Max Frisch Biedermann Und Die Brandstifter

Kennt ihr das, wenn man so richtig schlechte Laune hat und dann jemand um die Ecke kommt und einem penetrant auf die Schulter klopft, mit so einer "Ach, wird schon wieder"-Attitüde? Und man denkt sich nur: Bloß weg hier! Genau dieses Gefühl beschleicht mich, wenn ich an Biedermann und die Brandstifter denke. Aber keine Sorge, es wird nicht nur gejammert!
Denn Frisch's Stück ist ja nicht nur frustrierend, sondern auch irgendwie genial. Es ist wie ein Spiegel, der uns unsere eigene Blindheit vorhält. Und das auf eine Art und Weise, die gleichzeitig zum Lachen und zum Weinen ist.
Die Geschichte – Kurz und Schmerzlos
Also, worum geht's überhaupt? Josef Biedermann ist ein spießiger Geschäftsmann (schreibt euch das hinter die Ohren: spießig!), der Angst vor allem hat, was sein geordnetes Leben durcheinanderbringen könnte. Und dann kommen die Brandstifter. Zuerst einer, dann noch einer. Sie nisten sich in seinem Dachboden ein und Biedermann... ja, was macht er eigentlich? Er bewirtet sie, gibt ihnen Zündhölzer und hofft, dass sie ihn verschonen, wenn er nur nett genug ist. Typisch, oder?
Must Read
(Kleiner Einschub: Erinnert euch das nicht auch an diese Situationen, in denen man lieber wegschaut, anstatt sich einzumischen? Ja? Dann sind wir schon mal auf einer Wellenlänge!)
Die Parabel – Mehr als nur ein Feuer
Aber Biedermann und die Brandstifter ist natürlich mehr als nur eine Geschichte über einen naiven Mann und ein paar Pyromanen. Es ist eine Parabel. Frisch nimmt hier die Mechanismen von Verdrängung und Appeasement auseinander. Er zeigt uns, wie wir uns selbst belügen, um unsere Komfortzone nicht verlassen zu müssen. Und wie das am Ende eben doch zum Knall führt.

Biedermann repräsentiert das Bürgertum, das aus Angst vor Unbequemlichkeiten die Augen vor der Gefahr verschließt. Die Brandstifter stehen für ideologische Kräfte, die die Gesellschaft unterwandern – egal ob politischer Extremismus oder andere destruktive Tendenzen. Und Biedermann lädt sie quasi selbst ein!
(Mal ehrlich, habt ihr nicht auch schon mal gedacht: "Ach, das wird schon nicht so schlimm"? Tja, Biedermann auch.)
Warum ist das heute noch relevant?
Okay, das Stück ist aus den 50ern. Aber ratet mal, was immer noch passiert? Wir sehen es doch überall: Wir ignorieren Probleme, weil es bequemer ist. Wir reden uns ein, dass die Bedrohung nicht so groß ist, wie sie tatsächlich ist. Wir hoffen, dass es schon irgendwie gut gehen wird. Und dann stehen wir da, wenn alles in Flammen steht, und fragen uns: Wie konnte das passieren?

Die Geschichte von Biedermann ist also eine Warnung. Sie erinnert uns daran, dass wir nicht einfach nur zusehen dürfen, wie sich das Unheil zusammenbraut. Dass wir unseren Verstand einschalten müssen, auch wenn es unbequem ist. Dass wir Haltung zeigen müssen, auch wenn es Widerstand gibt.
(Keine Sorge, ich will euch jetzt nicht zum Weltverbesserer bekehren. Aber ein bisschen Nachdenken schadet ja nicht, oder?)

Biedermann – Ein tragischer Held?
Ist Biedermann ein tragischer Held? Schwer zu sagen. Er ist definitiv ein Antiheld. Er ist feige, selbstsüchtig und dumm. Aber er ist auch irgendwie menschlich. Wir alle tragen ein bisschen Biedermann in uns. Die Angst, die Bequemlichkeit, die Verdrängung – das kennen wir doch alle.
Vielleicht liegt die eigentliche Tragik darin, dass Biedermann sich seiner eigenen Schwäche nicht bewusst ist. Er glaubt, er handelt rational, aber in Wirklichkeit lässt er sich von seiner Angst leiten. Und das ist das wirklich Beängstigende daran.
Also, wenn ihr das nächste Mal in der Situation seid, in der ihr lieber wegschauen würdet, denkt an Biedermann. Und vielleicht entscheidet ihr euch dann, eben nicht die Zündhölzer rauszuholen.
