Wie Viel Prozent Des Gehirns Nutzt Der Mensch

Habt ihr das auch schon mal gehört? Dass wir Menschen nur 10 Prozent unseres Gehirns nutzen? Eine verlockende Vorstellung, nicht wahr? Man malt sich aus, was man alles könnte, wenn man die restlichen 90 Prozent aktivieren würde: Telekinese, Gedankenkontrolle, einparken ohne Kratzer... Die Liste wäre endlos!
Aber lasst mich euch etwas verraten: Das mit den 10 Prozent ist ein Mythos. Eine urbane Legende. Ein Hirngespinst, wenn man so will. Und zwar ein ziemlich hartnäckiges Hirngespinst, das sich seit über hundert Jahren hält!
Die Geschichte taucht immer wieder auf, gerne mal in Filmen. Denkt an Filme wie Limitless, wo eine Pille ungeahnte intellektuelle Fähigkeiten freisetzt. Oder auch an Lucy, wo Scarlett Johansson nach der Aufnahme einer Droge zur Superheldin mutiert, weil sie angeblich ihr ganzes Gehirn nutzt. Klar, ist ja auch viel spannender, als sich einfach hinzusetzen und zu lernen, oder?
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Tatsächlich ist es so, dass unser Gehirn, dieses unglaublich komplexe Organ, ständig und in vollem Umfang aktiv ist. Es arbeitet Tag und Nacht, selbst wenn wir schlafen. Es steuert unsere Atmung, unseren Herzschlag, unsere Bewegungen, unsere Gedanken, unsere Gefühle. Es verarbeitet Sinnesreize, speichert Erinnerungen und plant unsere Zukunft. Klingt nach einem Vollzeitjob, oder?
Wie also kommt diese 10-Prozent-Geschichte überhaupt zustande? Nun, da gibt es verschiedene Theorien. Eine besagt, dass der Mythos auf den amerikanischen Psychologen William James zurückgeht, der im frühen 20. Jahrhundert schrieb, dass die meisten Menschen ihr volles geistiges Potenzial nicht ausschöpfen. Das wurde dann wohl irgendwann vereinfacht und verdreht.

Eine andere Theorie besagt, dass die Aussage von neurologischen Forschungen abgeleitet wurde, die zeigten, dass nur ein kleiner Teil des Gehirns zu einem bestimmten Zeitpunkt aktiv ist. Das bedeutet aber nicht, dass die restlichen Bereiche ungenutzt sind, sondern nur, dass sie gerade nicht für diese spezielle Aufgabe benötigt werden. Das Gehirn ist wie ein Orchester: Nicht alle Instrumente spielen gleichzeitig, aber alle sind wichtig für die gesamte Symphonie.
Stellt euch vor, ihr liegt auf der Couch und schaut fern. Euer Gehirn scheint nicht viel zu tun zu haben, oder? Falsch! Es verarbeitet das Bild, den Ton, eure Emotionen. Es erinnert euch vielleicht an ähnliche Filme, die ihr gesehen habt, oder an die To-Do-Liste, die ihr eigentlich abarbeiten solltet. Selbst wenn ihr euch "nur" entspannt, ist euer Gehirn fleißig am Werk.
Moderne bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) zeigen uns deutlich, dass unterschiedliche Bereiche des Gehirns bei unterschiedlichen Aufgaben aktiv sind. Es gibt keine ungenutzten "toten Zonen". Wäre das der Fall, würden wir das sofort bemerken, zum Beispiel durch Lähmungen, Sprachstörungen oder Gedächtnisverlust.

Denkt mal darüber nach: Die Evolution hätte uns doch nicht mit einem riesigen, energieverschwendenden Organ ausgestattet, von dem wir nur einen Bruchteil nutzen würden. Das wäre ja so, als würde man ein Formel-1-Auto kaufen und es dann nur im ersten Gang fahren. Völliger Quatsch!
Was bedeutet das für uns?
Die gute Nachricht ist: Wir nutzen unser ganzes Gehirn! Die noch bessere Nachricht: Wir können unser Gehirn trainieren und weiterentwickeln. Durch Lernen, neue Erfahrungen, kreative Tätigkeiten und sogar durch einfache Dinge wie Lesen und Gespräche führen.

Also, lasst euch nicht von der 10-Prozent-Geschichte entmutigen. Ihr seid schon großartig, so wie ihr seid! Und wer weiß, vielleicht entdecken wir ja eines Tages noch ganz neue, überraschende Fähigkeiten unseres Gehirns. Aber dafür müssen wir es eben nutzen – und zwar zu 100 Prozent.
"Das Gehirn ist ein Muskel, den man trainieren kann." - Ein weiser Mensch (vielleicht sogar ihr selbst!)
Vergesst also die Hollywood-Fantasien und konzentriert euch auf das, was wirklich zählt: Neugier, Kreativität und die Freude am Lernen. Denn das ist es, was unser Gehirn wirklich zum Strahlen bringt.
