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Wenn Psychisch Kranke Sich Nicht Helfen Lassen Wollen


Wenn Psychisch Kranke Sich Nicht Helfen Lassen Wollen

Es ist eine herzzerreißende Situation: Ein geliebter Mensch leidet unter einer psychischen Erkrankung, verweigert aber jegliche Hilfe. Diese Situation ist nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern auch für das gesamte Umfeld äußerst belastend. Dieser Artikel richtet sich an Angehörige, Freunde und Partner von Menschen mit psychischen Problemen, die sich der Behandlung widersetzen. Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Gründe zu vermitteln, Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen und Wege der Unterstützung zu beleuchten, ohne dabei die Grenzen der eigenen Belastbarkeit zu übersehen.

Stellen Sie sich vor: Ihr Bruder, der einst ein lebensfroher und aktiver Mensch war, zieht sich immer weiter zurück. Er spricht kaum noch, verlässt das Haus nicht und reagiert gereizt auf jede Frage nach seinem Befinden. Sie vermuten eine Depression, doch er blockt jeden Vorschlag einer Therapie ab. Was tun?

Warum verweigern psychisch Kranke Hilfe?

Es gibt vielfältige Gründe, warum Menschen mit psychischen Erkrankungen professionelle Hilfe ablehnen. Diese Gründe sind oft komplex und tief verwurzelt:

  • Angst und Stigmatisierung: Viele Betroffene haben Angst vor der Stigmatisierung, die mit psychischen Erkrankungen einhergeht. Sie fürchten, als "verrückt" abgestempelt zu werden, ihren Job zu verlieren oder von Freunden und Familie ausgegrenzt zu werden.
  • Mangelndes Krankheitsbewusstsein: Ein fehlendes Krankheitsbewusstsein, die sogenannte Anosognosie, ist besonders bei Erkrankungen wie Schizophrenie oder bipolaren Störungen verbreitet. Betroffene erkennen ihre Erkrankung nicht oder schreiben ihre Symptome anderen Ursachen zu.
  • Angst vor Nebenwirkungen von Medikamenten: Die Angst vor möglichen Nebenwirkungen von Psychopharmaka ist weit verbreitet und oft ein Grund, die Behandlung zu verweigern.
  • Misstrauen gegenüber Ärzten und Therapeuten: Negative Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem oder ein generelles Misstrauen können dazu führen, dass professionelle Hilfe abgelehnt wird.
  • Gefühl der Kontrollverlust: Sich in Behandlung zu begeben, kann für manche Menschen bedeuten, die Kontrolle über ihr Leben abzugeben.
  • Scham und Schuldgefühle: Manche Betroffene schämen sich für ihre Erkrankung oder empfinden Schuldgefühle, weil sie ihren eigenen Ansprüchen oder den Erwartungen anderer nicht gerecht werden können.

Was können Angehörige tun?

Obwohl es schwierig ist, jemanden zur Therapie zu zwingen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie Angehörige unterstützend wirken können:

Wenn Helfende sich nicht helfen lassen
Wenn Helfende sich nicht helfen lassen
  • Offene und wertschätzende Kommunikation: Suchen Sie das Gespräch in einer ruhigen und entspannten Atmosphäre. Hören Sie aufmerksam zu, zeigen Sie Verständnis und vermeiden Sie Vorwürfe oder Schuldzuweisungen. Sprechen Sie Ihre Sorgen in Ich-Botschaften aus, z.B.: "Ich mache mir Sorgen um dich, weil..."
  • Informationen bereitstellen: Bieten Sie Informationen über psychische Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten an. Achten Sie darauf, dass die Informationen verständlich und fundiert sind.
  • Unterstützung bei der Suche nach professioneller Hilfe: Bieten Sie Ihre Hilfe bei der Suche nach einem geeigneten Therapeuten oder Arzt an. Begleiten Sie den Betroffenen gegebenenfalls zum ersten Termin.
  • Vorbild sein: Gehen Sie selbst offen mit psychischen Problemen um oder suchen Sie sich selbst professionelle Hilfe, wenn Sie belastet sind.
  • Sich selbst nicht vergessen: Die Betreuung eines psychisch kranken Menschen ist oft sehr kräftezehrend. Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und holen Sie sich Unterstützung, z.B. in einer Selbsthilfegruppe oder bei einer Beratungsstelle. Es ist wichtig, die eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren.
  • Notfallplan erstellen: Klären Sie, was in Krisensituationen zu tun ist und wer kontaktiert werden kann.

Gesetzliche Möglichkeiten und Grenzen

In Deutschland ist eine Zwangseinweisung in eine psychiatrische Klinik nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Diese sind im Psychisch-Kranken-Gesetz (PsychKG) der jeweiligen Bundesländer geregelt. Eine Zwangseinweisung ist in der Regel nur dann zulässig, wenn eine akute Eigen- oder Fremdgefährdung vorliegt. Das bedeutet, dass die betroffene Person sich selbst oder andere gefährdet. Eine reine Verweigerung der Behandlung reicht in der Regel nicht aus.

Es ist ratsam, sich in solchen Fällen von einem Fachanwalt für Medizinrecht oder einer Beratungsstelle für psychisch Kranke beraten zu lassen.

Stellungnahme: CDU-Generalsekretär Linnemann fordert Register für
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Wo finden Angehörige Hilfe?

Es gibt zahlreiche Anlaufstellen, die Angehörige von psychisch kranken Menschen unterstützen:

  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein, um sich nicht allein gelassen zu fühlen und Erfahrungen auszutauschen.
  • Beratungsstellen: Beratungsstellen bieten professionelle Unterstützung und Informationen zu psychischen Erkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten.
  • Psychiatrische Kliniken und Tageskliniken: Viele Kliniken bieten auch Angehörigenberatung an.
  • Ärzte und Therapeuten: Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt oder einem Therapeuten über Ihre Sorgen und lassen Sie sich beraten.
  • Krisendienste: In akuten Krisensituationen stehen Krisendienste rund um die Uhr zur Verfügung.

Fazit

Es ist eine enorme Herausforderung, mit einer psychischen Erkrankung eines geliebten Menschen umzugehen, besonders wenn dieser Hilfe ablehnt. Es ist wichtig, sich daran zu erinnern, dass es sich um eine Krankheit handelt und nicht um bösen Willen. Geduld, Empathie und das Wissen um die eigenen Grenzen sind entscheidend. Die Unterstützung von Angehörigen ist ein wichtiger Baustein für die Genesung, aber sie ersetzt keine professionelle Behandlung. Bleiben Sie dran, geben Sie nicht auf und suchen Sie sich selbst Unterstützung, um diese schwierige Zeit zu bewältigen. Indem Sie sich informieren, offen kommunizieren und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, können Sie einen wertvollen Beitrag leisten, um Ihrem Angehörigen den Weg zur Genesung zu ebnen. Denken Sie daran: Sie sind nicht allein!

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