstrichen sind und die Sozialprognose positiv ist, kann die Schwere der Schuld einer Bewährung entgegenstehen.

Lebenslänglich ohne Bewährung: Die Sicherungsverwahrung

In einigen Fällen kann zu der lebenslangen Freiheitsstrafe noch die Sicherungsverwahrung angeordnet werden (§ 66 StGB). Die Sicherungsverwahrung wird angeordnet, wenn der Täter als besonders gefährlich eingestuft wird und die Gefahr besteht, dass er nach Verbüßung der Haftstrafe weitere schwere Straftaten begehen wird. Die Sicherungsverwahrung wird im Anschluss an die Haftstrafe vollzogen und kann – im Gegensatz zur Haft – nicht zur Bewährung ausgesetzt werden. Das bedeutet, dass der Verurteilte tatsächlich bis zu seinem Tod in Haft bleiben kann.

Wie lange ist lebenslänglich in Deutschland? Fakten und Infos
Wie lange ist lebenslänglich in Deutschland? Fakten und Infos

Fazit: Lebenslänglich ist nicht gleich lebenslänglich

Die lebenslange Freiheitsstrafe in Deutschland ist ein komplexes Thema. Sie ist die härteste Strafe, die das deutsche Rechtssystem kennt, aber sie bedeutet nicht automatisch eine lebenslange Haft ohne Chance auf Freiheit. Die Möglichkeit der Aussetzung zur Bewährung nach 15 Jahren besteht, aber sie hängt von vielen Faktoren ab, insbesondere von der Schwere der Schuld und der Sozialprognose des Verurteilten. Die Entscheidung über eine Bewährung ist ein sorgfältiger Prozess, der von der Strafvollstreckungskammer unter Berücksichtigung aller relevanten Umstände getroffen wird.

Es ist wichtig zu verstehen, dass das deutsche Strafrechtssystem auf Resozialisierung ausgerichtet ist. Auch bei schwersten Verbrechen soll dem Täter die Chance gegeben werden, sich zu bessern und in die Gesellschaft zurückzukehren. Die lebenslange Freiheitsstrafe ist daher weniger eine Strafe der Rache, sondern vielmehr eine Maßnahme zum Schutz der Gesellschaft vor gefährlichen Straftätern, während gleichzeitig die Möglichkeit der Resozialisierung offen gehalten wird.

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