Nachdenkliche Texte über Die Zeit

Okay, lasst uns ehrlich sein. Wer von uns hat nicht schon mal Die Zeit gelesen und sich danach gefühlt, als hätte man gerade versucht, ein ganzes Philosophie-Seminar zu verdauen?
Die Sonntagslektüre, die schlauer macht (oder so tut)
Sonntag Morgen. Kaffee dampft. Croissant liegt bereit. Und dann... Die Zeit. Das Hochglanzmagazin, das uns allen das Gefühl gibt, wir sollten mehr über Quantenphysik und die Innenpolitik von Burkina Faso wissen.
Nicht falsch verstehen, ich schätze intelligenten Journalismus. Wirklich. Aber manchmal frage ich mich, ob die Redakteure heimlich einen Wettbewerb veranstalten, wer den verschachtelsten Satz bauen kann. Oder wer die obskurste Referenz einbauen kann, die garantiert niemand versteht. Außer vielleicht der Literaturprofessor im dritten Stock.
Must Read
"Die poststrukturelle Dekonstruktion des Narrativs impliziert eine notwendige Infragestellung hegemonialer Diskurse!"
Klingt gut! Nur... was?

Ich meine, ich bin ja schon froh, wenn ich verstehe, worum es im Tatort geht. Müssen wir wirklich jeden Sonntag mit existenziellen Fragen über die menschliche Natur konfrontiert werden? Können wir nicht einfach mal über lustige Katzenvideos lesen?
Das Abo: Ein teures Gewissensberuhigungsmittel
Kommen wir zum Punkt: Das Abo. Es ist teuer. Verdammt teuer! Aber irgendwie fühlt es sich gut an, es zu haben. Es ist wie ein kleiner Beweis dafür, dass man ein intellektueller Mensch ist. Auch wenn man die Zeitung dann doch nur überfliegt, während man heimlich auf Instagram scrollt.
Ich habe Bekannte, die schwören auf Die Zeit. Sie zitieren Artikel auswendig und diskutieren stundenlang über die neuesten Wirtschaftstrends. Ich sitze dann daneben und nicke wissend, während ich innerlich überlege, was ich zum Abendessen kochen soll.

Vielleicht ist das ja auch der Trick. Vielleicht geht es gar nicht darum, alles zu verstehen. Vielleicht geht es darum, dazuzugehören. Zum Club derer, die so tun, als ob. Und hey, niemand will derjenige sein, der zugibt, dass er eigentlich lieber die Klatschspalten liest.
Der Kommentarbereich: Ein Minenfeld der Meinungen
Und dann ist da noch der Kommentarbereich. Oh Gott, der Kommentarbereich. Ein Ort, an dem sich die Crème de la Crème der deutschen Besserwisser tummelt. Hier werden Meinungen ausgetauscht, die so scharf sind, dass man sich daran schneiden kann. Und wehe dem, der eine andere Meinung hat! Dann hagelt es Downvotes und gehässige Kommentare.

Ich habe mich mal getraut, eine Frage zu einem Artikel zu stellen. Nur eine ganz harmlose Frage! Das Ergebnis war ein Shitstorm von ungeahnten Ausmaßen. Seitdem halte ich mich lieber fern. Ich überlasse den Kommentarbereich den Profis. Denen, die wirklich Spaß daran haben, sich im Netz zu streiten.
Also, was bleibt?
Trotz all meiner ironischen Bemerkungen: Ich respektiere Die Zeit. Sie ist wichtig. Sie liefert fundierten Journalismus. Sie regt zum Nachdenken an. Auch wenn ich manchmal das Gefühl habe, dass sie mich intellektuell überfordert.
Vielleicht sollte ich einfach aufhören, so zu tun, als ob ich alles verstehe. Vielleicht sollte ich einfach die Artikel lesen, die mich wirklich interessieren. Und vielleicht sollte ich mir erlauben, ab und zu auch mal über lustige Katzenvideos zu lesen. Das Leben ist zu kurz, um sich ständig schlecht zu fühlen, weil man nicht alle Artikel in Die Zeit versteht.

Und vielleicht, nur vielleicht, ist es okay, das Abo zu behalten. Als teures Gewissensberuhigungsmittel. Und als Beweis dafür, dass ich irgendwie doch ein intellektueller Mensch bin. Zumindest sonntags.
Aber pssst! Verratet es niemandem.
PS: Hat eigentlich jemand verstanden, was in dem Artikel über die poststrukturelle Dekonstruktion stand?
