Theorie Der Gerechtigkeit John Rawls

Kennst du das, wenn man mit Freunden um die letzte Pizzaecke streitet? Nicht, weil man wirklich noch Hunger hat, sondern weil es ums Prinzip geht? Wer hat den größten Anspruch darauf? Wer hat am meisten dazu beigetragen? Und überhaupt, was ist eigentlich fair?
Ich saß letztens mit genau dieser Frage über einer etwas trockenen Pizza und dachte: Moment mal, da war doch was! Und zack, mein Gehirn hat John Rawls' "Eine Theorie der Gerechtigkeit" ausgespuckt. Klingt erstmal nach staubtrockenem Lesestoff, aber glaubt mir, es ist spannender als es sich anhört!
Rawls, der gute Mann, wollte nämlich herausfinden, wie eine gerechte Gesellschaft aussehen müsste. Und zwar nicht durch fromme Wünsche, sondern durch ein ziemlich cleveres Gedankenexperiment.
Must Read
Der Schleier des Nichtwissens: Ein Gedankenexperiment
Stell dir vor, du planst eine neue Gesellschaft. Aber (und jetzt kommt der Clou!) du weißt nicht, welche Rolle du in dieser Gesellschaft einnehmen wirst. Bist du ein Genie? Ein Handwerker? Reich? Arm? Gesund? Krank? Du hast keine Ahnung. Das nennt Rawls den "Schleier des Nichtwissens".
Warum das Ganze? Nun, wenn du nicht weißt, ob du der CEO eines Großkonzerns oder ein Tellerwäscher bist, wirst du Gesetze und Regeln entwerfen, die für alle fair sind. Du willst ja schließlich nicht, dass du selbst am Ende unterdrückt wirst! (Oder, was noch schlimmer wäre, ständig Abwasch machen musst!)

Rawls argumentierte, dass Menschen unter diesem Schleier des Nichtwissens zwei grundlegende Prinzipien wählen würden:
- Das Gleichheitsprinzip: Jeder Mensch hat das gleiche Recht auf das umfassendste System gleicher Grundfreiheiten, das mit dem gleichen System für alle anderen vereinbar ist. Klingt kompliziert, heißt aber im Grunde: Gleiche Rechte für alle! Denk an Meinungsfreiheit, Wahlrecht, etc.
- Das Differenzprinzip: Soziale und wirtschaftliche Ungleichheiten sind nur dann gerechtfertigt, wenn sie zum Vorteil aller, insbesondere der am wenigsten Begünstigten, wirken. Und (ganz wichtig!) alle Positionen und Ämter müssen für jeden zugänglich sein.
Das Differenzprinzip ist der Knackpunkt. Es erlaubt Ungleichheit, aber nur, wenn sie wirklich allen zugute kommt. Zum Beispiel könnte man sagen, dass ein Arzt mehr verdient als ein Supermarktverkäufer, weil es Anreize schafft, Medizin zu studieren und somit die Gesundheitsversorgung für alle verbessert. Aber Achtung: Der Arzt darf nicht exorbitant mehr verdienen, sodass die Kluft zwischen Arm und Reich unüberbrückbar wird. Und jeder muss die Chance haben, Arzt zu werden, egal woher er kommt!

Kritik und Aktuelles
Klar, Rawls' Theorie ist nicht unumstritten. Einige sagen, sie sei zu utopisch. Andere kritisieren das Differenzprinzip als zu einschränkend. Und wieder andere (wie Robert Nozick) meinen, dass jede Umverteilung von Gütern grundsätzlich ungerecht sei. (Da scheiden sich die Geister, wie man so schön sagt!)
Trotzdem, Rawls' Ideen sind bis heute relevant. Denkt man an die wachsende Ungleichheit in vielen Gesellschaften, an den Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung, an die Debatte um soziale Gerechtigkeit – dann merkt man, wie wichtig es ist, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Und Rawls hat uns dafür ein wertvolles Werkzeug an die Hand gegeben.
Also, das nächste Mal, wenn du mit Freunden über die letzte Pizzaecke streitest, denk an den Schleier des Nichtwissens. Vielleicht kommt ihr dann zu einer gerechteren Lösung… oder zumindest zu einem friedlicheren Ende des Abends! Und wenn nicht, dann lest einfach mal in Rawls' Theorie rein. Es lohnt sich!
