Hand aufs Herz: Wer hat noch nie "Das tut mir leid" gesagt? Wahrscheinlich niemand. Aber mal ehrlich: Ist jedes "Entschuldigung" gleichwertig? Ich finde nicht!
Da gibt's die Miniausgabe. Das kleine "Tut mir leid, war keine Absicht", wenn man jemandem im Supermarkt auf den Fuß getreten ist. Kurz, knackig, erledigt. Kein Drama. Völlig okay. Aber dann…
Die Giganto-Entschuldigung!
…gibt es die andere Sorte. Die, bei der man das Gefühl hat, eine halbe Doktorarbeit vorzutragen. "Es tut mir soooo unendlich leid, dass ich, aufgrund unglücklicher Umstände, die sich aus einer Verkettung unvorhergesehener Ereignisse ergaben, dein Lieblingskaffeehäferl runtergeschmissen habe..." Puh! Mal ehrlich, war's das wirklich wert? War es nicht einfach nur ein Unfall?
Ich habe da so eine – vielleicht unpopuläre – Meinung. Ich finde, die Größe der Entschuldigung sollte proportional zum Verbrechen sein. Ein zerbrochenes Häferl? Ein kurzes "Sorry, blöd gelaufen!" reicht doch völlig. Man muss keine emotionale Achterbahnfahrt hinlegen.
Oder was, wenn man einfach nur zu spät kommt? "Entschuldigung, dass ich zu spät bin" ist Standard. Aber muss man wirklich die ganze Busverspätungsgeschichte mit den rebellierenden Tauben auf dem Dach der Bushaltestelle ausbreiten? Die meisten wollen doch nur wissen, dass man da ist und dass es weitergehen kann!
„Klein gegen groß“: Jan Delay entschuldigt sich für Auftritt – „Tut mir
Entschuldigungs-Overkill
Ich beobachte oft, dass Leute sich für Dinge entschuldigen, für die sie überhaupt nichts können. "Oh, entschuldigen Sie die Baustelle!" – Hallo? Haben Sie die Straße aufgerissen? Wohl kaum! Das ist einfach nur übertrieben.
Ich finde, wir sollten öfter mal auf die goldene Mitte setzen. Eine ehrliche, aufrichtige Entschuldigung, ohne unnötiges Drumherum. Ein "Das war doof von mir" ist oft viel wertvoller als ein fünfminütiger Monolog über die eigenen Unzulänglichkeiten.
Leidtun, leid tun oder Leid tun – welches stimmt?
Und das gilt besonders in der digitalen Welt. Wie oft liest man unter Posts: "Entschuldigung für die lange Nachricht!" oder "Sorry für die späte Antwort!"? Leute, entspannt euch! Wir sind doch alle im gleichen Boot. Manchmal dauert es eben länger, bis man antwortet. Und lange Nachrichten sind auch nicht per se ein Verbrechen.
Besonders schlimm finde ich die "Vorab-Entschuldigung". "Ich entschuldige mich schon mal im Voraus, falls ich etwas Falsches sage..." Ähm, warum sagst du es dann überhaupt? Vielleicht einfach mal nachdenken, bevor man den Mund aufmacht (oder die Finger tippen lässt)?
Ich plädiere für eine Revolution der Entschuldigungskultur! Weg von den theatralischen Darbietungen, hin zu mehr Ehrlichkeit und Authentizität. Weniger ist oft mehr!
Holzapfel groß Tut mir leid, 19,90
Die Kunst der richtigen Entschuldigung
Aber natürlich gibt es Situationen, in denen eine große Entschuldigung angebracht ist. Wenn man jemanden wirklich verletzt hat, wenn man einen Fehler begangen hat, der gravierende Folgen hatte. Dann ist es wichtig, sich aufrichtig zu entschuldigen und Verantwortung zu übernehmen. Aber auch dann muss es nicht gleich ein Staatsakt sein.
Das Wichtigste ist, dass die Entschuldigung von Herzen kommt. Dass man es wirklich bereut und dass man bereit ist, Wiedergutmachung zu leisten. Ein aufrichtiges "Das tut mir leid" kann Wunder wirken. Aber eben nur, wenn es echt ist.
Wird "es tut mir leid" groß- oder kleingeschrieben? • Sprachschleuder.de
Also, beim nächsten Mal, wenn ihr euch entschuldigen müsst, überlegt gut: Braucht es wirklich die Giganto-Entschuldigung? Oder reicht vielleicht ein kleines, ehrliches "Sorry"? Ich bin mir sicher, dass die meisten Leute die zweite Variante bevorzugen werden.
Und jetzt bin ich gespannt: Wie seht ihr das? Seid ihr eher Team "Große Entschuldigung" oder Team "Kleine Entschuldigung"? Oder habt ihr vielleicht noch ganz andere Erfahrungen mit dem Thema gemacht? Lasst es mich wissen!
Und falls ich mit diesem Artikel jemanden auf die Füße getreten habe: Tut mir leid! Aber nicht zu sehr, versteht sich. 😉