Was Ist Ein Ich Erzähler

Okay, mal ehrlich. Der Ich-Erzähler… Er ist schon speziell, oder?
Wir alle kennen ihn. Er ist der Typ, der dir die ganze Geschichte aus seiner Sicht erzählt. Immer. Und nur aus seiner Sicht. Als ob seine Meinung die einzig wahre wäre!
Der Allwissende – Nun Ja, Fast
Klar, ein allwissender Erzähler, der weiß alles. Was alle denken, fühlen, sogar was sie zum Frühstück hatten (Rührei, natürlich). Aber der Ich-Erzähler? Er ist so auf sich selbst fokussiert, dass er wahrscheinlich nicht mal merkt, wenn du ihm gerade deine Lebensgeschichte erzählst. Er wartet nur auf eine Gelegenheit, um seine Story weiterzuspinnen.
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Ich meine, ist das nicht irgendwie… anstrengend?
Und dann diese ewigen inneren Monologe! "Was soll ich tun? Was soll ich sagen? Oh mein Gott, er/sie hat mich angelächelt! Heißt das was?" Ugh. Können wir bitte einfach zur Handlung kommen?
Ich weiß, ich weiß. Viele sagen, der Ich-Erzähler macht die Geschichte authentischer. Man ist näher an der Figur dran. Man fühlt mit ihr. Bla bla bla.

Unpopuläre Meinung: Manchmal will ich einfach nur wissen, was wirklich los ist! Ohne die gefärbte Brille von jemandem, der wahrscheinlich sowieso zu dramatischen Übertreibungen neigt.
Die Sache mit der Glaubwürdigkeit
Und dann ist da noch die Glaubwürdigkeit. Kann man dem Ich-Erzähler überhaupt trauen? Er könnte uns ja die ganze Zeit anlügen! Oder zumindest die Wahrheit ein bisschen zurechtbiegen, damit er besser dasteht.
Stellt euch vor, Patrick Bateman aus American Psycho wäre ein zuverlässiger Erzähler gewesen. Ich glaube, wir wären alle ein bisschen weniger verstört.

Natürlich gibt es auch gute Beispiele. Figuren, die ehrlich, reflektiert und selbstkritisch sind. Aber die sind leider eher die Ausnahme als die Regel, oder?
“Ich bin der Ich-Erzähler. Ich bin der Größte! Äh… Moment mal. War das jetzt zu angeberisch?”
Seht ihr? Das Problem beginnt schon bei der Selbstbeschreibung!
Mehr Distanz, Bitte!
Ich sehne mich manchmal einfach nach ein bisschen mehr Distanz. Nach einem Erzähler, der mir die Fakten liefert, ohne gleich meine Emotionen zu manipulieren. Jemand, der sagt: "Das ist passiert. So war es. Such dir selbst aus, was du davon hältst."

Ist das zu viel verlangt?
Ich verstehe ja, dass es spannend sein kann, in den Kopf einer Figur einzutauchen. Aber manchmal ist es auch einfach nur… laut. Und überfrachtet. Und ehrlich gesagt, ein bisschen selbstsüchtig.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen den Ich-Erzähler. Es gibt Stories, in denen er einfach perfekt funktioniert. Aber ich finde, wir sollten ihn nicht auf ein Podest stellen, als wäre er die Königsklasse der Erzählperspektiven.

Vielleicht ist es einfach so: Manchmal will ich nicht in der Geschichte sein. Manchmal will ich einfach nur die Geschichte hören.
Und manchmal will ich einfach nur, dass der Ich-Erzähler endlich die Klappe hält. Nur mal so gesagt.
Okay, okay, ich höre ja schon auf. Aber eine Sache noch: Denkt mal drüber nach! Vielleicht bin ich ja nicht ganz allein mit meiner Meinung. Vielleicht gibt es da draußen noch andere, die sich heimlich nach ein bisschen mehr Objektivität sehnen.
Oder vielleicht bin ich auch einfach nur ein grummeliger alter Kauz. Wer weiß das schon?
