Inhalt Der Besuch Der Alten Dame

Leute, setzt euch, bestellt euch 'nen Kaffee (oder ein Bier, ich urteile nicht!), denn ich hab' euch 'ne Geschichte, die so absurd ist, dass sie fast schon wieder genial ist. Es geht um "Der Besuch der alten Dame" vom guten alten Dürrenmatt – ja, der Schweizer, der's draufhatte, moralische Dilemmata in aberwitzige Komödien zu verpacken.
Stellt euch vor: Güllen. Klingt schon irgendwie nach "Gülle", oder? Und ratet mal, wie's der Stadt geht? Richtig! Beschissen. Pleite, am Arsch, wirtschaftlich am Boden. Die Leute leben von Luft und Liebe… und Schulden. Kurz gesagt: Güllen ist das absolute Kaff der Welt. Wenn man hier eine Postkarte schickt, kommt sie erst nächstes Jahr an – und dann ist das Porto falsch.
Die Retterin aus Übersee: Claire Zachanassian
Und dann, wie aus dem Nichts (oder eher aus dem Privatjet), taucht Claire Zachanassian auf. Die alte Dame ist 'ne Multimilliardärin, die so reich ist, dass sie sich vermutlich 'nen ganzen Planeten kaufen könnte, wenn sie Bock hätte. Sie ist 'ne ehemalige Güllenerin, die vor Jahren die Stadt verlassen hat, weil… naja, weil Güllen halt Güllen war. Und weil sie von Alfred Ill, dem Ladenbesitzer, ziemlich mies behandelt wurde.
Must Read
Jetzt kommt der Clou: Claire bietet der Stadt eine Milliarde. Eine! Mit genug Nullen, um die komplette Güllener Bevölkerung in Schnappatmung zu versetzen. Eine halbe Milliarde für die Stadt, die andere Hälfte für die Bürger. Klingt zu gut, um wahr zu sein? Ist es auch. Claire hat nämlich eine kleine, aber sehr spezielle Bedingung.
Der Preis des Wohlstands: Ill muss sterben
Und hier kommt der Twist, der so schwarzhumorig ist, dass er eigentlich schon fast wieder politisch unkorrekt ist (aber hey, Dürrenmatt durfte das!). Claire will Gerechtigkeit. Und Gerechtigkeit bedeutet in ihrem Fall: Alfred Ill muss sterben. Ja, sterben. Ausgelöscht werden. Zum Teufel gejagt werden. Ihr wisst, was ich meine.

Die Güllener sind natürlich entsetzt. "Nein! Mord! Das geht doch nicht! Wir sind zivilisierte Menschen! Wir würden niemals…" (jetzt kommt's) "...aber eine Milliarde ist schon 'ne Stange Geld..."
Und genau hier beginnt der wahre Horror. Denn langsam, ganz langsam, sickert die Idee in die Köpfe der Güllener. Sie kaufen neue Schuhe, nehmen Kredite auf (in der Hoffnung auf die Milliarde, versteht sich), und schauen Alfred Ill plötzlich mit ganz anderen Augen an.

Die Moral von der Geschicht': Geld regiert die Welt (und macht sie krank)
Dürrenmatt hat hier 'ne fette Breitseite gegen Kapitalismus, Korruption und die menschliche Natur geschossen. Er zeigt uns, dass Geld eben doch nicht glücklich macht, sondern eher zu moralischen Bankrotterklärungen führt. Die Güllener sind am Ende reicher, aber ihre Seelen sind so dreckig wie der Güllener Bahnhof (der wahrscheinlich immer noch marode ist, selbst nach der Milliarde).
Das wirklich Gruselige ist, dass wir alle ein bisschen Güllen in uns haben. Würden wir wirklich anders handeln? Wären wir nicht auch versucht, den einfacheren, wenn auch moralisch verwerflichen Weg zu gehen? Dürrenmatt zwingt uns, in den Spiegel zu schauen und uns zu fragen: Was wären wir bereit zu tun für 'ne Milliarde?

Ich sag's euch, diese Frage lässt mich nachts schlechter schlafen als ein doppelter Espresso vor dem Zubettgehen. Und das ist wahrscheinlich genau das, was Dürrenmatt wollte. Er wollte uns aufwecken. Er wollte uns zeigen, dass die Welt eben nicht schwarz und weiß ist, sondern eher ein schlammiges Grau, in dem Gut und Böse fröhlich Hand in Hand tanzen.
Also, merkt euch: Wenn euch mal 'ne alte Dame mit 'ner Milliarde besucht, seid vorsichtig. Und kauft euch keine neuen Schuhe, bevor ihr das Kleingedruckte gelesen habt! Und vielleicht... nur vielleicht... rettet ihr damit nicht nur eure Seele, sondern auch die von eurem Nachbarn. Prost!
