Brot Backen Vollkornbrote Und Aufstriche Aus Der Eigenen Küche

Okay, zugegeben, am Anfang war da nur ein vages Gefühl. Irgendwie fühlte es sich so an, als würden wir alle – die ganze Familie – eine kleine Veränderung brauchen. Und diese Veränderung, so dachte ich, könnte mit... Brot anfangen.
Nicht irgendein Brot, versteht sich. Sondern Vollkornbrot. Selbstgebacken. Und weil's so schön ist, gleich noch ein paar Aufstriche dazu, auch aus der eigenen Küche. Mein Mann, normalerweise ein Verfechter der schnellen Küche (Pizza-Bestellung inklusive), blickte mich an, als hätte ich gerade verkündet, wir würden ab sofort auf dem Mond leben.
Der erste Versuch… nun ja. Sagen wir mal so: Das Brot sah aus, als hätte es einen persönlichen Konflikt mit dem Ofen ausgetragen und verloren. Es war hart. Es war dicht. Es war… inspirierend. Zumindest, um es nie wieder so zu machen. Der Hund, normalerweise ein Allesfresser, inspizierte das Ergebnis eingehend und zog sich dann beleidigt zurück.
Must Read
Aber aufgeben? Niemals! Ich recherchierte. Ich las Blogs, sah mir YouTube-Tutorials an (Oma Ernas Backgeheimnisse waren besonders hilfreich, auch wenn ich die Hälfte ihres Dialekts nicht verstand) und kaufte mir ein Buch über Sauerteig. Sauerteig! Wer hätte gedacht, dass ich mal ein Haustier haben würde, das aus Mehl und Wasser besteht und gefüttert werden muss?
Mein Sauerteig, den ich liebevoll "Siegfried" nannte, war anfangs auch etwas… speziell. Er roch mal nach Essig, mal nach Käsefüßen. Aber er lebte! Und er blubberte! Und nach ein paar Wochen (und etlichen gescheiterten Brotversuchen) wurde er tatsächlich zu einem brauchbaren Teigstarter.

Die Kinder waren von Anfang an begeistert dabei, zumindest was das Kneten anging. Der Teig landete überall: in den Haaren, an den Wänden, im Gesicht des Katers. Ich fand ihn sogar einmal in Papas Arbeitstasche. Er behauptete, er hätte keine Ahnung, wie er dorthin gekommen sei. Sehr verdächtig, finde ich.
Nach und nach wurden die Brote besser. Nicht perfekt, aber besser. Und dann, eines Tages, gelang mir das Meisterstück. Ein duftendes, knuspriges Vollkornbrot mit einer perfekten Krume. Der Hund war plötzlich wieder sehr interessiert. Selbst mein Mann, der Pizza-Fan, probierte ein Stück… und noch eins… und noch eins.

Und die Aufstriche? Die waren das i-Tüpfelchen. Ein einfacher Kräuterquark, ein würziger Tomatenaufstrich, ein süßer Honig-Nuss-Aufstrich… plötzlich waren die Möglichkeiten unendlich. Und das Beste daran: Ich wusste genau, was drin war. Keine Konservierungsstoffe, keine Geschmacksverstärker, nur pure, ehrliche Zutaten.
Es war ein Prozess. Ein chaotischer, lustiger, manchmal frustrierender Prozess. Aber am Ende stand da etwas, das mehr war als nur Brot und Aufstrich. Es war das Gefühl, etwas Eigenes geschaffen zu haben. Etwas, das die ganze Familie zusammengebracht hat. Und ganz ehrlich? Siegfried, mein Sauerteig, ist mittlerweile ein echtes Familienmitglied geworden. Er bekommt sogar einen eigenen Platz am Esstisch. Fast.
![Vollkornbrot: Rezepte und Infos - [ESSEN UND TRINKEN]](https://image.essen-und-trinken.de/11948928/t/n9/v10/w1440/r1/-/feines-dinkel-roggen-vollkornbrot-jpg--63283-.jpg)
Das Brotbacken und die selbstgemachten Aufstriche sind zu einem kleinen Ritual geworden. Ein Ritual, das uns erdet, uns Freude bereitet und uns daran erinnert, dass die einfachsten Dinge oft die schönsten sind. Und wer weiß, vielleicht eröffnen wir ja irgendwann mal eine eigene Bäckerei. Oder zumindest einen kleinen Online-Shop. Siegfried wäre sicher stolz.
Ach ja, und falls Sie sich fragen, was mit dem ersten, missglückten Brot passiert ist: Ich habe es zerkleinert und den Hühnern gegeben. Die waren begeistert. Und ich? Ich habe gelernt, dass auch Fehler ihren Wert haben können. Vor allem, wenn sie zu einem köstlichen Happy End führen.
