Kennen Sie das Gefühl, wenn plötzlich alles verschwimmt, die Hände zittern und eine unbändige Müdigkeit Sie überkommt? Vielleicht gepaart mit Heißhungerattacken und dem Gefühl, kurz vor dem Blackout zu stehen? Das könnte eine Unterzuckerung sein, auch Hypoglykämie genannt. Aber ab wann genau spricht man von Unterzucker und was passiert dabei im Körper?
Die Frage nach dem "Ab wann" ist gar nicht so einfach zu beantworten. Es ist nämlich sehr individuell. Zunächst einmal, was bedeutet überhaupt "Unterzucker"? Im Grunde beschreibt der Begriff einen Zustand, in dem der Blutzuckerspiegel im Blut zu niedrig ist. Zucker (Glukose) ist der Hauptbrennstoff für unseren Körper, besonders für das Gehirn. Fehlt dieser Brennstoff, kommt es zu den genannten Symptomen.
Die magische Zahl: Blutzuckerspiegel und der Grenzwert
Die medizinische Definition von Unterzuckerung legt einen Blutzuckerspiegel von unter 70 mg/dL (Milligramm pro Deziliter) als Grenzwert fest. Das ist sozusagen die kritische Marke. Fällt der Blutzuckerspiegel unter diesen Wert, spricht man im Allgemeinen von einer Hypoglykämie.
Allerdings ist es wichtig zu betonen: Nicht jeder Mensch reagiert gleich auf einen niedrigen Blutzuckerspiegel. Manche Menschen mit Diabetes, die chronisch höhere Blutzuckerwerte haben, können bereits bei einem Wert von 80 mg/dL Symptome entwickeln, während andere erst bei deutlich niedrigeren Werten Beschwerden verspüren. Es ist also eine sehr individuelle Angelegenheit.
Ursachen der Unterzuckerung: Mehr als nur Diabetes
Obwohl Unterzuckerung oft im Zusammenhang mit Diabetes mellitus genannt wird, ist sie nicht ausschließlich ein Problem von Diabetikern. Auch Menschen ohne Diabetes können eine Unterzuckerung erleiden. Die Ursachen können vielfältig sein:
Ab wann Unterzuckerung? Tipps zur Vorbeugung und richtigen Reaktion
Überdosierung von Insulin oder blutzuckersenkenden Medikamenten: Das ist die häufigste Ursache bei Diabetikern.
Ausgelassene oder verspätete Mahlzeiten: Wenn der Körper längere Zeit keine Kohlenhydrate bekommt, kann der Blutzuckerspiegel sinken.
Übermäßige körperliche Anstrengung: Beim Sport verbraucht der Körper viel Glukose, was zu einer Unterzuckerung führen kann, besonders bei unzureichender Kohlenhydratzufuhr.
Alkohol: Alkohol hemmt die Glukosefreisetzung aus der Leber und kann so zu einer Unterzuckerung führen, besonders wenn gleichzeitig wenig gegessen wird.
Bestimmte Erkrankungen: Seltenere Ursachen sind Lebererkrankungen, Nierenerkrankungen, bestimmte Tumore oder Hormonstörungen.
Kurz gesagt: Eine Unterzuckerung kann viele Gesichter haben und unterschiedliche Auslöser.
Symptome: Ein Warnsignal des Körpers
Die Symptome einer Unterzuckerung sind vielfältig und können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Typische Anzeichen sind:
Zittern
Schwitzen
Herzrasen
Heißhunger
Blässe
Schwindel
Konzentrationsschwierigkeiten
Kopfschmerzen
Sehstörungen
Verwirrtheit
Im Extremfall: Bewusstlosigkeit
Es ist wichtig, die eigenen Symptome zu kennen und frühzeitig zu reagieren. Gerade bei Diabetikern ist es entscheidend, regelmäßig den Blutzucker zu messen und bei Bedarf schnell zu handeln.
Erste Hilfe bei Unterzuckerung | praktischArzt
Was tun bei Unterzuckerung? Die 15-15-Regel
Wenn Sie Symptome einer Unterzuckerung verspüren, sollten Sie sofort handeln. Die sogenannte 15-15-Regel ist ein guter Leitfaden:
1. Nehmen Sie 15 Gramm schnell wirksame Kohlenhydrate zu sich. Das können zum Beispiel ein Glas Saft, Traubenzucker oder eine zuckerhaltige Limonade sein.
Dr.med. Jutta Karl - Fachärztin für Allgemeinmedizin - Unterzuckerung
2. Warten Sie 15 Minuten und messen Sie dann Ihren Blutzucker erneut.
3. Wenn der Blutzucker immer noch unter 70 mg/dL liegt, wiederholen Sie die Schritte 1 und 2.
Sobald sich der Blutzuckerspiegel stabilisiert hat, sollten Sie eine Mahlzeit mit langkettigen Kohlenhydraten (z.B. Brot, Obst) zu sich nehmen, um einen erneuten Abfall zu verhindern. Informieren Sie bei häufigen oder schweren Unterzuckerungen unbedingt Ihren Arzt!
Was ist chronischer Unterzucker? - Unterzucker ohne Diabetes
Wann zum Arzt?
Eine gelegentliche leichte Unterzuckerung ist in der Regel nicht besorgniserregend. Wenn Sie jedoch häufiger unter Unterzuckerungen leiden, oder die Symptome schwerwiegend sind, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dies gilt besonders dann, wenn:
Sie Diabetiker sind und Ihre Blutzuckereinstellung nicht optimal ist.
Sie unter wiederholten Unterzuckerungen leiden, ohne dass eine offensichtliche Ursache erkennbar ist.
Sie bewusstlos geworden sind.
Der Arzt kann die Ursache der Unterzuckerungen abklären und gegebenenfalls eine entsprechende Behandlung einleiten.
Fazit: Achten Sie auf Ihren Körper!
Die Frage "Ab wann hat man Unterzucker?" ist also nicht pauschal zu beantworten. Entscheidend ist, dass Sie Ihre eigenen Symptome kennen und frühzeitig reagieren. Ob es nun die 70 mg/dL Marke ist oder ein Wert, der für Sie persönlich kritisch ist – achten Sie auf die Warnsignale Ihres Körpers und suchen Sie im Zweifelsfall ärztlichen Rat. Ihre Gesundheit ist es wert!