In Seiner Kindheit Ein Garten

Erinnert ihr euch an diese Gärten aus eurer Kindheit? Nicht die akkurat gestutzten, von Mama penibel gepflegten Rosengärten, sondern die...äh...wilden Dinger. Die, in denen man stundenlang verschwinden konnte und die mehr Dschungel als Garten waren. Ich rede von Gärten, die so verwuchert waren, dass man sich fragte, ob da wohl noch ein T-Rex rumläuft.
In meiner Kindheit war so ein Garten quasi unser Hinterhof. Es war kein Garten im klassischen Sinne. Eher ein grüner, chaotischer Spielplatz der Natur. Unkraut größer als ich, Beerenbüsche, die aussahen wie aus einem Fantasy-Roman, und ein Komposthaufen, der mehr Leben beherbergte als der örtliche Zoo. Ihr kennt das, oder?
Das Abenteuer vor der Haustür
Dieser Garten war unser persönlicher Abenteuerspielplatz. Wir haben uns darin versteckt gespielt, Burgen gebaut (aus Laub und Ästen, versteht sich!), und uns eingebildet, Entdecker im Amazonas-Regenwald zu sein. Jede Pflanze war eine neue Entdeckung, jeder Käfer eine seltene Spezies. Naja, zumindest in unserer Vorstellung. In Wirklichkeit waren es wahrscheinlich nur stinknormale Maikäfer, aber hey, für uns waren sie so aufregend wie ein Raumflug.
Must Read
Ich erinnere mich an eine besonders epische Schlacht, die wir dort mit Brennnesseln gefochten haben. Ja, ihr habt richtig gelesen. Brennnesseln. Wir waren jung, ungestüm und...nun ja, ein bisschen dumm. Das Ergebnis war ein juckendes Desaster, das noch tagelang anhielt. Aber die Geschichte war es wert, oder?
Die Früchte der...äh...Wildheit
Und die Beeren! Oh, die Beeren! Es gab Himbeeren, Brombeeren und...naja, ich bin mir bei einigen Beeren bis heute nicht sicher, ob sie essbar waren. Aber das hat uns nicht davon abgehalten, sie zu probieren. Das Motto war: "Wenn du nicht tot umfällst, sind sie gut!". Wahrscheinlich haben wir mehr Erde als Beeren gegessen, aber das war egal. Es war das Gefühl, etwas Eigenes zu ernten. So ähnlich, wie wenn man seinen eigenen Salat anbaut, nur dass unserer halt von selbst gewachsen ist, ohne unser Zutun.

Der Garten war auch ein Ort der kleinen Katastrophen. Einmal habe ich versucht, einen "Zaubertrank" aus allem, was ich finden konnte, zu brauen. Ergebnis: Ein stinkendes Gebräu, das a) meine Mutter zur Weißglut brachte und b) wahrscheinlich alles Leben im Umkreis von fünf Metern abgetötet hat. Ups.
Mehr als nur Unkraut und Matsch
Aber trotz all des Unkrauts, des Matsches und der fragwürdigen Beeren war dieser Garten etwas Besonderes. Es war ein Ort der Freiheit, der Fantasie und der unbeschwerten Kindheit. Ein Ort, an dem wir wir selbst sein konnten, ohne Angst vor Urteilen oder Perfektion. Es war ein Paradies, erschaffen von der Natur selbst und bewohnt von kleinen, wilden Entdeckern.

Heute, wenn ich einen perfekt gestutzten Rasen sehe, muss ich immer ein bisschen schmunzeln. Es ist schön anzusehen, keine Frage. Aber es fehlt das gewisse Etwas. Es fehlt der Duft von feuchter Erde, das Summen der Bienen und die unendlichen Möglichkeiten eines verwilderten Gartens. Es fehlt eben das Paradies meiner Kindheit.
Also, erinnert euch an euren Garten aus der Kindheit. Er war vielleicht kein Meisterwerk der Gartenarchitektur, aber er war euer Meisterwerk. Und das ist doch das, was zählt, oder? Und wenn ihr Kinder habt, lasst sie ruhig mal im Garten rumtoben und Dreck essen. Es härtet ab!
Und wer weiß, vielleicht finden sie ja sogar einen T-Rex.
