über Das Erhabene Schiller

Stell dir vor, du stehst vor einem tosenden Wasserfall, dessen Gischt dir ins Gesicht peitscht und dessen ohrenbetäubendes Rauschen dich erzittern lässt. Oder du blickst in den unendlichen Sternenhimmel, in dem Milliarden von Sonnen brennen und dich die winzige Bedeutung deiner Existenz spüren lassen. Was empfindest du in solchen Momenten? Angst? Ehrfurcht? Faszination? Schiller nannte dieses überwältigende Gefühl das Erhabene, und es ist bis heute ein Schlüssel, um seine Philosophie und sein Werk zu verstehen.
Dieser Artikel richtet sich an alle, die sich für Philosophie, Literatur und die Frage interessieren, was es bedeutet, Mensch zu sein. Wir werden uns Schillers Konzept des Erhabenen näher ansehen und erkunden, wie es seine Werke beeinflusst hat und warum es auch heute noch relevant ist.
Was ist das Erhabene?
Für Schiller ist das Erhabene (das Sublime) ein ästhetisches Gefühl, das entsteht, wenn wir mit etwas konfrontiert werden, das unsere Vorstellungskraft übersteigt. Es ist eine Erfahrung der Ohnmacht und Begrenztheit, aber gleichzeitig auch eine Erfahrung der Stärke und Freiheit.
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Es gibt zwei Arten des Erhabenen, die Schiller unterscheidet:
- Das mathematisch Erhabene: Dies entsteht, wenn wir mit unvorstellbar großen Dimensionen konfrontiert werden, wie z.B. dem Universum oder der Unendlichkeit.
- Das dynamisch Erhabene: Dies entsteht, wenn wir mit überwältigenden Naturgewalten konfrontiert werden, wie z.B. Stürmen, Erdbeben oder dem tosenden Meer.
Wichtig ist, dass das Erhabene nicht nur eine passive Erfahrung der Angst oder des Schreckens ist. Vielmehr ist es eine aktive Auseinandersetzung mit unserer eigenen Begrenztheit und die Erkenntnis, dass wir als vernunftbegabte Wesen über diese Begrenztheit hinauswachsen können.

Schiller und die Bewältigung des Erhabenen
Schiller argumentiert, dass die Erfahrung des Erhabenen uns hilft, unsere animalische Natur zu überwinden und unsere moralische Freiheit zu entwickeln. Denn in der Konfrontation mit dem Unendlichen und Überwältigenden erkennen wir unsere eigene Sterblichkeit und Begrenztheit. Diese Erkenntnis kann uns dazu bringen, uns auf höhere Ziele zu konzentrieren und uns für das Gute und Wahre einzusetzen.
"Der Mensch ist frei, wenn er das Unvermeidliche selbst will."

Dieses Zitat verdeutlicht Schillers Auffassung. Wir sind frei, wenn wir uns der Notwendigkeit stellen und sie annehmen, anstatt uns ihr widerstandslos hinzugeben. Die Erfahrung des Erhabenen ist also ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur moralischen Autonomie.
Das Erhabene in Schillers Werken
Das Konzept des Erhabenen spielt in vielen von Schillers Werken eine zentrale Rolle. Ein besonders eindrückliches Beispiel ist sein Drama Wilhelm Tell. Die Schweizer Eidgenossen, die sich gegen die habsburgische Tyrannei auflehnen, sind nicht nur politische Rebellen, sondern auch Verkörperungen des Erhabenen. Sie stellen sich einer übermächtigen Kraft entgegen und verteidigen ihre Freiheit und Würde, auch wenn es ihren Tod bedeuten kann.
Auch in seinen philosophischen Schriften, wie z.B. Über Anmut und Würde, beschäftigt sich Schiller intensiv mit dem Erhabenen. Er untersucht, wie wir uns durch die Kunst und die moralische Bildung zu freien und autonomen Wesen entwickeln können.
![[SPECIAL PRESS] UEBER DAS ERHABENE von Friedrich Schiller | Karl](https://pictures.abebooks.com/inventory/31926035390.jpg)
Hier ein paar Beispiele, wie sich das Konzept des Erhabenen in Schillers Werken widerspiegelt:
- Wilhelm Tell: Der Kampf der Schweizer gegen die übermächtige Unterdrückung.
- Die Jungfrau von Orleans: Johannas unerschütterlicher Glaube und ihre Bereitschaft, für ihre Überzeugungen zu sterben.
- Über das Erhabene: Eine detaillierte Analyse des Gefühls des Erhabenen und seiner Bedeutung für die menschliche Entwicklung.
Warum ist das Erhabene heute noch relevant?
In einer Zeit, in der wir ständig mit Krisen und Herausforderungen konfrontiert sind, ist Schillers Konzept des Erhabenen aktueller denn je. Es erinnert uns daran, dass wir als Menschen in der Lage sind, auch die schwierigsten Situationen zu bewältigen und gestärkt daraus hervorzugehen. Es ermutigt uns, uns unseren Ängsten zu stellen, unsere Begrenztheit zu akzeptieren und uns für eine bessere Welt einzusetzen.
![UEBER DAS ERHABENE by SPECIAL PRESS] Friedrich Schiller: (1918) | BLACK](https://pictures.abebooks.com/inventory/20764426325.jpg)
Die Erfahrung des Erhabenen kann uns helfen, uns von den Zwängen des Alltags zu befreien und eine tiefere Verbindung zu uns selbst und zur Welt um uns herum zu finden. Es ist eine Einladung, das Unendliche im Endlichen zu entdecken und unsere eigene Größe zu erkennen.
Die Auseinandersetzung mit Schillers Philosophie des Erhabenen kann dir helfen:
- Deine eigene Resilienz und Stärke zu entwickeln.
- Eine tiefere Wertschätzung für die Schönheit und die Kraft der Natur zu entwickeln.
- Dich für soziale Gerechtigkeit und eine bessere Welt einzusetzen.
- Ein erfüllteres und sinnvolleres Leben zu führen.
Also, das nächste Mal, wenn du vor einem überwältigenden Naturschauspiel stehst oder dich einer scheinbar unlösbaren Herausforderung gegenüber siehst, erinnere dich an Schiller und das Erhabene. Und erkenne, dass in dieser Erfahrung der Ohnmacht auch eine Chance liegt, zu wachsen und über dich hinauszuwachsen. Das Erhabene ist nicht nur ein Gefühl, sondern ein Weg zur Freiheit.
