Der Größte Spaß Den Wir Je Hatten

Weißt du, manchmal passieren Dinge, die so absurd und gleichzeitig so perfekt sind, dass man noch Jahre später lachend davon erzählt? So eine Geschichte ist „Der Größte Spaß Den Wir Je Hatten", zumindest in meiner Familie. Und nein, es geht nicht um einen Zirkusbesuch oder einen Urlaub auf einer exotischen Insel. Es geht um… Kartoffeln.
Ja, du hast richtig gelesen. Kartoffeln. Genauer gesagt, um die Kartoffelernte im Garten meiner Oma Erna. Oma Erna war eine Frau von Taten. Ihr Garten war ihr Königreich, und jedes Jahr im Herbst wurde dort die Kartoffelernte zelebriert wie ein Staatsakt. Das bedeutete aber auch: harte Arbeit.
Normalerweise war die Kartoffelernte eine eher mühsame Angelegenheit. Morgens um acht Uhr ging es los, bewaffnet mit Spaten, Eimern und dem festen Willen, jedes einzelne Erdknöllchen aus der Erde zu befreien. Oma Erna hatte da ihre ganz eigene Methode. Sie grub die Kartoffelpflanzen aus, dann schüttelten wir die Erde ab und sortierten die Kartoffeln nach Größe: die großen für Kartoffelsalat, die mittleren für Bratkartoffeln und die kleinen für… naja, für irgendwas. Jedenfalls war es eine schweißtreibende Arbeit, bei der man sich ständig den Rücken verrenkte und die Hände voller Erde hatte.
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Aber dieses eine Jahr… dieses eine Jahr war alles anders. Es begann damit, dass Opa Karl, der ansonsten eher für seinen trockenen Humor bekannt war, die glorreiche Idee hatte, ein kleines Spiel in die Ernte einzubauen. „Wir machen eine Kartoffel-Olympiade!“, verkündete er mit strahlenden Augen. Oma Erna war zunächst skeptisch. „Karl, wir müssen hier arbeiten, das ist kein Kindergeburtstag!“. Aber Opa Karl ließ nicht locker, und schließlich willigte sie ein, unter der Bedingung, dass die Arbeit nicht zu kurz kam.

Und so begann die erste und einzige Kartoffel-Olympiade. Die Disziplinen waren so absurd wie genial: „Kartoffel-Weitwurf“ (wer wirft die Kartoffel am weitesten, ohne dass sie zerbricht), „Kartoffel-Zielwurf“ (wer trifft mit der Kartoffel am besten in den Eimer) und „Kartoffel-Staffellauf“ (wer sammelt am schnellsten eine bestimmte Anzahl von Kartoffeln ein und bringt sie ins Ziel). Die Regeln waren einfach: Spaß haben war Pflicht, Mogeln war erlaubt (solange Oma Erna es nicht sah) und der Gewinner bekam… eine extra Portion Kartoffelsalat.
Die Olympiade artete schnell in ein heilloses Chaos aus. Tanten und Onkel, Cousinen und Cousins – alle waren mit Feuereifer dabei. Kartoffeln flogen durch die Luft, Eimer kippten um, und es gab unzählige Proteste wegen angeblicher Regelverstöße. Am lustigsten war der „Kartoffel-Weitwurf“, bei dem Onkel Heinz versuchte, mit einem besonders großen Exemplar einen neuen Rekord aufzustellen. Er holte tief Luft, schwang die Kartoffel mit aller Kraft und… verlor das Gleichgewicht. Er landete mit einem lauten Plumps im Kartoffelacker, Kartoffel und Onkel Heinz waren von oben bis unten mit Erde bedeckt. Wir alle brachen in schallendes Gelächter aus.

Am Ende des Tages waren wir alle erschöpft, aber glücklich. Die Kartoffeln waren geerntet (zugegeben, vielleicht nicht ganz so ordentlich wie sonst) und wir hatten unendlich viel gelacht. Opa Karl wurde zum Ehrenpräsidenten der Kartoffel-Olympiade ernannt, und Oma Erna, die anfangs so skeptisch gewesen war, strahlte über das ganze Gesicht. "So einen Spaß", sagte sie, "hatten wir schon lange nicht mehr."
Und das stimmt. Die Kartoffel-Olympiade ist bis heute eine Legende in unserer Familie. Jedes Mal, wenn wir uns an die Kartoffelernte erinnern, denken wir nicht nur an schwere Arbeit, sondern auch an den Tag, an dem wir aus einer vermeintlich langweiligen Aufgabe den größten Spaß gemacht haben, den wir je hatten. Es ist eine Erinnerung daran, dass man auch in den einfachsten Dingen Freude finden kann, solange man es mit den richtigen Leuten und einer Prise Humor angeht. Und vielleicht sollten wir das Ganze irgendwann mal wiederholen…
