Der Junge Mit Dem Gestreiften Pyjama

Habt ihr euch auch schon mal gefragt…?
Mal ehrlich, Leute. Der Junge mit dem gestreiften Pyjama. Kennt jeder, oder? Buch gelesen, Film gesehen, Taschentücher leer geweint. Aber… ist er wirklich SO genial?
Ich meine, klar, die Geschichte ist traurig. Ein kleiner Junge, Bruno, freundet sich mit einem Jungen hinter einem Zaun an. Und dieser Zaun ist... nun ja, kein gewöhnlicher Zaun. Er umschließt Auschwitz. Puh, da kommt schon was zusammen.
Aber Hand aufs Herz: Findet ihr nicht auch, dass Bruno ein bisschen… naiv ist? Ich mein, SEHR naiv. Ein neunjähriger Junge, dessen Vater ein Nazi-Offizier ist, hat absolut KEINE Ahnung, was vor sich geht? Wirklich?
Must Read
Ich weiß, ich weiß, das ist der springende Punkt. Die kindliche Unschuld, die die Grausamkeit um ihn herum nicht versteht. Aber manchmal denke ich mir: Komm schon, Bruno! Schau dich doch mal um!
Unbeliebte Meinung incoming!
Ich gebe zu, ich finde, die Geschichte ist ein bisschen… zu einfach gestrickt. Ein bisschen zu sehr auf Tränen ausgelegt. Ein bisschen zu wenig… realistisch. (Okay, sehr wenig realistisch.)
Ich weiß, das klingt hart. Und ja, die Message ist wichtig: Krieg ist schrecklich. Vorurteile sind dumm. Freundschaft ist toll. Alles richtig.

Aber manchmal habe ich das Gefühl, der Film und das Buch wollen uns zu sehr zum Weinen bringen. So nach dem Motto: "Schaut her, wie schlimm alles ist! Heult jetzt!"
Und ich bin dann so: "Ja, ja, ist schlimm. Aber vielleicht könntet ihr mir das Ganze ein bisschen subtiler unterjubeln?"
Ich meine, ernsthaft, wie viele Kinder in Auschwitz hätten wirklich mit einem privilegierten deutschen Jungen Freundschaft geschlossen?
Das soll jetzt nicht heißen, dass die Geschichte schlecht ist. Sie ist nur… überbewertet, finde ich. Da gibt es so viele andere Bücher und Filme, die das Thema Holocaust auf eine viel eindringlichere und realistischere Weise behandeln. (Und ohne, dass man sich die ganze Zeit denkt: "Bruno, wach endlich auf!")

Oder ist das nur meine Meinung? Vielleicht bin ich ja einfach nur ein herzloser Klotz. Aber ich habe das Gefühl, dass viele Leute die Geschichte einfach gut finden, weil sie so traurig ist. Und nicht unbedingt, weil sie so gut geschrieben oder so authentisch ist.
Die Mutter aller Fragen
Und was ist eigentlich mit Brunos Mutter? Die ist ja auch irgendwie… komisch. Erst ist sie total stolz auf ihren Mann, den Nazi-Offizier. Und dann, als sie merkt, was wirklich los ist, ist sie plötzlich total entsetzt.
Ähm, hallo? Wo warst du die ganze Zeit? Hast du unter einem Stein gelebt?

Ich verstehe ja, dass sie ihren Sohn schützen will. Aber ihre Wandlung kommt mir ein bisschen zu plötzlich. Ein bisschen zu unglaubwürdig.
Und Grete, Brunos Schwester? Die ist ja auch eine interessante Figur. Erst ist sie ein kleines Mädchen, das mit Puppen spielt. Und dann, schwuppdiwupp, ist sie ein überzeugter Nazi.
Okay, ich verstehe, dass die Geschichte zeigen will, wie leicht man von Propaganda beeinflusst werden kann. Aber irgendwie finde ich, dass Gretes Verwandlung auch ein bisschen… plakativ ist.

Versteht mich nicht falsch. Ich finde es gut, dass es Bücher und Filme über den Holocaust gibt. Es ist wichtig, dass wir uns an die Gräueltaten der Nazis erinnern und dass wir dafür sorgen, dass so etwas nie wieder passiert.
Aber ich finde auch, dass wir kritisch sein sollten. Wir sollten nicht einfach alles gut finden, nur weil es uns zum Weinen bringt. Wir sollten uns fragen: Ist die Geschichte wirklich gut erzählt? Ist sie authentisch? Vermittelt sie eine wichtige Botschaft?
Und bei Der Junge mit dem gestreiften Pyjama bin ich mir da einfach nicht so sicher. Aber vielleicht liege ich ja auch total falsch. Vielleicht bin ich einfach nur zu zynisch.
Was meint ihr?
