In Hamburg Lebten Zwei Ameisen

In Hamburg lebten zwei Ameisen. Sagt man. Und wisst ihr was? Ich glaube, das ist maßlos überbewertet.
Okay, okay, bevor ihr mich jetzt steinigt (bildlich gesprochen, natürlich!), lasst mich das erklären. Jeder kennt dieses Gedicht. Es ist quasi das "Alle meine Entchen" der deutschen Insektenlyrik. Aber mal ehrlich: Ist es wirklich so gut?
Zwei Ameisen in Hamburg. Na und? Ich meine, Hamburg ist groß. Da leben Millionen Menschen. Da wird doch wohl Platz für zwei Ameisen sein, oder?
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Es ist ja nicht so, als hätten die beiden ein Luxusapartment mit Elbblick gemietet. Wahrscheinlich krabbelten sie irgendwo unter einem Pflasterstein rum. So aufregend ist das jetzt auch wieder nicht.
Ich weiß, ich weiß. Es geht um die Einfachheit. Die Melodie. Die Kindheitserinnerungen. Aber ich finde, da gibt es bessere Kinderlieder. Lieder mit mehr Action. Mit mehr… Ameisen! Zwei sind einfach zu wenig. Da fehlt das Ameisenchaos.
Andere Leute lieben das Gedicht, weil es so schön minimalistisch ist. Weniger ist mehr, sagen sie. Ich sage: Weniger ist… naja, weniger halt. Ich will mehr Ameisen! Eine ganze Ameisenkolonie, die die Reeperbahn unsicher macht! Das wäre mal ein Lied!

Ich meine, stellt euch das mal vor: Tausende kleine Ameisen, die in Miniatur-Seemannskostümen durch St. Pauli wuseln. Die auf der Suche nach Krümeln von Fischbrötchen sind. Die sich mit Möwen prügeln. Das wäre episch!
Aber nein. Wir kriegen zwei Ameisen. In Hamburg. Die wahrscheinlich einfach nur 'nen langweiligen Tag hatten.
Klar, das Gedicht ist eingängig. Der Rhythmus geht ins Ohr. Aber ist das wirklich ein Qualitätsmerkmal? Viele nervige Jingles sind auch eingängig. Und die wollen wir ja auch nicht feiern.
Und was machen die zwei Ameisen denn überhaupt? Steht das irgendwo? Krabbeln die einfach nur rum? Bauen sie einen Ameisenhaufen? Diskutieren sie über das Wetter? Wir wissen es nicht!

Das ist doch total unbefriedigend. Ich will Details! Ich will Hintergrundgeschichte! Ich will einen Ameisen-Plot-Twist!
"In Hamburg lebten zwei Ameisen, Die wollten nach Amerika reisen."
So! Das wäre doch schon mal ein Anfang! Eine kleine Ameisen-Road-Trip Story. Das hätte Potenzial!

Aber zurück zum Original. Vielleicht bin ich ja auch einfach nur zu kritisch. Vielleicht ist das Gedicht ja ein verstecktes Meisterwerk. Ein tiefgründiges Symbol für… irgendwas.
Vielleicht symbolisieren die zwei Ameisen ja die deutsche Zweiteilung. Oder die Sinnlosigkeit des Lebens. Oder einfach nur die Tatsache, dass es in Hamburg Ameisen gibt.
Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass ich das Gedicht nicht so toll finde, wie alle anderen. Und das ist okay. Geschmäcker sind verschieden.
Vielleicht sollte ich einfach mal ein eigenes Ameisenlied schreiben. Mit tausenden Ameisen. Und einer epischen Handlung. Und einem Happy End.

Oder vielleicht sollte ich einfach aufhören, über Kinderlieder nachzudenken. Das wäre wahrscheinlich das Beste.
Aber eins muss ich sagen: Wenn ich jemals nach Hamburg reise, werde ich ganz genau darauf achten, ob ich zwei Ameisen sehe. Nur um sicherzustellen, dass das Gedicht wenigstens ein bisschen Wahrheit enthält.
Und wenn ich sie sehe, werde ich sie fragen, ob sie nicht Lust haben, in meinem Ameisen-Epos mitzuspielen. Man weiß ja nie.
Denn ganz ehrlich: Die Welt braucht mehr Ameisen-Geschichten. Aber vielleicht nicht unbedingt mehr "In Hamburg lebten zwei Ameisen". Sorry, liebe Fans des Gedichts. Aber das ist meine unpopuläre Meinung.
