Actio Libera In Causa Schema
Stell dir vor, du sitzt gemütlich in deinem Lieblingscafé, schlürfst genüsslich an deinem Latte Macchiato und beobachtest die vorbeiziehenden Leute. Plötzlich, aus heiterem Himmel, stolpert jemand, stösst gegen einen Tisch und eine Lawine von Kaffeetassen ergießt sich über einen unschuldigen Passanten. Ein Unglück, klar, aber was, wenn der Stolperer absichtlich getrunken hat, um genau dieses Chaos zu verursachen? Hier kommt die Actio Libera In Causa ins Spiel – ein Konzept, das so kompliziert klingt, aber im Kern ganz einfach ist.
Der Fall des bewusstlosen Bäckers
Es gibt da nämlich so einen Fall, den Juristen gerne erzählen. Stell dir vor, ein Bäcker, nennen wir ihn Bernd, hat einen besonders stressigen Tag hinter sich. Um runterzukommen, kippt er einen über den Durst. Nicht einfach nur ein Feierabendbier, nein, Bernd zielt auf den Zustand der völligen Bewusstlosigkeit. Warum? Weil Bernd weiss, dass er im Vollrausch zum Schlafwandler mutiert und dann immer… naja, Dinge anstellt. Dieses Mal wacht er am nächsten Morgen neben einem zerbrochenen Schaufenster und einer verschwundenen Ladung Croissants auf. War Bernd schuldfähig?
Hier kommt das lateinische Zauberwort ins Spiel: Actio Libera In Causa (ALIC). Es bedeutet sinngemäss so viel wie "die in ihrer Ursache freie Handlung". Das bedeutet, dass Bernd zwar im Moment der Tat (dem Zerstören des Schaufensters) nicht schuldfähig war (wegen seiner Bewusstlosigkeit), aber zum Zeitpunkt des Betrinkens wusste, was passieren könnte. Er hat sich also quasi selbst in eine Situation manövriert, in der er unkontrolliert Schaden anrichten konnte. Und genau das macht ihn haftbar!
Must Read
Ein bisschen wie ein Dominoeffekt
Man könnte die ALIC auch mit einem Dominoeffekt vergleichen. Bernd stösst den ersten Dominostein (trinkt exzessiv) und weiss, dass dieser Dominoeffekt (Schlafwandeln und Zerstörung) unausweichlich ist. Er hat die Kausalkette also selbst in Gang gesetzt. Das ist der springende Punkt. Es geht darum, dass die Ursache des Problems in einem Moment lag, in dem Bernd noch Kontrolle über sich selbst hatte.

Aber Achtung! Es ist nicht immer so einfach. Stellen wir uns vor, Bernd hätte eine geheime Schwäche für Croissants gehabt und wollte sich im Rausch einfach nur welche klauen. Das wäre Diebstahl. Oder sagen wir, er hätte einen Nachbarn, den er hasst, und er trinkt, damit er den Nachbarn im Rausch verprügeln kann. Das wäre Körperverletzung. Die Actio Libera In Causa wird also in solchen Fällen angewendet, in denen die eigentliche Straftat im Rausch begangen wird, aber die Absicht oder zumindest die billigende Inkaufnahme der Tat bereits vor dem Rausch bestand.
Nicht nur was für Juristen
Das Prinzip der Actio Libera In Causa ist übrigens nicht nur für Juristen interessant. Es lehrt uns etwas Wichtiges über Verantwortung und die Konsequenzen unseres Handelns. Wir sind nicht nur für das verantwortlich, was wir direkt tun, sondern auch für das, was wir indirekt verursachen, wenn wir uns bewusst in eine Situation begeben, in der Schaden entstehen kann. Es erinnert uns daran, dass unsere Freiheit eben auch Verantwortung mit sich bringt.

Denk also das nächste Mal, wenn du im Café sitzt und deinen Latte geniesst, auch an Bernd, den Bäcker, und an die Actio Libera In Causa. Vielleicht bestellst du dir dann doch lieber einen Espresso. Wer weiss, was sonst passiert.
Und wer weiss, vielleicht hat Bernd ja insgeheim gehofft, dass der Vorfall mit den Croissants ihn berühmt macht. Im juristischen Sinne ist das aber irrelevant. Verantwortung bleibt Verantwortung.
Am Ende des Tages ist die Actio Libera In Causa also mehr als nur ein juristisches Konstrukt. Sie ist ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und unserer Vorstellung von Gerechtigkeit. Und manchmal, ganz ehrlich, ist sie auch einfach nur ziemlich amüsant.
