Fiat Iustitia Et Pereat Mundus

Kennst du das, wenn du total im Recht bist? So richtig, mit Brief und Siegel? Und trotzdem, irgendwie, geht alles schief? Als ob das Universum persönlich beschlossen hätte, dich für deine moralische Überlegenheit abzustrafen? Dann, mein Freund, hast du vielleicht schon eine leichte Begegnung mit dem Motto "Fiat Iustitia Et Pereat Mundus" gehabt. Klingt fancy, ist aber eigentlich nur Latein für: "Es soll Gerechtigkeit geschehen, und wenn die Welt darüber zugrunde geht."
Ja, ich weiß, klingt dramatisch. Als ob jemand gerade einen epischen Gerichtssaalfilm mit viel Pathos und Windmaschinen dreht. Aber denk mal drüber nach. Hast du nicht auch schon mal, im Kleinen, etwas Ähnliches erlebt?
Wenn die Klopapierrolle zum Weltuntergang wird
Stell dir vor: Du wohnst in einer WG. Du bist der Einzige, der die Klopapierrolle wechselt. Immer! Jeden verdammten Tag! Du hast schon eine Strichliste geführt, Diagramme erstellt, und sogar eine Präsentation für deine Mitbewohner vorbereitet, in der du messerscharf deine Position untermauerst. Du bist im Recht, ganz klar. Und du willst Gerechtigkeit! Du willst, dass endlich jemand anderes diese ehrenvolle Aufgabe übernimmt!
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Was passiert? Deine Mitbewohner beschließen, aus Trotz, nur noch Küchenrolle zu benutzen. Der Klempner muss gerufen werden, weil jemand versucht hat, feuchte Waschlappen die Toilette runterzuspülen. Und plötzlich stehst du da, mit deiner Gerechtigkeit, inmitten einer sanitären Katastrophe. Die Welt (deine WG) geht zugrunde. Aber hey, du hattest Recht! 🥳
Das Parkplatz-Paradoxon
Oder nimm das Parken. Du findest endlich den perfekten Parkplatz, millimetergenau, exakt so, wie es die Straßenverkehrsordnung vorschreibt. Du bist stolz. Gerechtigkeit hat gesiegt! Dann kommst du nach zwei Stunden zurück und dein Auto hat einen Kratzer. Irgendein Idiot hat versucht, einzuparken, ohne Rücksicht auf Verluste. Deine perfekte Parkposition, deine Gerechtigkeit, hat dich teuer zu stehen gebracht.

Fiat Iustitia Et Pereat Mundus bedeutet also nicht, dass wir alle in einer apokalyptischen Szenerie enden. Es bedeutet eher, dass das Beharren auf unserem Recht, das blinde Verfolgen von Gerechtigkeit, manchmal unerwartete und negative Konsequenzen haben kann. Dass die Welt, in der wir leben, selten schwarz und weiß ist. Und dass ein bisschen Nachsicht, ein bisschen Kompromissbereitschaft, vielleicht doch der bessere Weg ist.
Die Waage der Gerechtigkeit und der gesunde Menschenverstand
Klar, Gerechtigkeit ist wichtig. Keine Frage. Aber manchmal ist es eben klüger, die Schlacht nicht zu schlagen. Manchmal ist es besser, fünf gerade sein zu lassen, anstatt auf Biegen und Brechen Recht zu behalten. Besonders, wenn die Konsequenzen unangenehm oder sogar lächerlich sind.

Denk an den Kollegen, der immer, immer die Kaffeemaschine leert und nicht auffüllt. Du könntest ihm eine Standpauke halten, ihn vor allen bloßstellen und auf dein Recht pochen, jederzeit eine frisch gebrühte Tasse Kaffee genießen zu können. Oder du füllst die Kaffeemaschine einfach selbst auf und denkst dir: "Ach, was soll's."
Vielleicht ist es genau das, was Fiat Iustitia Et Pereat Mundus uns wirklich sagen will: dass wir nicht nur nach unserem Recht, sondern auch nach unserem Gewissen handeln sollen. Dass wir abwägen müssen, wann es sich lohnt, für unsere Überzeugung einzustehen, und wann es besser ist, ein Auge zuzudrücken. Denn manchmal, ganz ehrlich, ist der Frieden doch mehr wert als die perfekte Klopapierrollen-Bilanz.
Und wer weiß, vielleicht ist es ja auch ungerecht, dass ausgerechnet du immer die Klopapierrolle wechseln musst. Aber vielleicht, nur vielleicht, hat das Universum ja auch einen Plan. Vielleicht wirst du ja eines Tages für deine stoische Klopapierrollen-Wechsel-Fähigkeiten mit einem eigenen Butler belohnt, der dir jeden Wunsch von den Augen abliest. Wer weiß? Die Welt ist voller Überraschungen. Und manchmal, eben auch voller ungerechter Situationen. Aber hey, zumindest haben wir was zu lachen.
