Lewis Model Of Culture

Stell dir vor, du bist im Urlaub und versuchst, mit Einheimischen ins Gespräch zu kommen. Manchmal klappt es super, manchmal fühlst du dich, als würdest du eine andere Sprache sprechen – obwohl ihr beide Deutsch sprecht! Das liegt oft nicht nur an der Sprache selbst, sondern auch an unterschiedlichen kulturellen Prägungen. Genau hier kommt das Lewis-Modell der Kultur ins Spiel. Dieses Modell hilft uns, diese Unterschiede zu verstehen und besser mit Menschen aus aller Welt zu kommunizieren. Wir, Schüler und Studenten, sind ständig in Kontakt mit verschiedenen Kulturen, sei es in der Schule, an der Uni oder online. Deshalb ist es wichtig, ein grundlegendes Verständnis für interkulturelle Kommunikation zu entwickeln.
Was ist das Lewis-Modell?
Das Lewis-Modell, auch bekannt als das Modell der kulturellen Typen, wurde von Richard D. Lewis entwickelt. Es ist ein Rahmenwerk, das Kulturen anhand ihrer Kommunikationsstile und ihrer Verhaltensweisen einteilt. Anstatt Kulturen einfach in "gut" oder "schlecht" zu kategorisieren, beschreibt das Modell, wie Menschen aus verschiedenen Kulturen typischerweise denken, planen und Entscheidungen treffen. Das Ziel ist es, die Interaktion zwischen Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund zu erleichtern und Missverständnisse zu vermeiden.
Das Modell konzentriert sich hauptsächlich auf drei Haupttypen:
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- Linear-Aktiv: Diese Kulturen sind faktisch, planend und organisiert.
- Multi-Aktiv: Diese Kulturen sind gesprächig, impulsiv und leidenschaftlich.
- Reaktiv: Diese Kulturen sind höflich, zuhörend und kompromissbereit.
Es ist wichtig zu betonen, dass das Lewis-Modell keine stereotype Darstellung ist. Es handelt sich um eine Vereinfachung, die uns hilft, allgemeine Tendenzen zu erkennen. Einzelpersonen innerhalb einer Kultur können natürlich von diesen typischen Mustern abweichen.
Die drei Typen im Detail
Linear-Aktiv
Stell dir vor, du planst eine Gruppenarbeit. Ein linear-aktiver Mensch würde sofort einen Zeitplan erstellen, Aufgaben verteilen und penibel darauf achten, dass alles nach Plan läuft. Diese Menschen sind oft zielorientiert und legen Wert auf Effizienz. Zeit ist für sie ein wertvolles Gut, das nicht verschwendet werden darf. Sie sind in der Regel pünktlich, direkt und ehrlich in ihrer Kommunikation. Beispiele für linear-aktive Kulturen sind Deutschland, die Schweiz und Skandinavien.
Merkmale linear-aktiver Kulturen:
- Faktenorientiert
- Planend und organisierend
- Pünktlich
- Direkt und ehrlich
- Sprechen und hören in der gleichen Zeit
- Arbeitsteilung
- Sich an Fakten und Logik haltend
Typische Verhaltensweisen:

- Punktgenaue Planung
- Direkte Ansprache von Problemen
- Sorgfältige Vorbereitung
- Einhaltung von Regeln und Gesetzen
Multi-Aktiv
Multi-aktive Menschen sind energiegeladen, kontaktfreudig und spontan. Sie lieben es, gleichzeitig an mehreren Projekten zu arbeiten und lassen sich leicht von neuen Ideen begeistern. Kommunikation ist für sie sehr wichtig, und sie genießen lebhafte Gespräche, auch wenn sie dabei gelegentlich vom Thema abweichen. Italien, Spanien und Lateinamerika sind Beispiele für multi-aktive Kulturen.
Merkmale multi-aktiver Kulturen:
- Gesprächig und kontaktfreudig
- Impulsiv und leidenschaftlich
- Flexibel und anpassungsfähig
- Unterbrechen oft
- Emotionen sind wichtig
- Beziehungen sind wichtiger als Pläne
- Viel Körpersprache
Typische Verhaltensweisen:
- Gleichzeitiges Bearbeiten verschiedener Aufgaben
- Spontane Planänderungen
- Betonung persönlicher Beziehungen
- Ausdrückliche Körpersprache
Reaktiv
Reaktive Kulturen legen Wert auf Harmonie, Respekt und Zuhören. Sie sind in der Regel zurückhaltend und beobachten ihr Gegenüber genau, bevor sie antworten. Sie bevorzugen indirekte Kommunikation und vermeiden Konfrontationen. Japan, China und Vietnam sind Beispiele für reaktive Kulturen.
Merkmale reaktiver Kulturen:

- Gutes Zuhören
- Rücksichtsvoll und respektvoll
- Indirekte Kommunikation
- Harmoniebedürftig
- Konfrontationsscheu
- Gesichtswahrung ist wichtig
- Lange Wartezeiten vor Entscheidungen
Typische Verhaltensweisen:
- Betonung des Zuhörens und der Beobachtung
- Vermeidung direkter Kritik
- Langsamer Entscheidungsprozess
- Achtung der Hierarchie
Wie können wir das Lewis-Modell nutzen?
Das Lewis-Modell ist ein nützliches Werkzeug, um interkulturelle Kompetenz zu entwickeln. Hier sind einige Beispiele, wie wir es im Alltag einsetzen können:
- Im Studium: Wenn wir mit Kommilitonen aus anderen Kulturen zusammenarbeiten, können wir uns bewusst machen, wie sie Informationen verarbeiten und kommunizieren. Ein linear-aktiver Kommilitone schätzt vielleicht klare Anweisungen und Zeitpläne, während ein multi-aktiver Kommilitone kreative Brainstorming-Sessions bevorzugt.
- Auf Reisen: Wenn wir ein fremdes Land besuchen, können wir uns vorab über die typischen Kommunikationsstile informieren. So können wir Fettnäpfchen vermeiden und einen besseren Kontakt zu den Einheimischen aufbauen.
- Im Beruf: In einer globalisierten Arbeitswelt ist interkulturelle Kompetenz unerlässlich. Das Lewis-Modell kann uns helfen, Meetings effektiver zu gestalten, Verhandlungen erfolgreicher zu führen und Teams besser zu managen.
Beispiele für die Anwendung des Lewis-Modells:
- Meetings: In linear-aktiven Kulturen sollten Meetings gut vorbereitet sein und eine klare Agenda haben. In multi-aktiven Kulturen können Meetings spontaner und informeller sein. In reaktiven Kulturen ist es wichtig, genügend Zeit für Diskussionen und Konsensfindung einzuplanen.
- E-Mails: In linear-aktiven Kulturen sollten E-Mails kurz und prägnant sein. In multi-aktiven Kulturen können E-Mails ausführlicher und persönlicher sein. In reaktiven Kulturen ist es wichtig, die E-Mail höflich und respektvoll zu formulieren.
- Präsentationen: In linear-aktiven Kulturen sollten Präsentationen faktenbasiert und logisch aufgebaut sein. In multi-aktiven Kulturen können Präsentationen lebhaft und unterhaltsam sein. In reaktiven Kulturen ist es wichtig, die Präsentation ruhig und respektvoll zu halten.
Kritik am Lewis-Modell
Wie jedes Modell hat auch das Lewis-Modell seine Grenzen. Es ist wichtig zu beachten, dass es sich um eine Vereinfachung der Realität handelt. Kulturen sind komplex und vielfältig, und es gibt immer individuelle Unterschiede. Außerdem kann das Modell zu Stereotypenbildung führen, wenn es nicht mit Vorsicht angewendet wird.

Einige Kritiker bemängeln, dass das Modell zu eurozentrisch sei, da es die westlichen Kulturen als Norm betrachtet und andere Kulturen danach bewertet. Es ist auch wichtig zu berücksichtigen, dass sich Kulturen im Laufe der Zeit verändern und dass das Modell möglicherweise nicht immer aktuell ist.
Trotz dieser Kritikpunkte bleibt das Lewis-Modell ein nützliches Werkzeug, um ein grundlegendes Verständnis für interkulturelle Kommunikation zu entwickeln. Es ist wichtig, es als Orientierungshilfe zu betrachten und nicht als starre Schablone.
Mache es relatable!
Denk mal an deine eigene Familie oder deinen Freundeskreis. Sicher gibt es da Menschen, die super organisiert sind und immer alles im Griff haben (linear-aktiv), und andere, die ständig neue Ideen haben und total spontan sind (multi-aktiv). Vielleicht kennst du auch jemanden, der immer erst zuhört und abwägt, bevor er etwas sagt (reaktiv). Wir alle haben Anteile von allen drei Typen in uns, aber in der Regel neigen wir zu einem bestimmten Typ.
Wenn du das nächste Mal mit jemandem aus einer anderen Kultur interagierst, versuche, dich an das Lewis-Modell zu erinnern. Frage dich: Wie kommuniziert diese Person? Wie trifft sie Entscheidungen? Welche Werte sind ihr wichtig? Indem du dich in die Perspektive deines Gegenübers hineinversetzt, kannst du Missverständnisse vermeiden und eine bessere Beziehung aufbauen.
Active und inclusive language
Wir sollten immer darauf achten, eine inklusive Sprache zu verwenden. Vermeide es, Verallgemeinerungen über ganze Kulturen zu treffen. Sage zum Beispiel nicht: "Alle Deutschen sind pünktlich." Sondern: "In Deutschland wird Pünktlichkeit oft sehr geschätzt." Benutze Formulierungen wie "In vielen Fällen..." oder "Oft beobachtet man...".

Sei dir bewusst, dass deine eigene kulturelle Prägung deine Wahrnehmung beeinflusst. Was für dich normal erscheint, kann für andere ungewöhnlich oder sogar befremdlich sein. Versuche, offen und neugierig zu sein und von anderen Kulturen zu lernen.
Beispiel: Statt zu sagen: "Die Japaner sind so kompliziert!", sage lieber: "Die japanische Kultur hat eine sehr lange Tradition und legt Wert auf Höflichkeit und Respekt. Es kann einige Zeit dauern, bis man die Gepflogenheiten versteht."
Der Wert des Lewis-Modells
Das Lewis-Modell ist mehr als nur ein theoretisches Konzept. Es ist ein praktisches Werkzeug, das uns helfen kann, besser zu kommunizieren, erfolgreicher zusammenzuarbeiten und eine globalere Denkweise zu entwickeln. In einer Welt, die immer stärker vernetzt ist, ist interkulturelle Kompetenz eine Schlüsselqualifikation. Indem wir uns mit dem Lewis-Modell auseinandersetzen, können wir unsere eigenen kulturellen Prägungen besser verstehen und lernen, wie wir mit Menschen aus anderen Kulturen respektvoll und effektiv interagieren können.
Denk daran: Das Ziel ist nicht, die "richtige" Kultur zu finden, sondern die Vielfalt zu schätzen und voneinander zu lernen. Das Lewis-Modell ist ein erster Schritt auf dem Weg zu einer besseren interkulturellen Verständigung.
Indem wir uns bewusst mit interkultureller Kommunikation auseinandersetzen, tragen wir dazu bei, eine tolerantere und friedlichere Welt zu schaffen.
