Rl Stevenson Dr Jekyll And Mr Hyde

Kennt ihr das, wenn ihr morgens aufwacht und euch denkt: "Boah, heute bin ich aber mal so richtig motiviert! Ich werde die Welt retten, meinen Papierkram erledigen und dann noch einen Kuchen backen!" Und dann... plopp ... schaltet irgendwas um und plötzlich seid ihr nur noch ein miesepetriges Häufchen Elend, das am liebsten den ganzen Tag unter der Decke verbringen würde? Ja? Willkommen im Club! Robert Louis Stevensons "Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde" ist im Grunde genommen genau das – nur eben in viktorianisch und mit noch mehr Dramatik.
Dr. Jekyll, unser strahlender Held (na ja, mehr oder weniger), ist so ein typischer Gutmensch. Er ist Arzt, Wissenschaftler, beliebt, angesehen – kurz gesagt, ein richtiger Vorzeigebürger. Er hat alles, was man sich wünschen kann. Aber Achtung, jetzt kommt der Twist! Jekyll ist gelangweilt von seiner Perfektion. Er will mal so richtig die Sau rauslassen, ohne seinen guten Ruf zu ruinieren. Wer von uns kennt das nicht? Man will mal einen Abend lang tanzen, als gäbe es kein Morgen, aber am nächsten Tag muss man ja wieder die seriöse Steuerberaterin sein. Schwierig, schwierig.
Also braut Dr. Jekyll sich ein kleines Wundermittelchen zusammen. Und schwupps, verwandelt er sich in Mr. Hyde. Mr. Hyde ist das krasse Gegenteil von Jekyll: klein, hässlich, fies und einfach nur ein richtiges Arschloch. Er macht all die Dinge, die Jekyll sich niemals trauen würde: randalieren, Leute beleidigen, einfach nur Unfug treiben. Man könnte fast sagen, Hyde ist Jekylls innerer Schweinehund, der mal so richtig ausrastet.
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Und hier kommt der Clou: Jekyll findet das Ganze erstmal ziemlich geil. Endlich mal so richtig ausbrechen! Endlich mal all die unterdrückten Gefühle rauslassen! Es ist ein bisschen wie Diät halten und sich dann heimlich eine ganze Packung Kekse reinzuziehen. Kurzfristig fühlt es sich super an, aber langfristig...? Naja.
Die Sache eskaliert...
Denn, Überraschung, die Sache geht natürlich nicht gut. Hyde wird immer stärker, Jekyll verliert die Kontrolle. Es ist ein bisschen so, als würde man versuchen, ein wildes Tier in einem Käfig zu halten. Irgendwann bricht es aus. Hyde wird immer brutaler, immer unberechenbarer. Und Jekyll merkt, dass er da einen ganz schön dicken Fehler gemacht hat. Er versucht, das Ganze rückgängig zu machen, aber es ist zu spät. Die Kekspackung ist leer und die Waage zeigt das unbarmherzige Ergebnis.

Das Interessante an der Geschichte ist ja, dass sie so universell ist. Jeder von uns hat diese zwei Seiten in sich. Den braven Bürger, der sich an die Regeln hält, und den kleinen Teufel, der mal so richtig ausbrechen will. Es ist ein ewiger Kampf zwischen Gut und Böse, zwischen Vernunft und Trieb. Manchmal gewinnt der eine, manchmal der andere. Und manchmal... tja, manchmal verwandeln wir uns eben in Mr. Hyde, wenn auch nicht ganz so dramatisch wie im Buch.
Denkt mal drüber nach: Habt ihr nicht auch schon mal in einer hitzigen Diskussion Dinge gesagt, die ihr später bereut habt? Oder euch einen Abend lang komplett daneben benommen, nur um am nächsten Tag peinlich berührt festzustellen, dass ihr euch wie ein Volltrottel aufgeführt habt? Das ist im Grunde genommen der Jekyll-und-Hyde-Effekt in Miniatur. Wir alle haben diese dunkle Seite in uns, die ab und zu mal ans Licht kommt.

Stevensons Geschichte ist also nicht nur ein spannender Schauerroman, sondern auch eine tiefepsychologische Analyse der menschlichen Natur. Sie zeigt uns, dass wir alle komplexe Wesen sind, mit guten und schlechten Seiten. Und dass es wichtig ist, diese beiden Seiten zu akzeptieren und in Balance zu halten. Sonst enden wir vielleicht so wie Dr. Jekyll – und das will ja keiner, oder?
Also, das nächste Mal, wenn ihr das Gefühl habt, dass Mr. Hyde in euch erwacht, atmet tief durch, zählt bis zehn und erinnert euch daran, dass es auch noch einen braven Dr. Jekyll gibt, der die Kontrolle übernehmen kann. Und wenn das nicht hilft... dann esst halt doch ein paar Kekse. Aber nur ein paar, ja?
