Von Deutschland Nach Afghanistan Mit Dem Auto

Stellt euch vor: Ihr sitzt gemütlich in eurem Lieblingscafé, dampfender Latte Macchiato vor euch, und ich fange an zu erzählen: "Wisst ihr, was ich letztens gemacht habe? Ich bin von Deutschland nach Afghanistan gefahren. Mit dem Auto!" Die Gesichter um mich herum würden sich verdunkeln wie ein schlecht gerösteter Espresso. Und das völlig zu Recht.
Denn mal ehrlich, wer macht denn sowas? Normalerweise nimmt man doch den Flieger! Aber ich? Ich wollte das Abenteuer. Ich wollte Staub, Schweiß, und die unglaubliche Erkenntnis, dass mein Navi definitiv einen Sinn für schwarzen Humor hat.
Die Planung – Oder: Wie man sich selbst in den Wahnsinn treibt
Die Planung war... sagen wir mal... optimistisch. Ich habe eine riesige Weltkarte gekauft (ja, Papier! Ich bin altmodisch!), einen dicken Edding genommen und eine Linie von Berlin nach Kabul gezogen. Zack! Problem gelöst, dachte ich. Großer Fehler.
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Ich hatte mir vorgestellt, dass ich einfach losfahre, ein paar freundliche Tankwarte treffe und abends gemütlich in einem landestypischen Gasthof einkehre, während ich mir die Sterne anschaue. Die Realität sah dann eher so aus, dass ich mich in irgendwelchen gottverlassenen Gegenden verfuhr, Tankwarte mit Maschinengewehren traf und die Sterne nur durch die staubigen Scheiben meines Autos sah, während ich versuchte, irgendwelche undefinierbaren Geräusche aus dem Motor zu ignorieren.
Visum? Check. Impfungen? Check (ich glühe immer noch leicht radioaktiv). Auto vorbereitet? Sagen wir so: Ich habe ein paar zusätzliche Reifen eingepackt. Waren am Ende dann doch zu wenig.

Die Route – Ein Hindernislauf für Fahrzeuge
Die Route führte mich durch Länder, von denen ich vorher nur aus dem Geschichtsunterricht oder aus dubiosen Nachrichten gehört hatte. Polen, Tschechien, Slowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Tadschikistan und schließlich, nach gefühlten Ewigkeiten, Afghanistan. Klingt doch nach einem netten Roadtrip, oder?
Die Wahrheit ist, dass die Straßenqualität stellenweise so war, dass ich dachte, mein Auto würde gleich in seine Einzelteile zerfallen. Schlaglöcher so tief, dass man darin ganze Kleinwagen versenken könnte. Und dann diese Pässe in den Bergen! Mein armer kleiner Motor hat gejault wie ein gequälter Hund.

Aber es gab auch unglaubliche Momente. Die Gastfreundschaft der Menschen, die ich traf, war überwältigend. Egal wo ich war, ich wurde immer mit offenen Armen empfangen und mit Essen vollgestopft, bis ich fast geplatzt wäre. Ich liebe euch, Leute! Auch wenn ich nicht immer verstanden habe, was ihr gesagt habt.
Grenzerfahrungen – Im wahrsten Sinne des Wortes
Grenzübergänge sind eine eigene Geschichte. Da wird man behandelt wie ein Schwerverbrecher, der versucht, eine gestohlene Atomrakete zu schmuggeln. Dokumente, Stempel, Formulare, Kontrollen… alles in einer Geschwindigkeit, die selbst Faultieren zu langsam wäre. Aber hey, ich hatte ja Zeit. Und einen guten Vorrat an Nervennahrung (Schokolade, für alle Fälle).

Einmal wurde ich an einer Grenze aufgehalten, weil die Beamten dachten, mein Passfoto würde nicht mit meinem Aussehen übereinstimmen. Scheinbar hatte ich auf dem Foto weniger Bart. Ich erklärte ihnen, dass ich auf der Reise etwas "verwildert" sei. Nach einer halben Stunde und dem Versprechen, mich nach der Reise wieder zu rasieren, durfte ich weiterfahren.
Ankunft in Afghanistan – Und jetzt?
Die Ankunft in Kabul war... surreal. Nach all den Strapazen, all den Grenzübergängen, all den Schlaglöchern war ich endlich da. Afghanistan. Ein Land, das so anders ist als alles, was ich bisher gesehen hatte. Ein Land mit einer reichen Geschichte, einer unglaublichen Kultur und Menschen, die trotz aller Widrigkeiten immer noch lachen können.

Was ich dort gemacht habe? Ich habe mir die Gegend angesehen, versucht, nicht auf Minen zu treten und versucht, mich nicht von irgendwelchen Kameltreibern über den Tisch ziehen zu lassen. Und ich habe gelernt, dass Abenteuer oft anders sind, als man sie sich vorstellt. Sie sind anstrengend, herausfordernd und manchmal auch ein bisschen beängstigend. Aber sie sind auch unvergesslich.
Fazit – Würde ich es wieder tun?
Die Frage ist natürlich: Würde ich so eine Reise noch einmal machen? Ehrlich gesagt, ich bin mir nicht sicher. Mein Rücken schmerzt immer noch, mein Auto braucht eine Generalüberholung und mein Nervenkostüm ist leicht angeknackst. Aber ich habe Geschichten zu erzählen, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Und das ist ja auch was wert, oder?
Vielleicht nicht gerade nach Afghanistan. Aber vielleicht… vielleicht fahre ich ja mal mit dem Auto nach Nordkorea. Nur so zum Spaß. Wer kommt mit?
