Puls Im Ohr Hören Ursache

Das Phänomen, einen Puls im Ohr zu hören, wird medizinisch als pulsatiler Tinnitus bezeichnet. Es beschreibt das Wahrnehmen eines rhythmischen Geräusches im Ohr, das synchron zum Herzschlag ist. Im Gegensatz zum nicht-pulsatilen Tinnitus, der sich als Klingeln, Pfeifen oder Rauschen äußern kann und oft durch Probleme im Innenohr verursacht wird, hat der pulsatile Tinnitus meist eine identifizierbare körperliche Ursache.
Ursachen von pulsatilem Tinnitus
Die Ursachen für pulsatilem Tinnitus sind vielfältig und können in verschiedene Kategorien eingeteilt werden. Es ist wichtig zu betonen, dass eine ärztliche Untersuchung unerlässlich ist, um die genaue Ursache zu ermitteln und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
1. Vaskuläre Ursachen (Gefäßbedingte Ursachen): Dies sind die häufigsten Auslöser für pulsierenden Tinnitus. Sie entstehen durch Veränderungen im Blutfluss in den Blutgefäßen in der Nähe des Ohrs. Hier einige Beispiele:
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- Arterielle Hypertonie (Bluthochdruck): Erhöhter Blutdruck kann den Blutfluss in den Arterien verstärken und so das Geräusch im Ohr verstärken.
- Arteriovenöse Fisteln (AV-Fisteln): Eine AV-Fistel ist eine abnormale Verbindung zwischen einer Arterie und einer Vene. Durch diese Verbindung fließt Blut mit höherem Druck von der Arterie direkt in die Vene, was zu Turbulenzen und hörbaren Geräuschen führen kann. Diese Fisteln können angeboren sein, durch Verletzungen entstehen oder als Folge von medizinischen Eingriffen auftreten.
- Arteriosklerose (Arterienverkalkung): Ablagerungen in den Arterienwänden (Plaques) können die Arterien verengen und den Blutfluss behindern. Der Körper versucht, dies durch Erhöhung des Blutdrucks auszugleichen, was wiederum zu Turbulenzen und hörbaren Geräuschen führen kann, insbesondere in den Arterien in der Nähe des Ohrs.
- Gefäßtumore: In seltenen Fällen können Tumore in der Nähe von Blutgefäßen Druck auf diese ausüben und den Blutfluss verändern, was zu pulsatilem Tinnitus führt. Ein Beispiel hierfür ist ein Glomustumor (Paragangliom), der sich in der Nähe des Trommelfells oder im Mittelohr entwickeln kann.
2. Ursachen im Mittelohr: Veränderungen im Mittelohr können ebenfalls pulsierenden Tinnitus verursachen:
- Mittelohrergüsse: Flüssigkeitsansammlungen im Mittelohr können die Schallleitung beeinflussen und die Wahrnehmung von Geräuschen, einschließlich des eigenen Pulses, verstärken.
- Muskelspasmen: Die Muskeln im Mittelohr (Musculus stapedius und Musculus tensor tympani) können sich unwillkürlich zusammenziehen und dadurch Geräusche erzeugen, die als pulsierend wahrgenommen werden können.
3. Intrakranielle Hypertension (Erhöhter Hirndruck): Ein erhöhter Druck im Schädelinneren kann den venösen Abfluss behindern und somit den Blutfluss in den Venen in der Nähe des Ohrs beeinflussen. Dies kann zu einem pulsierenden Geräusch führen.

4. Anämie (Blutarmut): Bei einer Anämie ist die Anzahl der roten Blutkörperchen oder die Konzentration des Hämoglobins im Blut reduziert. Dies führt zu einer verminderten Sauerstoffversorgung des Körpers. Um dies auszugleichen, pumpt das Herz stärker, was zu einem schnelleren und kräftigeren Blutfluss führen kann, der als pulsierender Tinnitus wahrgenommen wird.
5. Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Eine Überfunktion der Schilddrüse kann den Stoffwechsel anregen und zu einem erhöhten Herzschlag und Blutdruck führen. Dies kann wiederum den Blutfluss im Ohr verstärken und pulsierenden Tinnitus verursachen.

Diagnose
Die Diagnose von pulsatilem Tinnitus beginnt in der Regel mit einer ausführlichen Anamnese, bei der der Arzt Fragen zu den genauen Beschwerden, Begleitsymptomen, Vorerkrankungen und eingenommenen Medikamenten stellt. Anschließend erfolgt eine körperliche Untersuchung, einschließlich einer Untersuchung der Ohren, des Kopfes und des Halses.
Um die Ursache des pulsatilen Tinnitus zu ermitteln, können verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt werden:

- MRT (Magnetresonanztomographie): Eine MRT kann detaillierte Bilder des Gehirns, der Blutgefäße und der Weichteile liefern und somit Gefäßanomalien, Tumore oder andere Ursachen identifizieren.
- CT-Angiographie (Computertomographie-Angiographie): Eine CT-Angiographie kann die Blutgefäße darstellen und somit Verengungen, Erweiterungen oder andere Anomalien erkennen.
- Ultraschall (Doppler-Sonographie): Ein Ultraschall kann den Blutfluss in den Gefäßen messen und somit Informationen über die Geschwindigkeit und Richtung des Blutflusses liefern.
Zusätzlich können audiologische Tests durchgeführt werden, um die Hörfunktion zu überprüfen und andere Ursachen für Tinnitus auszuschließen.
Behandlung
Die Behandlung des pulsatilen Tinnitus richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. Wenn beispielsweise Bluthochdruck die Ursache ist, kann eine medikamentöse Therapie zur Senkung des Blutdrucks helfen. Bei arteriovenösen Fisteln oder Tumoren kann eine Operation oder eine interventionelle radiologische Behandlung erforderlich sein, um die Anomalie zu korrigieren. In manchen Fällen kann auch eine symptomatische Behandlung in Form von Entspannungstechniken oder Tinnitus-Retraining helfen, die Beschwerden zu lindern, auch wenn die Ursache nicht vollständig beseitigt werden kann.
Es ist entscheidend, dass Betroffene einen Arzt aufsuchen, um eine genaue Diagnose und eine individuelle Behandlungsstrategie zu erhalten. Eine frühzeitige Behandlung kann das Risiko von Komplikationen verringern und die Lebensqualität verbessern.
