Melde Dich Wenn Du Zeit Hast

Okay, stellt euch vor: Samstagabend, Netflix läuft, Pizza ist bestellt. Mein Handy vibriert. Eine Nachricht. "Melde Dich wenn Du Zeit hast!" Absender: ein alter Schulfreund, nennen wir ihn mal Kai. Meine erste Reaktion? Ein genervtes Augenrollen. "Wann genau ist das, Kai? Nächste Woche? In zehn Jahren? Wenn die Aliens landen?"
Kennt ihr das auch? Diese Nachrichten, die eigentlich keine Nachrichten sind? Sondern eher so eine Art... freundliche Nebelkerze. Eine unverbindliche Einladung, die eigentlich keine Verpflichtung sein soll. Aber irgendwie doch eine ist. Oder nicht?
"Melde Dich wenn Du Zeit hast." Drei kleine Worte, die so viel mehr bedeuten können, als man denkt. Und über die man stundenlang philosophieren könnte. Ernsthaft. Ich hab's getan.
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Denn was steckt wirklich dahinter? Ist es ehrliches Interesse? Oder einfach nur der Versuch, die eigene soziale Ader zu beruhigen? "Hey, ich hab mich ja gemeldet!" Check. Soziale Pflicht erfüllt. Nächster!
(Kleiner Disclaimer: Ich unterstelle Kai hier natürlich nichts Böses. Vielleicht wollte er wirklich nur mal quatschen. Vielleicht hatte er aber auch gerade Langeweile und ich war seine letzte Option. Wer weiß?)

Aber diese Formulierung, diese Unverbindlichkeit... die ist schon faszinierend. Sie gibt dem Absender alle Freiheiten. Und dem Empfänger? Der hat die Qual der Wahl. Ignorieren? Oder sofort zurückschreiben und riskieren, in ein endloses Chat-Gespräch verwickelt zu werden, obwohl man eigentlich "Zeit" haben wollte, um einen Film zu schauen?
Die Psychologie des Unverbindlichen
Ich glaube, es geht um Kontrolle. Der Absender behält die Kontrolle über das Gespräch. Er gibt den Ball ab und wartet, was passiert. Er setzt den Rahmen, aber lässt den Empfänger entscheiden, wann und wie er ihn ausfüllt. Clever, oder?
Und gleichzeitig auch irgendwie feige. Warum nicht einfach sagen: "Hey, hast du am Wochenende Zeit für ein Bier?" Oder: "Ich wollte dich mal wieder sprechen, hast du Lust auf einen Anruf?" Direkt, ehrlich, konkret. Das wäre doch mal was! (Aber vielleicht auch zu riskant. Wer weiß, ob der Empfänger wirklich Lust hat...)

Die Angst vor der Ablehnung, die spielt da sicher auch eine Rolle. "Melde Dich wenn Du Zeit hast" ist ein sicherer Hafen. Man riskiert keine direkte Absage, keine Enttäuschung. Man bleibt im Ungefähren, im Nebel.
(Apropos Ablehnung: Habt ihr euch schon mal gefragt, warum wir so ungern "Nein" sagen? Ist das vielleicht ein Thema für einen anderen Blog-Eintrag?)
Wie man richtig antwortet (oder auch nicht)
Also, was tun, wenn so eine Nachricht ins Haus flattert? Die Antwort hängt natürlich von der Person ab und von dem, was man gerade so treibt. Aber hier ein paar Optionen:

Option 1: Die ehrliche Antwort. "Hey Kai! Danke für die Nachricht. Im Moment ist es bei mir etwas stressig, aber ich melde mich in den nächsten Tagen mal." (Das ist die diplomatische Variante, falls man eigentlich gar keine Lust hat.)
Option 2: Die konkrete Antwort. "Hey Kai! Ja, ich hab am Dienstagabend Zeit. Wollen wir telefonieren?" (Das ist die direkte Variante, falls man wirklich Interesse hat.)
Option 3: Die ironische Antwort. "Hey Kai! Super Idee! Wann genau wäre denn 'Zeit'? Brauche ich eine Zeitzone-Umrechnungstabelle?" (Das ist die humorvolle Variante, falls man den Absender ein bisschen aufziehen will.)

Option 4: Das Ignorieren. (Die ultimative Option für alle, die gerade wirklich "Zeit" haben wollen. Aber Achtung: Kann zu schlechtem Gewissen führen.)
Was ich Kai letztendlich geantwortet habe? Verrate ich euch nicht. Aber vielleicht könnt ihr mir ja mal schreiben, wenn ihr Zeit habt, um darüber zu diskutieren. ;) Scherz!
Also, was ist eure Meinung zu diesem Phänomen? Nervt euch diese Formulierung auch so? Oder findet ihr sie eigentlich ganz praktisch? Lasst es mich in den Kommentaren wissen! (Und meldet euch... wenn ihr Zeit habt! zwinker)
