Darf Man Arbeiten Wenn Man Krankgeschrieben Ist

Krankgeschrieben sein. Ein Wort, das in Deutschland so heilig ist wie das Reinheitsgebot beim Bier. Man bekommt einen gelben Schein, einen Freifahrtschein, ein Ticket für die Couch. Aber… darf man wirklich nichts tun?
Ich wage es, die Frage zu stellen: Darf man arbeiten, wenn man krankgeschrieben ist? Ich weiß, ich weiß. Schon der Gedanke daran lässt deutsche Gemüter erhitzen. "Unmöglich!", schreien die einen. "Sozialschmarotzer!", die anderen.
Aber haltet doch mal kurz inne. Atmet tief durch. Und denkt nach. Wirklich gar nichts?
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Die Couch-Potato-Theorie
Die gängige Meinung ist: Krank = Couch. Couch = Nichtstun. Nichtstun = Gesundwerden. Klingt logisch, oder? Aber die Realität ist doch oft etwas… komplizierter.
Nehmen wir an, du hast dir den Knöchel verstaucht. Au! Schmerzhaft! Der Arzt schreibt dich krank. Verständlich. Aber was machst du den ganzen Tag? Fernsehen? Chips essen? Dein Gewissen nagt, weil du eigentlich noch ein paar E-Mails beantworten könntest. Solange du nicht auf den Knöchel trittst, versteht sich.

Oder du hast eine Erkältung. Die Nase läuft, der Kopf brummt. Aber geistig bist du fit wie ein Turnschuh. Darfst du dann wirklich nicht mal kurz deine Präsentation überarbeiten, während du im Pyjama Tee trinkst?
Ich sage: Warum nicht? Solange es deiner Genesung nicht schadet, versteht sich. Solange du dich nicht überanstrengst und alles nur noch schlimmer machst. Aber ein bisschen was tun, kann doch auch Ablenkung sein. Und Ablenkung kann heilsam sein. Denk mal drüber nach.
Der Graubereich der Gelben Karte
Natürlich gibt es Grenzen. Wenn du mit 40 Grad Fieber im Bett liegst, ist die Antwort klar: Nix arbeiten! Ausruhen! Schlafen! Das ist keine Frage. Aber es gibt eben diesen großen, weiten Graubereich dazwischen. Diese Situationen, in denen man sich fragt: Dürfte ich eigentlich…? Sollte ich eigentlich…?

Und da, liebe Freunde, beginnt das Dilemma. Die Angst, erwischt zu werden. Der Chef, der misstrauisch guckt. Die Kollegen, die tuscheln. Man fühlt sich wie ein kleiner Gauner, der etwas Verbotenes tut.
"Ich hab' gehört, der Herr Müller war trotz Krankschreibung im Büro. Skandalös!"
Ja, die deutsche Mentalität. Alles muss seine Ordnung haben. Alles muss regelkonform sein. Aber manchmal, ganz ehrlich, ist ein bisschen Flexibilität doch gar nicht so schlecht.
Unpopuläre Meinung: Arbeit kann Therapie sein
Ich weiß, ich weiß. Jetzt werde ich gesteinigt. Aber ich wage es trotzdem zu sagen: Manchmal kann ein bisschen Arbeit sogar therapeutisch sein. Wenn man sich zu Hause langweilt, grübelt, sich Sorgen macht. Ein bisschen Ablenkung durch eine kleine Aufgabe kann da Wunder wirken.
Natürlich nicht, wenn die Arbeit der Grund für deine Krankheit ist. Wenn du ein Burnout hast, solltest du definitiv nicht arbeiten. Dann brauchst du Ruhe und Erholung. Aber wenn du "nur" eine Erkältung hast und dich eigentlich ganz gut fühlst…?
Denkt doch mal an all die Selbstständigen da draußen. Die können sich oft gar nicht erlauben, krank zu sein. Die müssen irgendwie weitermachen, auch wenn's schwerfällt. Und viele von denen schaffen das auch. Weil sie es müssen. Und weil sie vielleicht auch ein bisschen Spaß an ihrer Arbeit haben.
Die goldene Regel: Hör auf deinen Körper
Am Ende des Tages gibt es nur eine Regel, die wirklich zählt: Hör auf deinen Körper. Wenn du dich schlecht fühlst, ruh dich aus. Wenn du dich gut fühlst und ein bisschen was tun möchtest, tu es. Aber übertreib es nicht.

Und vielleicht, nur vielleicht, sollten wir alle ein bisschen lockerer mit dem Thema Krankschreibung umgehen. Ein bisschen mehr Vertrauen in die Eigenverantwortung des Einzelnen. Ein bisschen weniger Schwarz-Weiß-Denken.
Denn ganz ehrlich: Wer hat noch nie im Leben, trotz gelben Scheins, eine kurze E-Mail geschrieben oder einen Anruf beantwortet? Hand aufs Herz!
Ich bin raus. Ich gehe jetzt… arbeiten. Oder auch nicht. Vielleicht liege ich auch einfach nur auf der Couch und lese ein Buch. Wer weiß das schon?
