The Great Chain Of Being

Stellt euch vor, das Universum ist ein riesiger, überbordender Geburtstagskuchen. Ein sehr alter Geburtstagskuchen. Und jede Schicht ist anders, schmeckt anders und hat eine ganz bestimmte Rolle. Das ist im Grunde die Idee hinter der Großen Kette des Seins (Great Chain of Being).
Klingt nach einem komplizierten philosophischen Konzept, nicht wahr? Aber keine Sorge, wir machen es uns gemütlich. Die Idee, die vor allem im Mittelalter und der Renaissance populär war, besagte im Wesentlichen: Alles im Universum hat seinen festen Platz in einer riesigen Hierarchie. Von Gott ganz oben bis zu den mickrigsten Steinchen ganz unten.
Also, wer steht wo in dieser kosmischen Warteschlange? Ganz oben, logischerweise, thront Gott. Der Chefkuchenbäcker, sozusagen. Darunter kommen die Engel, in verschiedenen Geschmacksrichtungen: Erzengel, Seraphim, Cherubim – eine himmlische Boygroup, die für Ordnung und himmlische Harmonie sorgt. Dann kommen die Menschen. Und hier wird’s interessant.
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Menschen: Sandwich-Füllung des Universums
Wir Menschen sind nämlich so eine Art Sandwich-Füllung zwischen dem Göttlichen und dem Irdischen. Wir haben eine Seele, die uns nach oben zieht, aber auch einen Körper, der uns an die Erde fesselt. Ein bisschen wie ein Engel mit Bauchschmerzen, wenn man so will. Unter uns kommen dann die Tiere, gefolgt von den Pflanzen und schließlich den Mineralien – die traurigen, staubigen Krümel ganz unten am Kuchen.
Das Lustige ist, dass jede Schicht fest vorgegeben ist. Ein Stein kann nicht plötzlich beschließen, ein Löwe zu werden. Ein Löwe kann nicht plötzlich beschließen, ein Mensch zu werden (obwohl es in manchen Büros durchaus Anzeichen dafür gibt). Und ein Mensch…nun, ein Mensch kann sich bemühen, engelhafter zu sein, aber er wird nie ein echter Engel. Sorry, Leute.

Denkt an einen Stapel Bauklötze. Jeder Klotz hat seine festen Maße und seinen Platz. Der kleine, flache Klotz kann nicht plötzlich ein großer, hoher Klotz werden. Es sei denn, jemand kommt und stapelt ihn um. So ähnlich war das mit der Großen Kette des Seins. Gott hatte alles perfekt gestapelt, und wehe dem, der es wagte, daran zu rütteln!
Drama, Baby!
Und hier kommt der unterhaltsame Teil: Diese Idee hatte nämlich riesige Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Wenn jeder seinen festen Platz hat, dann bedeutet das auch: Wer oben ist, hat Recht. Könige und Adlige sahen sich gerne als "näher an Gott" als das gemeine Volk. "Ich bin quasi schon halb Engel, ihr Bauern! Mehr oder weniger." Das gab ihnen natürlich eine tolle Ausrede, um zu tun, was sie wollten. Nicht ganz so cool.

Aber diese strenge Ordnung hatte auch ihren Reiz. Sie gab den Menschen Sicherheit und Orientierung in einer chaotischen Welt. Jeder wusste, wo er hingehörte (oder zumindest, wo er hingehören sollte). Und das gab ihm einen gewissen Seelenfrieden. „Ich bin zwar nur ein einfacher Bauer, aber immerhin stehe ich über den Würmern! Und das ist doch auch was wert.“
Shakespeare liebte dieses Konzept der Großen Kette des Seins. In seinen Stücken bricht oft Chaos aus, wenn jemand versucht, seinen Platz zu verlassen oder die Ordnung durcheinanderzubringen. Denkt an Hamlet oder Macbeth. Da geht es immer darum, dass jemand versucht, die Hierarchie zu stören, und das Ergebnis ist meistens…naja, sagen wir mal, es wird nicht gerade ein fröhliches Picknick.

"Die Welt ist aus den Fugen; - o verwünschte Bosheit, Daß ich geboren ward, sie einzuränken!" - Hamlet
Die Große Kette des Seins ist natürlich längst überholt. Wir wissen heute, dass die Welt viel komplexer und dynamischer ist. Ein Stein kann sich vielleicht nicht in einen Löwen verwandeln, aber er kann sich in einen Berg verwandeln, oder in einen Diamanten, oder in ein Staubkorn, das durchs All fliegt! Und das ist doch auch irgendwie cool.
Aber die Idee, dass alles miteinander verbunden ist und dass jede Kreatur ihren Platz im großen Ganzen hat, ist immer noch faszinierend. Vielleicht sollten wir die Idee der Hierarchie einfach über Bord werfen und uns stattdessen auf die Idee der Vernetzung konzentrieren. Denn am Ende sind wir alle Teil desselben Geburtstagskuchens, egal welche Schicht wir bewohnen.
