Sense Of Impending Doom

Kennt ihr das? Dieses Kribbeln im Bauch. Nicht das Schmetterlingsgefühl, wenn man verliebt ist. Nein, dieses: "Oh Gott, gleich passiert irgendwas Schlimmes"-Kribbeln. Ich nenne es gerne das Gefühl des heraufziehenden Unheils. Und ich habe eine, sagen wir mal, unpopuläre Meinung dazu: Ich liebe es.
Ja, richtig gelesen. Ich finde dieses beunruhigende Gefühl irgendwie… aufregend. Jetzt bitte nicht denken, ich bin ein Sadist, der sich an Katastrophen ergötzt. Nein, darum geht es nicht. Es ist mehr so ein Adrenalin-Kick auf Sparflamme. Eine Mini-Achterbahnfahrt im Kopf.
Nehmen wir zum Beispiel den Moment, bevor man das Ergebnis einer wichtigen Prüfung bekommt. Der Puls rast. Die Hände sind feucht. Man schwankt zwischen totaler Panik und fatalistischer Gelassenheit. Herrlich! Klar, ich will die Prüfung bestehen. Aber dieses Gefühl, am Abgrund zu stehen, ist doch viel intensiver als die pure Erleichterung, wenn man bestanden hat.
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Der Alltag als Minenfeld
Und es sind ja nicht nur die großen Ereignisse. Das Gefühl des heraufziehenden Unheils lauert überall im Alltag. Der Moment, bevor man auf "Senden" klickt, wenn man eine E-Mail an den Chef verfasst hat. Hat man wirklich alles richtig geschrieben? Ist der Ton angemessen? Oder hat man aus Versehen ein freizügiges Katzenfoto angehängt? Die Ungewissheit ist zum Greifen nah.
Oder der Moment, wenn man merkt, dass man den Bus verpasst hat. Nicht einfach so verpasst, sondern richtig verpasst. Man sieht ihn noch um die Ecke biegen. Und dann? Dann beginnt das große Rechnen. Wie komme ich jetzt pünktlich zur Arbeit? Muss ich lügen? Soll ich einfach aufgeben und mich ins Bett legen? Das kleine Drama, das sich in meinem Kopf abspielt, ist manchmal besser als jede Netflix-Serie.

Ich weiß, das klingt verrückt. Aber dieses Gefühl des heraufziehenden Unheils ist wie eine Art Reality-Check. Es holt mich aus meiner Komfortzone. Es zwingt mich, mich mit möglichen Konsequenzen auseinanderzusetzen. Und manchmal, ganz ehrlich, genieße ich es einfach, ein bisschen Angst zu haben.
Wenn die Waschmaschine droht
Ein besonders schönes Beispiel ist meine Beziehung zu meiner Waschmaschine. Dieses Ding ist eine tickende Zeitbombe. Jedes Mal, wenn ich sie anstelle, bete ich, dass sie nicht explodiert oder die ganze Wohnung unter Wasser setzt. Das Geräusch, das sie beim Schleudern macht, klingt wie das Röhren eines sterbenden Wals. Aber hey, immerhin ist die Wäsche danach sauber (meistens). Und das Gefühl, der Katastrophe entgangen zu sein, ist unbezahlbar.
Ich glaube, viele Leute verwechseln das Gefühl des heraufziehenden Unheils mit reiner Angst. Klar, Angst ist doof. Aber dieses Kribbeln, diese Vorahnung, diese Mischung aus Panik und Spannung… das ist doch fast schon Kunst! Eine Kunstform des Alltags.

Und bevor jetzt alle mit dem Finger auf mich zeigen und mir eine Therapie empfehlen: Ich weiß, dass es wichtig ist, mit seinen Ängsten umzugehen. Ich gehe ja auch nicht aktiv auf die Suche nach dem Unheil. Aber wenn es schon mal da ist, dann genieße ich es eben ein bisschen. So wie ein scharfes Curry. Es brennt, aber es ist auch gut.
Vielleicht liegt es auch daran, dass das Leben heutzutage so glatt und optimiert ist. Alles ist geplant, durchdacht, abgesichert. Da sehnt man sich doch fast nach ein bisschen Chaos. Ein bisschen Ungewissheit. Ein bisschen Gefühl des heraufziehenden Unheils. So als kleiner Ausgleich. Eine Art
„digital detox“für die Seele. Nur eben in Form von Angst.

Ich bin mir sicher, irgendjemand da draußen versteht mich. Jemand, der heimlich lächelt, wenn die Ampel auf Gelb springt. Jemand, der es genießt, den letzten Zug zu erwischen. Jemand, der sich freut, wenn er seine Schlüssel gerade noch rechtzeitig findet, bevor er das Haus verlässt. Jemand, der das Gefühl des heraufziehenden Unheils liebt. Denn, seien wir ehrlich, ein bisschen Nervenkitzel hat noch niemandem geschadet, oder?
Also, das nächste Mal, wenn ihr dieses Kribbeln im Bauch spürt, dieses Gefühl, dass gleich irgendwas Schlimmes passiert… lächelt. Atmet tief durch. Und genießt den Moment. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm. Und wenn doch, dann habt ihr wenigstens eine gute Geschichte zu erzählen. Und wer weiß, vielleicht entdeckt ihr ja auch eure eigene, kleine, unpopuläre Liebe zum Unheil.
P.S. Gerade als ich diesen Artikel fertig schreiben wollte, hat meine Waschmaschine angefangen, komische Geräusche zu machen. Ich gehe jetzt mal lieber nachsehen. Drückt mir die Daumen!
