Mein Sohn Bekommt Sein Leben Nicht In Den Griff

Na, du! Setzen wir uns kurz hin, ich muss dir was erzählen. Es geht um… meinen Sohn. Genauer gesagt, darum, dass er sein Leben gerade so gar nicht im Griff hat. Und ich, als Helikopter-Mutter a.D. (ich schwöre, ich kreise nur noch gelegentlich!), bin natürlich leicht panisch.
Kennst du das Gefühl, wenn du deinem Kind eigentlich die Welt schenken möchtest, aber er irgendwie immer wieder über seine eigenen Füße stolpert? Genau das! Ich rede hier nicht von kleinen Stolpersteinchen, sondern von ganzen Gebirgszügen des Chaos.
Das liebe Chaos…
Fangen wir mal beim Zimmer an. Du könntest meinen, ein Tornado hätte eine Bombe in einem Secondhand-Laden gezündet. Wäscheberge, Bücher, halbgegessene Pizza (von… wann war die nochmal?) – alles in einer harmonischen, äh, chaotischen Einheit vereint. Ich hab schon überlegt, eine archäologische Ausgrabung zu beantragen, um herauszufinden, was sich da alles verbirgt. Ich vermute, mindestens ein ausgestorbenes Haustier.
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Dann die Pünktlichkeit. Die ist ein Fremdwort. Termine? Vergessen. Verabredungen? Verschlafen. Wecker? Wer braucht schon Wecker, wenn man Mama hat, die einen notfalls mit einem Megaphon aus dem Bett scheuchen kann? (Okay, das mit dem Megaphon war ein Witz… meistens.)
Jobsuche – ein Abenteuer für sich
Und die Jobsuche! Oh, die Jobsuche. Er hat ja studiert, was mit Medien. Was genau, das frage ich lieber nicht so oft. Jedenfalls ist der Arbeitsmarkt für Medien-Irgendwas gerade… herausfordernd. Bewerbungen werden geschrieben, dann aber doch nicht abgeschickt. Vorstellungsgespräche werden vereinbart, dann aber… siehe Pünktlichkeitsproblem. Ich biete ihm schon an, seine Bewerbungen persönlich auszutragen, getarnt als Pizzabote. Bisher ohne Erfolg.

Ich frage mich manchmal, ob er einfach nur faul ist. Aber dann sehe ich, wie er nachts wach liegt und über irgendwelche Projekte brütet, die er dann doch wieder verwirft. Oder wie er sich stundenlang mit irgendwelchen komplizierten Programmiersachen beschäftigt, von denen ich nicht mal den Namen verstehe. Er ist nicht faul, er ist einfach… überfordert? Verloren?
Ich versuche, ihm zu helfen, natürlich. Tipps geben, Kontakte herstellen, ihm sanft in den Hintern treten (bildlich gesprochen, natürlich!). Aber alles mit Maß, ich will ja nicht wieder zur Helikopter-Mutter mutieren. Das würde ihn nur noch mehr stressen, glaube ich.

Was tun, sprach Zeus?
Ich habe angefangen, das Ganze mit Humor zu nehmen. Wenn ich nicht lachen würde, würde ich wahrscheinlich weinen. Außerdem habe ich beschlossen, mich auf die kleinen Erfolge zu konzentrieren. Wenn er mal den Müll rausbringt, feiere ich das wie einen Staatsfeiertag. Wenn er eine Bewerbung abschickt, gibt es Pizza (die er dann hoffentlich nicht wieder im Zimmer verrotten lässt).
Und ich versuche, ihm einfach zuzuhören. Ihm den Raum zu geben, seine Ängste und Sorgen zu äußern. Ohne Ratschläge, ohne Urteile. Einfach nur da sein. Das ist manchmal schwerer als man denkt, aber ich glaube, es ist das Wichtigste.

Vielleicht braucht er einfach noch etwas Zeit. Vielleicht muss er erst seinen eigenen Weg finden, auch wenn dieser Weg momentan aussieht wie ein Minenfeld. Und vielleicht, ganz vielleicht, muss ich einfach lernen, loszulassen und ihm zu vertrauen, dass er das schon irgendwie hinkriegt.
Ich habe nämlich letztens einen Zettel in seinem Zimmer gefunden. Da stand drauf: "Ich schaffe das!". Das hat mich total gerührt. Vielleicht ist da ja doch mehr Selbstvertrauen, als ich dachte.
Also, was lerne ich daraus? Geduld ist eine Tugend, Humor ist eine Waffe und Pizza ist immer eine gute Idee. Und dass auch wenn dein Sohn sein Leben gerade nicht im Griff hat, er trotzdem dein Sohn bleibt und du ihn immer lieben wirst. Und hey, vielleicht wird ja irgendwann doch noch alles gut. Und wenn nicht, dann haben wir wenigstens eine gute Geschichte zu erzählen. Prost!
