Der Herr Der Diebe Cornelia Funke

Hand aufs Herz: Wer von uns hat nicht mal davon geträumt, abzuhauen? Einfach so. Koffer packen, Tür knallen und Tschüss! Bei Cornelia Funkes Der Herr der Diebe ist das ja quasi Programm. Zwei Brüder, Prosper und Bo, fliehen nach Venedig. Romantisch, oder?
Okay, Venedig ist cool. Gondeln, Masken, Kanäle... aber ganz ehrlich? So richtig geflasht hat mich das Buch nie. Und jetzt kommt's: Ich glaube, es ist ein bisschen...überschätzt. Ja, ich hab's gesagt! Steinigt mich ruhig.
Klar, die Story ist schnieke.
Ein geheimnisvoller Herr der Diebe, Kinder, die sich in einer alten Filmkulisse verstecken, eine Detektivin mit einem Hang zum Drama... klingt super, oder? Ist es ja auch. Teilweise. Aber manchmal fühlt sich das Ganze an wie ein bisschen viel auf einmal. Ein bisschen zu viele Charaktere, ein bisschen zu viele Wendungen, ein bisschen zu viel... alles.
Must Read
Und diese magische Karussell-Sache? Naja. Versteht mich nicht falsch, ich mag Fantasy. Aber dieses Element wirkte irgendwie...aufgesetzt. Als hätte Frau Funke gedacht: "Ach, ich brauche noch irgendwas total Verrücktes, um das Buch noch ein bisschen spannender zu machen!"
Die Erwachsenen sind...komisch.
Mal ehrlich, die Erwachsenen in Der Herr der Diebe sind doch alle ein bisschen...seltsam. Tante Esther, die die Jungs findet und sie eigentlich zurückbringen soll, ist ja noch ganz okay. Aber diese Detektivin, Victor, mit ihren übertriebenen Reaktionen und ihrem komischen Outfit? Und dann dieser Conte, der so geheimnisvoll tut, aber im Endeffekt auch nur ein alter Mann mit viel Geld ist?

Und Scipio, der Herr der Diebe selbst? Klar, er ist charmant und charismatisch. Aber er ist auch ein bisschen...blass. Seine Motivation ist nicht immer ganz klar und irgendwie bleibt er einem als Figur nicht so richtig im Gedächtnis haften.
Venedig, die eigentliche Heldin?
Ich muss sagen, das einzig wirklich Überzeugende an dem Buch ist Venedig selbst. Die Stadt ist so lebendig und atmosphärisch beschrieben, dass man fast das Gefühl hat, selbst durch die Gassen zu laufen und das salzige Meer zu riechen. Die Kanäle, die alten Paläste, die versteckten Plätze...Venedig ist die eigentliche Heldin der Geschichte.

Aber ist das genug? Reicht eine schöne Kulisse, um ein Buch wirklich herausragend zu machen? Ich finde nicht. Es braucht auch überzeugende Charaktere, eine packende Handlung und eine Botschaft, die im Gedächtnis bleibt. Und da hapert es bei Der Herr der Diebe meiner Meinung nach ein bisschen.
Fazit: Ganz nett, aber...
Der Herr der Diebe ist sicher kein schlechtes Buch. Es ist gut geschrieben, spannend und entführt den Leser in eine faszinierende Welt. Aber es ist auch ein bisschen überbewertet. Es gibt viele andere Kinderbücher, die mich mehr berührt, mehr begeistert und mehr zum Nachdenken angeregt haben.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich kein Kind mehr bin. Vielleicht sehen Kinder die Geschichte mit anderen Augen. Aber als Erwachsener finde ich Der Herr der Diebe einfach...nett. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und das ist okay.
Also, was meint ihr? Bin ich mit meiner Meinung völlig allein? Oder gibt es da draußen noch andere, die Der Herr der Diebe auch nicht so super-duper finden? Lasst es mich wissen! Vielleicht ändert sich ja meine Meinung, wenn ich eure Argumente höre. Aber bis dahin bleibe ich dabei:
Ein schönes Buch, aber kein Meisterwerk.
