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Psychische Störungen Bei Erwachsenen Kindern Von Alkoholikern


Psychische Störungen Bei Erwachsenen Kindern Von Alkoholikern

Stell dir vor, deine Kindheit war ein ständiges Auf und Ab. Momente der Freude vermischten sich mit Angst, Unsicherheit und dem Gefühl, nie wirklich zu genügen. Für erwachsene Kinder von Alkoholikern (EKA) ist diese Realität oft traurige Wahrheit. Dieser Artikel richtet sich an EKA, Angehörige und Fachkräfte, die ein tieferes Verständnis für die psychischen Herausforderungen suchen, mit denen EKA im Erwachsenenalter konfrontiert sind.

Die unsichtbaren Wunden der Kindheit

Das Aufwachsen in einem alkoholbelasteten Elternhaus hinterlässt tiefe Narben. Die Kinder lernen früh, sich anzupassen, zu verbergen und die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen. Die ständige Unvorhersehbarkeit und der Mangel an emotionaler Sicherheit prägen ihre Entwicklung nachhaltig. Die Auswirkungen reichen weit über die Kindheit hinaus und manifestieren sich oft erst im Erwachsenenalter in Form verschiedener psychischer Störungen.

Häufige psychische Probleme bei EKA:

  • Angststörungen: Die ständige Sorge um den trinkenden Elternteil und die Angst vor dem nächsten Ausbruch führen oft zu generalisierten Angststörungen, Panikattacken oder sozialen Ängsten.
  • Depressionen: Das Gefühl der Hoffnungslosigkeit, der Wertlosigkeit und der inneren Leere ist weit verbreitet. Die unterdrückten Emotionen der Kindheit können im Erwachsenenalter zu schweren Depressionen führen.
  • Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Traumatisierende Erlebnisse, wie beispielsweise Zeuge von Gewalt zu werden oder selbst Vernachlässigung zu erfahren, können eine PTBS auslösen.
  • Beziehungsprobleme: EKA haben oft Schwierigkeiten, gesunde Beziehungen aufzubauen und aufrechtzuerhalten. Sie kämpfen mit Vertrauen, Intimität und dem Ausdruck von Bedürfnissen.
  • Co-Abhängigkeit: Das Muster, sich um andere zu kümmern und deren Bedürfnisse über die eigenen zu stellen, setzt sich oft in Beziehungen fort. EKA neigen dazu, sich in Beziehungen zu begeben, in denen sie sich um jemanden kümmern müssen oder selbst abhängig sind.
  • Suchtverhalten: Einige EKA entwickeln selbst Suchtprobleme, sei es Alkohol, Drogen, Arbeitssucht oder andere Verhaltenssüchte, um mit den belastenden Gefühlen umzugehen.

Warum sind EKA so anfällig für psychische Störungen?

Die Ursachen für die erhöhte Anfälligkeit für psychische Störungen sind vielfältig und komplex:

Infografik: Die häufigsten psychischen Erkrankungen | Statista
Infografik: Die häufigsten psychischen Erkrankungen | Statista
  • Mangelnde emotionale Sicherheit: Kinder brauchen ein stabiles und sicheres Umfeld, um sich gesund entwickeln zu können. In alkoholbelasteten Familien fehlt diese Sicherheit oft.
  • Verantwortungsübernahme: Kinder übernehmen oft die Rolle des Erwachsenen und kümmern sich um den trinkenden Elternteil oder die Geschwister. Diese übermäßige Verantwortung ist für ihre Entwicklung schädlich.
  • Rollenumkehr: Kinder werden zu Eltern ihrer Eltern und müssen deren Bedürfnisse erfüllen, anstatt selbst versorgt zu werden.
  • Geheimhaltung: Die Familie versucht oft, das Alkoholproblem zu verbergen, was zu Isolation und Scham führt.
  • Fehlende Vorbilder: Kinder lernen keine gesunden Bewältigungsstrategien für Stress und Emotionen.

Die spezifischen Herausforderungen von EKA

EKA kämpfen oft mit spezifischen Herausforderungen, die ihre psychische Gesundheit beeinträchtigen:

  • Schuldgefühle: Sie fühlen sich schuldig für das Alkoholproblem ihrer Eltern oder für die Schwierigkeiten, die sie in der Familie hatten.
  • Scham: Sie schämen sich für ihre Familie und versuchen, ihre Vergangenheit zu verbergen.
  • Geringes Selbstwertgefühl: Sie haben das Gefühl, nicht gut genug zu sein und keine Liebe oder Anerkennung zu verdienen.
  • Perfektionismus: Sie versuchen, alles perfekt zu machen, um die Erwartungen anderer zu erfüllen und Kritik zu vermeiden.
  • Kontrollzwang: Sie versuchen, alles zu kontrollieren, um sich sicher zu fühlen.
  • Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen: Sie haben Schwierigkeiten, "Nein" zu sagen und sich abzugrenzen.
  • Übermäßige Verantwortlichkeit: Sie fühlen sich für alles und jeden verantwortlich.

Wege zur Heilung und Stärkung

Auch wenn die Vergangenheit schmerzhaft war, gibt es Hoffnung und Wege zur Heilung:

Psychische Störungen bei jungen Erwachsenen | BARMER
Psychische Störungen bei jungen Erwachsenen | BARMER
  • Therapie: Eine Psychotherapie, insbesondere Traumatherapie oder Familientherapie, kann helfen, die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten und neue Bewältigungsstrategien zu erlernen.
    "Die Therapie ist ein sicherer Raum, um die Vergangenheit zu erkunden und die eigenen Stärken wiederzuentdecken."
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen EKA in Selbsthilfegruppen wie Alateen oder ACA (Adult Children of Alcoholics) kann sehr hilfreich sein.
  • Selbstfürsorge: Achte auf deine Bedürfnisse und nimm dir Zeit für dich selbst. Tue Dinge, die dir Freude bereiten und dich entspannen.
  • Grenzen setzen: Lerne, "Nein" zu sagen und dich abzugrenzen. Schütze deine Energie und deine psychische Gesundheit. Es ist in Ordnung, deine Bedürfnisse an erste Stelle zu setzen.
  • Vergebung: Vergebung ist ein Prozess, der Zeit braucht. Es geht nicht darum, das Verhalten der Eltern zu entschuldigen, sondern darum, sich selbst von dem Groll und der Wut zu befreien.
  • Akzeptanz: Akzeptiere, dass du die Vergangenheit nicht ändern kannst. Konzentriere dich auf die Gegenwart und die Zukunft. Akzeptanz ist nicht Gleichgültigkeit, sondern die Voraussetzung für Veränderung.
  • Professionelle Hilfe suchen: Scheue dich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn du dich überfordert fühlst. Es gibt viele kompetente Therapeuten und Beratungsstellen, die dich unterstützen können. Es ist ein Zeichen von Stärke, sich Hilfe zu suchen.

Die Reise zur Heilung ist ein Prozess, der Zeit und Geduld erfordert. Sei nachsichtig mit dir selbst und feiere jeden kleinen Fortschritt. Du bist nicht allein! Es gibt viele Menschen, die dich verstehen und unterstützen wollen. Du hast die Kraft, dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und ein erfülltes und glückliches Leben zu führen. Du verdienst es, glücklich zu sein, unabhängig von deiner Vergangenheit.

Denk daran: Du bist stark, du bist wertvoll und du bist nicht für das Verhalten deiner Eltern verantwortlich. Du hast das Recht auf ein gesundes und glückliches Leben.

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