Wie Kann Man Borreliose Testen

Die Lyme-Borreliose ist eine durch Bakterien (Borrelia burgdorferi) verursachte Infektionskrankheit, die durch Zeckenbisse übertragen wird. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung sind entscheidend, um chronische Komplikationen zu vermeiden. Doch wie kann man Borreliose testen und was ist bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten? Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Testmethoden und ihre Vor- und Nachteile.
Die Herausforderung der Borreliose-Diagnostik
Die Diagnose von Borreliose kann komplex sein, da die Symptome vielfältig und unspezifisch sind. Sie können von grippeähnlichen Beschwerden und einer Wanderröte (Erythema migrans) bis hin zu neurologischen oder rheumatischen Symptomen reichen. Nicht jeder Patient entwickelt eine Wanderröte, was die Diagnose zusätzlich erschwert. Daher spielen Labortests eine wichtige Rolle.
Die Standard-Testverfahren: ELISA und Western Blot
Die am häufigsten verwendeten Tests zur Diagnose von Borreliose sind der ELISA (Enzyme-Linked Immunosorbent Assay) und der Western Blot (auch Immunoblot genannt). Diese Tests weisen Antikörper gegen Borrelien im Blut nach. Das bedeutet, sie zeigen, ob das Immunsystem des Körpers auf die Bakterien reagiert hat.
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ELISA: Der Suchtest
Der ELISA ist ein Suchtest, der als erster Schritt zur Diagnose durchgeführt wird. Er ist relativ schnell und kostengünstig. Ein positiver oder grenzwertiger ELISA muss jedoch durch einen Western Blot bestätigt werden. Ein negativer ELISA schliesst eine Borreliose in den meisten Fällen aus, besonders wenn keine typische Wanderröte vorliegt und die Symptome unspezifisch sind. Es gibt jedoch Ausnahmen, z.B. in der sehr frühen Phase der Infektion, bevor der Körper ausreichend Antikörper gebildet hat, oder bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem.
Western Blot: Der Bestätigungstest
Der Western Blot ist ein Bestätigungstest, der spezifischere Antikörper gegen verschiedene Borrelien-Proteine nachweist. Er ist aufwendiger und teurer als der ELISA, liefert aber genauere Ergebnisse. Ein positiver Western Blot bestätigt die Diagnose Borreliose. Die Interpretation des Western Blot kann jedoch schwierig sein, da nicht alle Banden (Proteine) eindeutig für Borrelien spezifisch sind. Deshalb ist die Erfahrung des Labors und des behandelnden Arztes bei der Interpretation entscheidend.

Spezielle Testverfahren und ihre Bedeutung
Neben ELISA und Western Blot gibt es noch weitere Testmethoden, die in bestimmten Fällen eingesetzt werden können. Diese Tests sind jedoch oft umstritten und ihre Aussagekraft wird nicht von allen Experten gleich bewertet.
LTT (Lymphozytentransformationstest)
Der LTT misst die Aktivität von T-Lymphozyten (einer Art von Immunzellen) nach Kontakt mit Borrelien-Antigenen. Ein positiver LTT kann auf eine aktive Borrelien-Infektion hindeuten. Er wird manchmal eingesetzt, um eine persistierende Infektion trotz negativer oder unklarer Antikörper-Tests nachzuweisen. Die Standardisierung und Interpretation des LTT sind jedoch schwierig.

PCR (Polymerase-Kettenreaktion)
Die PCR weist die DNA der Borrelien direkt im Blut oder in anderen Körperflüssigkeiten (z.B. Gelenkflüssigkeit) nach. Sie ist sehr spezifisch, aber weniger sensitiv als die Antikörper-Tests. Das bedeutet, dass die PCR nur dann positiv ist, wenn eine ausreichend hohe Anzahl von Borrelien vorhanden ist. Sie kann nützlich sein, um eine Borreliose in den frühen Stadien der Infektion oder bei spezifischen Lokalisationen (z.B. Gelenk) nachzuweisen.
CD57-Zellzahl
Die Messung der CD57-Zellzahl (eine Untergruppe der natürlichen Killerzellen) im Blut wird manchmal als zusätzlicher Test bei Borreliose eingesetzt. Ein niedriger CD57-Wert kann mit einer chronischen Borreliose in Verbindung gebracht werden. Die Aussagekraft dieses Tests ist jedoch umstritten und er sollte nicht als alleiniger Diagnosekriterium verwendet werden.

Wichtige Überlegungen zur Testinterpretation
Die Interpretation von Borreliose-Tests sollte immer im Zusammenhang mit den klinischen Symptomen und der Krankengeschichte des Patienten erfolgen. Ein positives Testergebnis bedeutet nicht zwangsläufig, dass eine aktive Borreliose vorliegt. Es kann auch eine frühere Infektion anzeigen, die bereits ausgeheilt ist. Umgekehrt schliesst ein negatives Testergebnis eine Borreliose nicht immer aus, insbesondere in den frühen Stadien der Infektion oder bei immungeschwächten Patienten.
Es ist wichtig, sich von einem erfahrenen Arzt beraten zu lassen, der die Testergebnisse richtig interpretieren und eine angemessene Behandlung einleiten kann. Die Selbstmedikation aufgrund von Testergebnissen ist nicht ratsam.
Fazit
Die Diagnose von Borreliose ist eine Herausforderung, die eine sorgfältige Anamnese, eine gründliche klinische Untersuchung und eine sinnvolle Anwendung von Labortests erfordert. ELISA und Western Blot sind die Standardverfahren, die durch spezielle Tests ergänzt werden können. Die Interpretation der Testergebnisse sollte immer im Kontext des klinischen Bildes erfolgen. Bei Verdacht auf Borreliose ist es wichtig, sich an einen erfahrenen Arzt zu wenden, um eine adäquate Diagnose und Behandlung zu erhalten.
