Mit Dem Finger Auf Etwas Zeigen

Okay, mal ehrlich, wer von uns hat es noch nicht getan? Wer ist noch nie in die Verlegenheit gekommen, mit dem Finger auf etwas zu zeigen? Und ich rede hier nicht von der kindlichen Variante, wo man mit leuchtenden Augen auf den Eiswagen deutet. Nein, ich meine das subtile, oft unbeabsichtigte, manchmal auch ganz bewusste "Mit-dem-Finger-Zeigen" im übertragenen Sinne. Ihr wisst schon, wenn's mal wieder so richtig rund geht...
Wir alle kennen doch die Situation: Der Chef erklärt, warum das Projekt so grandios gescheitert ist (Spoiler: Lag natürlich nicht an ihm). Und er macht das mit einer Energie, die einem fast schon leid tut. Man sieht förmlich, wie er gedanklich mit dem Finger auf "die da oben", "die in der Marketingabteilung" oder "den Praktikanten, der sowieso keine Ahnung hat" zeigt. So als ob Fehler wie kleine, bösartige Gremlins sind, die von anderen ins System geschleust wurden.
Das Spiel mit der Schuld
Das "Mit dem Finger Zeigen" ist im Grunde ein uraltes Spiel: "Wer ist schuld?" Klingt simpel, ist aber ein psychologischer Drahtseilakt. Stell dir vor, du bist in einem Escape Room. Die Zeit tickt, die Nerven liegen blank, und plötzlich stolpert jemand über das wichtigste Kabel. Wer ist schuld? Der Stolperer? Der, der das Kabel verlegt hat? Oder gar der, der die Idee zum Escape Room hatte?
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Die Antwort ist natürlich: Es kommt drauf an! Aber meistens ist es einfacher, schnell jemanden zu finden, der den schwarzen Peter hat, als gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Das ist wie beim Fußball: Verlieren wir, war der Schiri blind. Gewinnen wir, sind wir die besten.
Und dann gibt es noch die Variante, bei der man mit dem Finger auf sich selbst zeigt. Aber nicht im Sinne von Selbstkritik, sondern eher so ein "Seht her, wie selbstlos ich bin! Ich nehme die Schuld auf mich, obwohl ich eigentlich unschuldig bin!" – das ist die Meisterklasse des Fingerzeigens.

Die Kunst der Deeskalation
Was können wir also tun, um diesem Teufelskreis zu entkommen? Erstens: Durchatmen! Bevor man reflexartig den Schuldigen sucht, lieber kurz innehalten und überlegen, was wirklich passiert ist. Und zweitens: Zuhören! Vielleicht hat der "Schuldige" ja eine ganz plausible Erklärung. Oder zumindest eine lustige Ausrede.
Ich erinnere mich an eine Situation, als ich mal einen wichtigen Präsentationstermin verpennt habe. Mein erster Impuls war, dem Wecker die Schuld zu geben (der Wecker war natürlich an, aber das ist eine andere Geschichte). Aber dann habe ich die Wahrheit gesagt: Ich war einfach zu müde und habe ihn im Halbschlaf ausgestellt. Die Reaktion meiner Kollegen? Erstaunlich verständnisvoll. Und ein bisschen amüsiert.

Und jetzt mal ehrlich...
Lass uns ehrlich sein: Wir werden das "Mit dem Finger Zeigen" nie ganz loswerden. Es ist tief in unserer Natur verwurzelt. Aber wir können versuchen, es bewusster einzusetzen. Nicht als Waffe, sondern als Chance, gemeinsam zu lernen und zu wachsen. Und wenn es doch mal schiefgeht? Dann einfach drüber lachen. Denn am Ende des Tages sind wir doch alle nur Menschen – mit all unseren Fehlern und Schwächen.
Also, beim nächsten Mal, wenn du dich dabei ertappst, wie du gedanklich mit dem Finger auf jemanden zeigst, denk daran: Vielleicht ist es besser, die Hand auszustrecken und gemeinsam nach einer Lösung zu suchen. Oder zumindest einen guten Witz zu machen. Das hilft meistens auch.
