Was Du Heute Kannst Besorgen

Der innere Schweinehund und die unerwartete Freude am Aufschieben
Jeder kennt ihn, diesen kleinen, inneren Nörgler, der flüstert: "Morgen ist auch noch ein Tag." Gemeint ist natürlich der berühmt-berüchtigte innere Schweinehund, der uns so gerne von dem abhält, was wir eigentlich tun sollten. Und er bedient sich dabei eines listigen Tricks: Er schiebt es auf. "Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen," ist ein altes Sprichwort, aber wer hält sich schon daran? Nun ja, vielleicht die Schweizer, aber der Rest von uns… eher nicht.
Warum aber ist das so? Warum lieben wir es so sehr, Dinge aufzuschieben, obwohl wir doch wissen, dass es uns später nur mehr Stress bereitet? Ist es Faulheit? Mangelnde Disziplin? Vielleicht ein bisschen von beidem, aber es steckt noch mehr dahinter. Manchmal ist es nämlich schlichtweg die Angst vor dem Ergebnis. Was, wenn ich die Präsentation vermassle? Was, wenn der Kuchen nicht gelingt? Was, wenn…?
Und dann gibt es da noch die Sache mit der Perfektion. Wir wollen es so perfekt machen, dass wir gar nicht erst anfangen. Denn wenn wir gar nicht erst anfangen, können wir auch nicht scheitern. Eine herrlich verdrehte Logik, nicht wahr?
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Die Kunst des kreativen Aufschiebens
Aber das Aufschieben muss nicht immer schlecht sein. Manchmal kann es sogar richtig kreativ sein. Stell dir vor, du sollst einen Bericht schreiben, aber du hast überhaupt keine Lust. Also räumst du stattdessen deine Wohnung auf. Oder du wäschst die Fenster. Oder du backst einen Kuchen. Alles Dinge, die du sowieso mal machen musstest, und jetzt fühlen sie sich plötzlich richtig befriedigend an. Das nenne ich kreatives Aufschieben!
Es ist wie ein kleines Ventil, um den Druck abzubauen. Wir tun etwas Sinnvolles, vermeiden aber gleichzeitig das, was uns eigentlich Angst macht oder uns einfach nur langweilt. Und hey, am Ende ist die Wohnung sauber, die Fenster glänzen und der Kuchen duftet. Win-Win!

Die Ironie des Lebens: Wenn das Aufgeschobene besser wird
Manchmal ist es sogar so, dass das Aufgeschobene besser wird, weil wir es aufgeschoben haben. Vielleicht braucht die Idee für den Bericht einfach noch ein bisschen Zeit, um zu reifen. Vielleicht finden wir durch Zufall beim Fensterputzen die zündende Idee. Oder vielleicht inspiriert uns der Duft des Kuchens zu neuen kreativen Höhenflügen.
Das Leben ist voller Überraschungen. Und manchmal sind es gerade die Dinge, die wir aufschieben, die uns zu neuen Wegen führen. Es ist wie bei einem guten Wein, der erst reifen muss, um sein volles Aroma zu entfalten. Oder wie bei einer guten Freundschaft, die erst durch gemeinsame Erlebnisse richtig fest wird.

Der kleine Unterschied: Prokrastination vs. bewusste Entscheidung
Wichtig ist aber, den Unterschied zwischen Prokrastination und einer bewussten Entscheidung zu erkennen. Prokrastination ist, wenn wir Dinge aus Angst oder Unlust vermeiden und uns danach schlecht fühlen. Eine bewusste Entscheidung ist, wenn wir uns bewusst dafür entscheiden, etwas aufzuschieben, weil wir gerade andere Prioritäten haben oder weil wir einfach eine Pause brauchen.
"Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10.000 Wege gefunden, die nicht funktionieren." - Thomas Edison.
Es ist wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein. Warum schiebe ich etwas auf? Ist es wirklich nur Faulheit? Oder steckt mehr dahinter? Und ist es wirklich so schlimm, wenn ich es aufschiebe? Manchmal ist es nämlich genau das Richtige, um den Kopf freizubekommen und mit neuer Energie an die Sache heranzugehen.

Also, was du heute kannst besorgen…
…kannst du vielleicht auch morgen besorgen. Oder übermorgen. Oder nächste Woche. Solange du es nicht komplett vergisst und solange du dir bewusst bist, warum du es aufschiebst. Manchmal ist es nämlich genau das Richtige, um den inneren Schweinehund auszutricksen und mit einem Lächeln im Gesicht zu sagen: "Ich mache das, wann ich will!" Und wer weiß, vielleicht wird es ja dadurch sogar noch besser.
Also, lass uns das Sprichwort ein wenig abwandeln: "Was du heute bewusst und mit Freude aufschieben kannst, das verschiebe ruhig auf morgen!" Denn manchmal ist es gerade das, was wir brauchen, um wieder neue Energie zu tanken und die Welt mit neuen Augen zu sehen.
