William Golding's Lord Of The Flies

Okay, stellt euch vor: Ihr seid auf einer einsamen Insel gestrandet. Keine Handys, kein Internet, nur ihr, eure Freunde (oder eben Leute, die ihr gerade erst kennengelernt habt) und jede Menge Palmen. Klingt erstmal nach 'nem mega Abenteuer, oder? So 'ne Art Survival-Trip mit 'nem Hauch von 'Sommerhaus der Stars'. Aber was, wenn die Zivilisation, die ihr kennt, langsam aber sicher verblasst? Was, wenn die Regeln, die ihr gelernt habt, plötzlich nicht mehr gelten?
Genau das ist der Kern von Lord of the Flies (Herr der Fliegen) von William Golding. Ein Buch, das mich schon als Teenager total geflasht hat. Und ehrlich gesagt, auch heute noch beschäftigt.
Golding wirft uns mitten hinein in das Chaos einer Gruppe britischer Schuljungen, die während eines Krieges auf einer unbewohnten Insel abstürzen. Keine Erwachsenen, keine Autorität – nur sie selbst. Anfangs ist alles noch easy. Sie wählen einen Anführer, Ralph, der versucht, so etwas wie eine Zivilisation aufzubauen: Feuer machen, Hütten bauen, auf Rettung warten. Vernünftig, oder?
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Aber (und hier kommt der Knackpunkt) da ist auch Jack. Jack will jagen, Spaß haben und Regeln brechen. Er appelliert an die instinktiven Bedürfnisse der Jungen, an ihre Angst und an ihre Aggression. Und ratet mal, was passiert? Die Gruppe spaltet sich. Ralph, der Vernünftige, verliert immer mehr an Einfluss. Jack, der Wilde, gewinnt die Oberhand.
Und das ist es, was das Buch so beunruhigend macht. Es zeigt, wie dünn der Firnis der Zivilisation wirklich ist. Wie schnell wir in primitive Verhaltensmuster zurückfallen können, wenn die äußeren Zwänge wegfallen. Oder, wie es Golding selbst ausdrückte: "Der Mensch produziert das Böse, wie die Biene Honig produziert." Krass, oder?

Vergesst nicht: Das Buch wurde kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geschrieben. Golding hatte also selbst die Schrecken des Krieges erlebt und war zutiefst pessimistisch, was die menschliche Natur angeht. Lord of the Flies ist keine fröhliche Strandlektüre. Es ist eine düstere Allegorie auf die Abgründe der menschlichen Seele.
Die Insel selbst wird zu einem Spiegel der inneren Zustände der Jungen. Anfangs ist sie ein Paradies, unberührt und voller Möglichkeiten. Aber je mehr die Jungen sich in ihre eigenen Triebe verstricken, desto bedrohlicher und düsterer wird die Insel.

Und was ist mit dem titelgebenden "Herr der Fliegen"? Das ist eine Anspielung auf Beelzebub, einen der Namen des Teufels. Im Buch ist der "Herr der Fliegen" ein Schweinekopf, der auf einem Stock aufgespießt ist und von Fliegen umschwirrt wird. Er symbolisiert das Böse, das in jedem von uns schlummert.
Piggy, der übergewichtige, kurzsichtige Junge mit dem Verstand, ist im Grunde die Stimme der Vernunft und Wissenschaft. Aber er wird von den anderen Jungen verspottet und letztendlich brutal ermordet. Seine Brille, die zum Entzünden des Feuers benötigt wird, wird gestohlen. Das symbolisiert den Verlust der Fähigkeit, klar zu denken und die Realität zu erkennen. Denkt mal darüber nach!

Okay, ich will jetzt nicht zu viel spoilern, falls jemand das Buch noch lesen will (was ihr unbedingt tun solltet!). Aber lasst mich sagen, dass das Ende ziemlich niederschmetternd ist. Die Jungen werden zwar gerettet, aber sie haben ihre Unschuld verloren. Sie haben erfahren, wozu sie fähig sind, wenn sie sich ihren Instinkten hingeben. Und das ist eine Erkenntnis, die sie für immer begleiten wird.
Lord of the Flies ist kein Buch, das man einfach so wegliest. Es regt zum Nachdenken an. Es wirft unbequeme Fragen auf. Es zwingt uns, uns mit unserer eigenen dunklen Seite auseinanderzusetzen. Und vielleicht ist das ja genau das, was gute Literatur ausmacht, oder?
Also, was meint ihr? Sind wir im Grunde alle kleine "Herren der Fliegen"? Oder gibt es Hoffnung, dass wir uns über unsere animalischen Triebe erheben können? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!
