Songtext Die Kleine Kneipe In Unserer Straße

Hand aufs Herz: Wer kennt sie nicht? Die kleine Kneipe in unserer Straße. Besungen, verklärt, fast schon heiliggesprochen. Aber mal ehrlich, ist sie wirklich so toll, wie alle tun?
Ich wage es ja kaum zu sagen, aber ich glaube, ich hab da so eine... naja, eine unpopuläre Meinung.
Der Geruch von abgestandenem Bier und altem Qualm
Klar, "traditionell" ist ein schönes Wort. Aber bedeutet traditionell nicht oft auch, dass seit den 70ern nicht mehr gelüftet wurde? Der Duftcocktail aus Bierflecken auf dem Teppich und dem Rauch der letzten tausend Zigaretten ist... sagen wir mal... speziell. Einige nennen es "Atmosphäre". Ich nenne es "brauche dringend frische Luft".
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Und dann die Gardinen. Beige. Immer. Und leicht klebrig. Warum?
Die Musik: Ein Fest für Schlagerfans (oder auch nicht)
"Die kleine Kneipe in unserer Straße, da wo das Leben noch lebenswert ist..." Ok, ich gebe zu, der Song von Peter Alexander ist ein Ohrwurm. Ein hartnäckiger. Aber rechtfertigt das, ihn dreimal pro Abend zu spielen? Und dann noch Marianne Rosenberg hinterher? Und danach nochmal Peter Alexander?

Ich hab ja nichts gegen Schlager. Wirklich nicht. Aber ein bisschen Abwechslung wäre schon schön. Vielleicht mal was aus diesem Jahrhundert? Ein leises Raunen geht durch die Runde. Verräter!
Die Stammgäste: Ein eingeschworener Haufen
Ich liebe Vielfalt. Ich schätze interessante Gespräche. Aber die Stammgäste in der Kneipe... sind halt... Stammgäste. Sie sitzen immer am selben Platz, trinken immer dasselbe Bier und erzählen immer dieselben Geschichten. Und wehe dem, der ihren Platz einnimmt! Blickduelle sind garantiert.
Versteht mich nicht falsch, ich finde es toll, dass sie einen Ort gefunden haben, an dem sie sich wohlfühlen. Aber als Neuling fühlt man sich schnell wie ein ungebetener Gast bei einem Familiengeburtstag, zu dem man nicht eingeladen war.

Außerdem: Wetten, dass mindestens einer von ihnen einen Hund hat, der auch Stammgast ist und ungefragt am Hosenbein schnuppert?
Das Essen: Herzhaft oder einfach nur... alt?
Frikadellen. Bockwurst. Käseigel. Die Speisekarte der Kneipe ist oft eine Zeitreise in die kulinarische Steinzeit. Und die Frikadellen? Nun ja, sie sind... da. Oft hart an der Grenze zur Unsterblichkeit. Ich vermute, sie werden seit der Eröffnung der Kneipe immer wieder frittiert.

Aber hey, immerhin gibt es Senf. Und der ist meistens noch nicht abgelaufen.
Warum ich trotzdem manchmal hingehe
Trotz all meiner Kritik... gebe ich zu, ich gehe manchmal trotzdem in die kleine Kneipe. Warum? Weil sie eben doch... irgendwie... gemütlich ist. Weil sie ein Ort ist, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Weil sie ein bisschen wie ein Wohnzimmer ist, in dem man nicht aufräumen muss.
Und weil es eben doch etwas Besonderes ist, mit ein paar Freunden ein Bier zu trinken und über die Welt zu philosophieren. Auch wenn im Hintergrund Peter Alexander singt.

Und ganz heimlich summe ich dann auch mit. "Die kleine Kneipe in unserer Straße..." Verdammt, ist der Song eingängig! Und wer weiß, vielleicht werde ich ja auch irgendwann ein Stammgast. Dann erzähle ich jedem, wie toll die Frikadellen sind. Und wie wichtig die beige Gardine ist. Tradition muss schließlich bewahrt werden!
Aber pssst! Nicht weitersagen, dass ich das gesagt habe. Das ist unser kleines Geheimnis. Denn eigentlich... eigentlich finde ich die kleine Kneipe gar nicht so schlecht. Nur eben... ein bisschen anders, als alle anderen.
Und mal ehrlich: Wer von euch hat sich jetzt auch ertappt gefühlt?
