Tell Me On A Sunday Musical Deutsch

Okay, lasst uns ehrlich sein. Tell Me On A Sunday. Ein One-Woman-Stück. Von Andrew Lloyd Webber. Auf Deutsch.
Wer hat sich das ausgedacht?
Ich meine, mal ehrlich. Wer saß da im Büro und dachte: "Ja, das ist genau das, was Deutschland braucht! Noch mehr Herzschmerz, gesungen von einer einzelnen Frau, die über ihre gescheiterten Beziehungen in New York jammert! Aber auf Deutsch!"
Ich will ja nicht unhöflich sein. Aber manchmal frage ich mich, ob die Verantwortlichen jemals ein deutsches Musical gesehen haben. Oder überhaupt jemals eine Frau getroffen haben, die tatsächlich in New York gelebt hat.
Must Read
Die Lieder sind... okay. Nicht unbedingt Webbers beste Arbeit, oder? (Sorry, Andrew! Ich liebe Phantom!) Aber die Übersetzung? Oh je. Manche Zeilen klingen einfach... komisch. So, als ob Google Translate einen schlechten Tag hatte.
„Ich hab’ gedacht, ich bleib’ für immer jung, doch jetzt bin ich alt und grau!“
Moment mal. Das ist jetzt frei erfunden. Aber ihr versteht, was ich meine, oder?

Die ewige Frage: Warum?
Warum muss jedes Musical auf Deutsch sein? Ich verstehe es ja bei Les Mis oder Wicked. Da gibt es eine gewisse epische Größe. Aber Tell Me On A Sunday? Es ist intim. Persönlich. Es geht um die kleinen Dinge, die schief laufen. Braucht das wirklich die deutsche Sprache?
Vielleicht bin ich altmodisch. Vielleicht bin ich einfach zu faul, um die Untertitel zu lesen. Aber ich finde, manchmal geht etwas in der Übersetzung verloren. Vor allem, wenn es um Emotionen geht.
Und mal ehrlich: Gibt es wirklich so viele deutsche Frauen, die sich mit einer britischen Expat-Frau in New York identifizieren können, die über ihr Liebesleben singt?

Ich will ja niemandem zu nahe treten, aber... Ich glaube, die Zielgruppe ist eher... begrenzt.
Das Publikum
Ich stelle mir das Publikum so vor: Eine kleine Gruppe von Webber-Hardcore-Fans, ein paar Deutschlehrer, die ihren Schülern etwas "Kultur" beibringen wollen, und vielleicht eine Handvoll Amerikaner, die Heimweh haben. Und die armen Kerle, die von ihren Frauen dorthin geschleppt wurden.
Kein Angriff auf die Leute, die es lieben! Ich bin sicher, es gibt Gründe, warum es existiert. Vielleicht ist es ein "Guilty Pleasure" für manche. Jeder hat ja so seine Vorlieben. Ich gucke auch manchmal Trash-TV.
Aber für mich ist es einfach... ein bisschen seltsam. Ein bisschen unpassend. Ein bisschen wie ein Käsekuchen mit Sauerkraut.

Trotzdem... irgendwie faszinierend
Und hier kommt der Witz. Trotz allem, was ich gerade gesagt habe... bin ich irgendwie fasziniert davon. Es ist so absurd, dass es schon wieder gut ist.
Ich stelle mir vor, wie die Darstellerin versucht, die ganze Bandbreite an Emotionen in einer Sprache auszudrücken, die vielleicht nicht ganz dazu passt. Ich stelle mir vor, wie das Publikum versucht, mitzuleiden, während es gleichzeitig versucht, nicht über die holprige Übersetzung zu lachen.
Es ist ein Zugunglück, bei dem man nicht wegschauen kann. Ein Musical, das so schlecht ist, dass es schon wieder Kultstatus verdient hat.

Vielleicht sollte ich mir eine Aufführung ansehen. Nur um zu sehen, ob es wirklich so schlimm ist, wie ich es mir vorstelle. Oder ob ich am Ende doch überrascht bin und mit einem neuen Lieblingsmusical nach Hause gehe.
Vielleicht. Aber ich glaube, ich bleibe erst mal lieber bei Cats. Auf Englisch. Danke.
Und entschuldigt meine Häme. Vielleicht ist es ja ein Meisterwerk. Vielleicht bin ich einfach nur ein Kulturbanause. Aber ich musste das mal loswerden!
Was denkt ihr? Bin ich total daneben? Oder stimmt ihr mir zu?
