Erving Goffman Wir Alle Spielen Theater

Die Welt als Bühne: Wie Erving Goffman uns zum Lachen bringt
Hast du dich jemals gefragt, warum du dich in verschiedenen Situationen anders verhältst? Zum Beispiel, bist du am Esstisch bei Oma anders als mit deinen Freunden im Park? Der Soziologe Erving Goffman hatte da eine ziemlich witzige Idee: Er sagte, wir alle spielen Theater! Sein Buch, "Wir alle spielen Theater" (im Original "The Presentation of Self in Everyday Life"), ist quasi das Drehbuch dazu.
Goffman meinte, dass das ganze Leben eine große Bühne ist. Und wir, die Akteure, versuchen ständig, einen bestimmten Eindruck zu hinterlassen. Wir wollen, dass die Leute uns mögen, uns respektieren, oder uns zumindest nicht für komplett verrückt halten. Also spielen wir eine Rolle. Ob wir es merken oder nicht.
Denk mal drüber nach: Wenn du deinen Chef triffst, ziehst du wahrscheinlich nicht gerade dein Lieblings-Schlabber-Shirt an und erzählst von der durchzechten Nacht zuvor. Nein, du putzt dich raus, lächelst professionell und redest über "Synergien" und "Innovationen". Das ist deine "Berufs-Rolle". Und wenn du mit deinen besten Freunden unterwegs bist? Da kommen vielleicht ganz andere Seiten zum Vorschein… Die "Freund-Rolle" erlaubt Blödeleien, Insider-Witze und vielleicht sogar ein bisschen Lästerei.
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Goffman unterschied zwischen "Vorderbühne" und "Hinterbühne". Die Vorderbühne ist das, was die Leute sehen. Das schicke Restaurant, in dem du zum ersten Date gehst. Die saubere Wohnung, bevor Besuch kommt. Die Hinterbühne ist der Ort, wo du dich vorbereitest, wo du dich fallen lassen kannst. Die Küche, in der du panisch das Essen anrichtest, bevor der Besuch klingelt. Das Schlafzimmer, in dem du frustriert deine Klamotten auf den Boden wirfst, weil du nichts zum Anziehen findest.
Das Lustige ist ja, dass wir uns oft gar nicht bewusst sind, wie sehr wir uns verstellen. Es passiert einfach automatisch. Wir haben gelernt, welche Rolle wir in welcher Situation spielen müssen. Und meistens funktioniert es auch ganz gut. Aber manchmal… oje!

Stell dir vor, du spielst gerade die Rolle des kompetenten Experten im Meeting. Du redest von wichtigen Kennzahlen und komplexen Strategien. Und plötzlich… dein Magen knurrt lautstark. Peinlich! Das ist der Moment, in dem die Fassade bröckelt. Die "echte" Person hinter der Rolle blitzt kurz auf.
Goffman nannte das "Face-Work". Wenn unser "Gesicht", also unser gewünschter Eindruck, bedroht ist, versuchen wir, den Schaden zu begrenzen. Wir entschuldigen uns, wir lenken ab, wir tun so, als ob nichts gewesen wäre. Wir wollen das "Face" retten.

Und was lernen wir daraus? Vielleicht, dass es okay ist, sich mal nicht perfekt zu präsentieren. Dass es menschlich ist, Fehler zu machen. Dass wir alle nur Schauspieler sind, die versuchen, das Beste aus ihrer Rolle zu machen. Manchmal gelingt es uns, manchmal nicht. Aber solange wir uns selbst nicht zu ernst nehmen, können wir über unsere kleinen "Bühnenpannen" auch mal lachen. Denn wie Goffman so schön gesagt hätte: Das Leben ist ein Theater, und die meisten von uns sind ziemlich gute Komödianten.
Goffmans Ideen sind aber nicht nur lustig, sie können uns auch helfen, andere besser zu verstehen. Wenn wir erkennen, dass jeder eine Rolle spielt, können wir toleranter sein. Wir können uns fragen, warum sich jemand so verhält, wie er sich verhält. Vielleicht steckt hinter der strengen Fassade des Chefs ja nur ein einsamer Mensch, der sich nach Anerkennung sehnt.
Also, das nächste Mal, wenn du dich in einer bestimmten Situation wiederfindest, denk an Erving Goffman und sein Theater. Überlege dir, welche Rolle du gerade spielst. Und hab keine Angst, mal aus der Rolle zu fallen. Denn das macht das Leben ja erst richtig interessant!
