Diktat Nominalisierte Verben Und Adjektive

Kennen Sie das Gefühl, wenn ein Text zwar grammatikalisch korrekt ist, aber trotzdem irgendwie... schwerfällig wirkt? Als würde er sich mühsam durch den Satz schleppen, anstatt elegant dahinzugleiten? Oft liegt die Ursache in einem übermäßigen Gebrauch von Nominalisierung – also der Umwandlung von Verben und Adjektiven in Substantive.
Viele von uns machen das unbewusst. Wir wollen präzise und formell klingen, enden aber stattdessen mit verschachtelten Sätzen, die das Lesen unnötig anstrengend machen. Aber keine Sorge, es gibt Wege, diesen "Nominalstil" zu vermeiden und Ihre Texte lebendiger und verständlicher zu gestalten.
Was ist Nominalisierung überhaupt?
Vereinfacht gesagt, ist Nominalisierung der Prozess, ein Verb oder ein Adjektiv in ein Nomen (Substantiv) umzuwandeln. Betrachten wir folgende Beispiele:
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- Verb: "lesen" wird zu "das Lesen"
- Adjektiv: "sicher" wird zu "die Sicherheit"
Diese Umwandlung ist an sich nicht schlecht. Das Deutsche bietet uns diese Flexibilität. Das Problem entsteht, wenn wir zu viele Nominalisierung in einem Text verwenden.
Warum ist zu viel Nominalisierung problematisch?
Verständlichkeit leidet: Sätze werden länger und komplexer. Anstatt direkt zu sagen, wer was tut, beschreiben wir "den Vorgang des Tuns". Das Gehirn muss mehr leisten, um die Bedeutung zu entschlüsseln.
Lesefluss wird gestört: Nominalkonstruktionen wirken oft statisch und unbeweglich. Ein Text voller Nominalisierung liest sich wie eine Aneinanderreihung von Fakten, ohne Lebendigkeit oder Rhythmus.

Aktiv-Passiv-Problematik: Nominalisierung führt oft zu Passivkonstruktionen. Anstatt zu sagen "Der Chef entscheidet", sagen wir "Die Entscheidung wird vom Chef getroffen". Das verschleiert die Verantwortlichkeit und macht den Text distanzierter.
Aufblähung des Textes: Nominalkonstruktionen benötigen oft zusätzliche Wörter, um den Sinn zu vermitteln. Das Ergebnis ist ein aufgeblähter Text, der die Kernaussage unnötig versteckt.
Wie erkenne ich Nominalisierung in meinen Texten?
Achten Sie auf bestimmte Signalwörter und -muster:

- Substantive auf -ung, -heit, -keit, -schaft: z.B. "die Verarbeitung", "die Freiheit", "die Möglichkeit", "die Freundschaft"
- Verwendung von "sein", "werden", "haben" in Verbindung mit Nominalen: z.B. "zur Anwendung bringen", "in Bewegung sein", "zur Verfügung stellen"
- Präpositionalphrasen mit "von", "durch", "aufgrund": z.B. "die Zerstörung von Häusern", "die Verbesserung durch Maßnahmen", "die Entscheidung aufgrund von Daten"
Ein kleiner Test: Markieren Sie alle Substantive in Ihrem Text. Sind ungewöhnlich viele dabei, die eigentlich Verben oder Adjektive sein könnten? Dann ist Vorsicht geboten!
Wie kann ich Nominalisierung vermeiden?
Verben statt Nomina: Wandeln Sie nominale Ausdrücke in Verben um. Anstatt "die Durchführung eines Projekts" schreiben Sie "ein Projekt durchführen".
Adjektive statt Nomina: Nutzen Sie Adjektive, um Eigenschaften direkt zu beschreiben. Anstatt "die Sicherheit des Systems" schreiben Sie "das sichere System".
Aktiv statt Passiv: Vermeiden Sie Passivkonstruktionen, die durch Nominalisierung entstehen. Anstatt "Die Entscheidung wird vom Team getroffen" schreiben Sie "Das Team trifft die Entscheidung".

Konkrete Beispiele: Statt abstrakten Begriffen, die durch Nominalisierung entstehen, verwenden Sie konkrete Beispiele, um Ihre Aussagen zu veranschaulichen.
Kurze Sätze: Versuchen Sie, lange Sätze aufzuteilen. Das erleichtert das Verständnis und reduziert die Notwendigkeit für komplexe Nominalkonstruktionen.
Beispiele für die Umformulierung
Original: "Die Bearbeitung des Antrags erfolgt durch die zuständige Abteilung."
Verbessert: "Die zuständige Abteilung bearbeitet den Antrag."

Original: "Die Erhöhung der Sicherheit ist unser oberstes Ziel."
Verbessert: "Wir wollen die Sicherheit erhöhen."
Original: "Die Instandsetzung des Geräts ist notwendig."
Verbessert: "Das Gerät muss instandgesetzt werden." (Oder noch besser: "Wir müssen das Gerät reparieren.")
Fazit: Mehr Klarheit, weniger Nominalstil
Die Reduzierung von Nominalisierung ist ein wichtiger Schritt zu klaren und verständlichen Texten. Es erfordert Übung und ein bewusstes Hinterfragen des eigenen Schreibstils. Aber die Mühe lohnt sich: Ihre Leser werden es Ihnen danken, indem sie Ihre Texte leichter verstehen und sich besser an die Inhalte erinnern. Denken Sie daran: Weniger ist oft mehr! Konzentrieren Sie sich auf die Kernaussage und formulieren Sie so direkt und präzise wie möglich. Ihr Text wird lebendiger, lesbarer und überzeugender.
