3 Tage Nichts Essen Nur Trinken

Es fing an wie jede andere fixe Idee. „Drei Tage nichts essen, nur trinken? Klingt doch...interessant," sagte ich zu meiner Freundin Anna, während wir bei unserem wöchentlichen Brunch saßen. Sie guckte mich an, als hätte ich gerade vorgeschlagen, zum Mond zu fliegen. Aber dann, ein Glitzern in ihren Augen, sagte sie: "Ich bin dabei!"
Der erste Tag war, gelinde gesagt, eine Herausforderung. Ich verbrachte den Morgen damit, sehnsüchtig auf den Kühlschrank zu starren, als wäre er ein verbotener Schatz. Jedes Knurren meines Magens schien lauter zu werden, fast schon beleidigend laut. Anna schickte mir ein Foto von sich, wie sie genüsslich eine Gurke verspeiste, mit der Bildunterschrift: "Denk an die positiven Effekte! Denk an...nun ja, denk an irgendwas Positives!"
Kaffee wurde mein bester Freund. Und Tee. Und gefiltertes Wasser, das plötzlich die spannendste Flüssigkeit der Welt war. Ich entdeckte auch eine neue Liebe für selbstgemachte Brühe, die ich normalerweise verschmähen würde. Der Geschmack war...irgendwie leer, aber tröstlich leer. Ich fühlte mich ein bisschen wie eine Pflanze, die dringend gegossen werden musste.
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Tag zwei: Die Achterbahn der Gefühle
Tag zwei war komisch. Ich fühlte mich seltsam leicht, fast schon schwebend. Und unglaublich reizbar. Mein Mitbewohner, Markus, wagte es, eine Tüte Chips zu öffnen. Das Geräusch! Es war Folter! Ich starrte ihn so intensiv an, dass er beschloss, seine Chips heimlich auf dem Balkon zu essen. Danke, Markus, du bist ein wahrer Freund.
Später am Tag überkam mich eine Welle der Nostalgie. Ich blätterte durch alte Kochbücher und erinnerte mich an all die wunderbaren Mahlzeiten, die ich jemals gegessen hatte. Die Fotos von Omas Apfelstrudel brachten mich fast zum Weinen. Ich schwöre, ich konnte den Zimt riechen.

Am Abend saß ich mit Anna auf dem Sofa und wir redeten stundenlang. Über alles und nichts. Es war, als ob das Fehlen von Essen unsere Sinne geschärft hätte. Wir waren aufmerksamer, empathischer. Oder vielleicht waren wir einfach nur hungrig.
Tag drei: Die Erleuchtung (oder so ähnlich)
Am dritten Tag fühlte ich mich überraschend gut. Ich hatte mehr Energie als erwartet. Ich ging spazieren, las ein Buch und räumte sogar mein Zimmer auf (was normalerweise eine Aufgabe ist, die ich vermeide wie der Teufel das Weihwasser). Anna berichtete ähnliches. Sie hatte sogar eine Yoga-Session gemacht und war danach nicht ohnmächtig geworden!

Natürlich gab es auch Momente der Schwäche. Einmal stand ich vor der Bäckerei und überlegte ernsthaft, einfach eine Brezel zu stehlen und wegzurennen. Aber ich widerstand. Stolz durchfuhr mich. Ein Stolz, den ich normalerweise nur beim Überwinden von technischen Problemen mit Computern empfinde. Oder vielleicht war es einfach nur der Zuckermangel.
Der schönste Moment kam am Abend. Anna und ich trafen uns in einem kleinen Café. Wir bestellten...Brühe. Ja, Brühe. Es war die leckerste Brühe, die ich je in meinem Leben getrunken hatte. Jede wässrige, würzige Schicht war ein Fest für meine Geschmacksknospen. Es war, als hätte ich das Essen ganz neu entdeckt.

Danach aßen wir einen winzigen Salat. Ein winziger, glorreicher Salat. Und dann...nichts mehr. Wir beschlossen, dass es genug war. Wir hatten es geschafft. Drei Tage, nur Trinken. Wir waren stolz, erschöpft und hungrig nach mehr...Salat. Nicht sofort, aber irgendwann.
Fazit: Würde ich es wieder tun? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Aber es war definitiv eine Erfahrung. Eine Erfahrung, die mir gezeigt hat, wie sehr ich Essen liebe. Und wie dankbar ich für jeden einzelnen Bissen sein sollte. Und wie sehr man einen Freund wie Anna braucht, um solche verrückten Ideen durchzuziehen. Danke, Anna! Und danke, lieber Kühlschrank, dass du so tapfer durchgehalten hast.
