Kann Man Kurz Und Weitsichtig Sein

Wisst ihr, ich hatte mal einen Cousin, der war der Meinung, er bräuchte keine Brille. "Seh' alles prima," hat er immer gesagt. Bis wir mal im Kino waren und er mich gefühlt die ganze Zeit gelöchert hat: "Wer ist das? Was passiert da? Warum guckt der so komisch?" Am Ende stellte sich heraus: Er war kurzsichtig für die Leinwand und weitsichtig für sein Popcorn. Klassiker! Das hat mich dann irgendwie zum Nachdenken gebracht: Kann das überhaupt sein? Kann man kurz- UND weitsichtig sein? Die Antwort, wie so oft im Leben, ist ein bisschen komplizierter als man denkt.
Kurz gesagt: Ja, es ist möglich, sowohl kurzsichtig (Myopie) als auch weitsichtig (Hyperopie) zu sein. Aber wie geht das denn bitte? Man kann doch nicht gleichzeitig schlecht nah UND schlecht fern sehen, oder? Naja, doch, irgendwie schon.
Die Sache mit den Augen
Um das zu verstehen, müssen wir uns kurz die Grundlagen angucken. Stell dir dein Auge wie eine kleine Kamera vor. Das Licht kommt rein, wird von Linse und Hornhaut gebrochen und auf die Netzhaut projiziert. Wenn alles gut läuft, entsteht dort ein scharfes Bild. Läuft's aber nicht so, dann... ja, dann brauchen wir 'ne Brille.
Must Read
Bei der Kurzsichtigkeit ist das Auge zu lang oder die Brechkraft von Hornhaut und Linse zu stark. Das Bild wird vor der Netzhaut fokussiert, was dazu führt, dass du weit entfernte Dinge unscharf siehst. Beim Lesen ist aber alles top! Quasi der Experte für den kleinen Schriftkram.
Die Weitsichtigkeit ist quasi das Gegenteil. Das Auge ist zu kurz oder die Brechkraft zu schwach. Das Bild wird hinter der Netzhaut fokussiert. Deswegen sehen Weitsichtige in der Nähe unscharf. In der Ferne klappt es meistens besser, aber auch hier muss das Auge sich anstrengen, um das Bild scharf zu stellen. Stell dir vor, du musst ständig ein bisschen zoomen – auf Dauer ganz schön anstrengend, oder?

Und jetzt kommt der Clou: Astigmatismus
Hier kommt ein weiterer Faktor ins Spiel, der das Ganze noch spannender macht: der Astigmatismus oder die Hornhautverkrümmung. Die Hornhaut ist normalerweise schön rund, wie ein Fußball. Bei einem Astigmatismus ist sie eher wie ein Rugbyball geformt – unregelmäßig. Das führt dazu, dass das Licht unterschiedlich gebrochen wird und es zu verzerrten oder unscharfen Bildern kommt, sowohl in der Nähe als auch in der Ferne. Uff, kompliziert, ich weiß.
Und jetzt die Auflösung: Du kannst kurzsichtig oder weitsichtig und gleichzeitig einen Astigmatismus haben. Das bedeutet, dass du in bestimmten Achsen kurzsichtig und in anderen weitsichtig sein kannst. Dein Gehirn versucht dann, die Informationen irgendwie zusammenzusetzen, was zu Kopfschmerzen, müden Augen und generell einem Gefühl von "irgendwas stimmt hier nicht" führen kann.

Oder stell dir vor, du hast in einem Auge Kurzsichtigkeit und im anderen Weitsichtigkeit. Das ist zwar seltener, aber auch möglich. Dein Gehirn wird dann mit zwei unterschiedlichen Bildern bombardiert und muss jonglieren, um daraus ein halbwegs vernünftiges Gesamtbild zu erzeugen. Das klingt nach einem Vollzeitjob für dein Gehirn!
Was tun, wenn's brennt?
Wenn du das Gefühl hast, deine Augen spielen verrückt und du siehst weder nah noch fern scharf, dann ab zum Augenarzt oder Optiker! Die können genau feststellen, was los ist und dir die passende Brille oder Kontaktlinsen verschreiben.

Moderne Brillen können heutzutage übrigens ganz schön viel. Es gibt Gleitsichtgläser, die sowohl Kurzsichtigkeit als auch Weitsichtigkeit und Astigmatismus korrigieren können. Das ist wie ein Schweizer Taschenmesser für deine Augen! (Okay, vielleicht kein Schweizer Taschenmesser, aber ihr wisst, was ich meine.)
Also, keine Panik, wenn du das Gefühl hast, deine Augen sind im Chaos. Es gibt Lösungen! Und denk dran: Lieber einmal zu viel zum Arzt, als zu wenig. Deine Augen werden es dir danken!
