Für Was Ist ölziehen Gut

Stell dir vor, du stehst morgens auf, putzt nicht gleich die Zähne, sondern nimmst einen Löffel Öl in den Mund. Ja, richtig gelesen. Öl. Und dann spülst du damit rum. 15, 20 Minuten lang. Klingt verrückt? Ist es vielleicht auch ein bisschen. Aber es nennt sich Ölziehen und soll angeblich Wunder wirken.
Meine Oma, die immer schon für ihre unkonventionellen Gesundheitsratschläge bekannt war (Erinnert sich jemand an den Kohlwickel gegen Kopfschmerzen?), hat mich vor einiger Zeit darauf aufmerksam gemacht. „Kindchen“, sagte sie mit diesem verschmitzten Grinsen, das immer Ärger bedeutet, „du musst mal Ölziehen ausprobieren. Das reinigt den ganzen Körper!“
Klar, dachte ich. Oma spinnt. Aber dann habe ich mich doch mal informiert. Und siehe da: Ölziehen, auch bekannt als Gandusha in der ayurvedischen Medizin, ist angeblich gut für alles Mögliche. Von weißeren Zähnen über gesünderes Zahnfleisch bis hin zu einer reineren Haut und sogar weniger Kopfschmerzen. Ein wahres Wundermittel, quasi.
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Der erste Versuch: Ein Ölbad im Mund
Also habe ich es ausprobiert. Mein erster Versuch mit einem Löffel Kokosöl war... nun ja, gewöhnungsbedürftig. Die Konsistenz von Öl im Mund ist erstmal nicht so prickelnd. Ich habe versucht, das Öl zwischen meinen Zähnen hin und her zu ziehen, wie man es soll. Aber irgendwie fühlte es sich an, als hätte ich versehentlich einen Schluck Sonnenblumenöl aus der Küche erwischt. Nicht so lecker.
Nach fünf Minuten war ich kurz davor, alles auszuspucken. Aber ich habe durchgehalten. Immerhin wollte ich wissen, ob Omas Kohlwickel-Analogie auch hier zutrifft. Zehn Minuten. Fünfzehn. Irgendwann gewöhnt man sich an das Gefühl. Und nach zwanzig Minuten spuckte ich das Öl aus. Es sollte jetzt milchig-weiß sein, voller Bakterien und anderer unappetitlicher Dinge, die man lieber loswerden möchte.

Und, was soll ich sagen? Meine Zähne fühlten sich tatsächlich sauberer an. Und irgendwie auch glatter. Ein bisschen wie nach einer professionellen Zahnreinigung. Aber ob das jetzt wirklich an den Bakterien lag, die ich da rausgespült hatte, oder einfach nur an der langen Spülung, sei mal dahingestellt.
Mehr als nur weiße Zähne?
Ich habe das Ölziehen dann ein paar Wochen lang jeden Morgen durchgezogen. Und ja, ich muss sagen, es hat etwas. Meine Zähne sind vielleicht nicht strahlend weiß geworden, aber sie fühlen sich sauberer an. Und mein Zahnfleisch scheint auch nicht mehr so schnell zu bluten. Ob das jetzt am Ölziehen liegt oder an der Tatsache, dass ich seitdem etwas mehr auf meine Zahnpflege achte, ist schwer zu sagen.

Meine Oma schwört jedenfalls darauf. Sie sagt, seit sie Ölziehen macht, hat sie viel weniger Gelenkschmerzen und ihre Haut sei viel reiner geworden. Ob das nun Placebo-Effekt oder tatsächliche Wirkung ist, ist mir ehrlich gesagt egal. Hauptsache, es hilft ihr.
Ölziehen für Jedermann?
Ob Ölziehen jetzt wirklich ein Allheilmittel ist, sei mal dahingestellt. Die wissenschaftliche Evidenz ist, wie so oft bei alternativen Heilmethoden, eher dünn. Aber schaden kann es vermutlich nicht. Solange man das Öl nicht runterschluckt (was wirklich keine gute Idee ist) und sich nicht von einem Zahnarztbesuch abhalten lässt.

Und selbst wenn es nur ein Placebo-Effekt ist: Was spricht dagegen, sich morgens ein paar Minuten Zeit für sich selbst zu nehmen und etwas Gutes für seinen Körper zu tun? Vielleicht nicht mit Kohlwickeln, aber vielleicht ja mit einem Löffel Kokosöl. Oder Sesamöl. Oder Sonnenblumenöl. Hauptsache, es schmeckt nicht zu schlimm.
Also, probiert es doch einfach mal aus. Vielleicht werdet ihr ja auch zu Ölzieh-Junkies. Oder ihr lacht euch einfach nur schlapp über das komische Gefühl von Öl im Mund. So wie ich am Anfang. Aber wer weiß, vielleicht ist ja doch etwas dran an Omas Weisheiten. Und wenn nicht, dann habt ihr wenigstens eure Zähne geputzt.
Disclaimer: Ich bin kein Arzt oder Wissenschaftler. Das hier ist nur meine persönliche Erfahrung. Wenn ihr gesundheitliche Probleme habt, geht bitte zum Arzt.
